Airbus-Krise Gallois will Werke loswerden

Seit Wochen bestimmt Unsicherheit die Stimmung in den Airbus-Werken: Genaues über die anstehende Sanierung weiß niemand, schreckliche Gerüchte aber gibt es jede Menge. Jetzt erklärt Airbus-Co-Chef Gallois erstmals offen: Einige Standorte werden wahrscheinlich verkauft.


Berlin - "Wir können es uns auf Dauer nicht mehr leisten, überall aus eigener Kraft soviel zu investieren, wie notwendig ist, um jeden Standort zu sichern", erklärte EADS Chart zeigen-Co-Chef Louis Gallois in einem Interview mit der "Welt". Deshalb müsse darüber diskutiert werden, ob es für manche Standorte nicht sinnvoller sei, sie mit Partnern zu betreiben. "Wir müssen uns mehr auf unser Kerngeschäft konzentrieren und das Verhältnis zu unseren Partnern und Zulieferern neu bestimmen." Aber auch in der Verwaltung und in den Zentralen müsse Airbus schlanker und effizienter werden.

Gallois kritisierte die Diskussion über die unterschiedliche Produktivität der Standorte in Deutschland und Frankreich. Diese Propaganda ist Gift für Airbus." Deutsche und französische Standorte unterschieden sich in ihrer Wettbewerbsfähigkeit in keiner Weise. "Wir müssen Airbus endlich wirklich integrieren. Wir müssen die immer noch nationale Industrieorganisation überwinden."

Die Airbus-Führung will am 20. Februar Details ihres milliardenschweren Sparplans "Power 8" bekannt geben, der nach den Lieferverzögerungen beim Super-Airbus A380 aufgelegt worden war. Entscheidungen zu dem Programm seien noch nicht gefallen, erklärte Gallois." EADS-Co-Chef Thomas Enders sagte zur Verteilung der Einsparungen auf die Partnerländer, er werde mit seinem französischen Kollegen Louis Gallois darauf achten, "dass das Ganze balanciert und fair zugeht". Airbus prüft, die Fertigung bestimmter Teile auszulagern.

Unterdessen versucht der CEO von Airbus North America, Barry Eccleston, die Sorgen der Kunden über die aktuellen Probleme des Flugzeugbauers zu zerstreuen. Das Unternehmen verfüge über einen Auftragsbestand im Rekordvolumen von 258 Milliarden Dollar und sei auch in der Lage, die Wünsche seiner Kunden in den kommenden Jahren zu erfüllen, erklärte er jetzt. "Wir sind bis 2010 ziemlich ausverkauft", sagte Eccleston. Die Designprobleme beim neuen A380 und A350XWB seien inzwischen gelöst. Für die Sanierung werde das Unternehmen trotz des Widerstands der Mitarbeiter und einiger deutscher Regierungsmitglieder Stellen streichen, erklärte der Chef der Airbus-Tochter unverhohlen. Er rechne schlussendlich mit der Kooperation der Gewerkschaften.

2006 war Airbus beim Auftragseingang hinter den Wettbewerber Boeing Chart zeigen zurückgefallen. Eccleston erklärte, Airbus sei mit einem Marktanteil von 40 Prozent bis 60 Prozent "glücklich".

ase/ddp/Dow Jones



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