Airbus-Krise Merkel widerspricht Beust - Kauf von EADS-Anteilen noch nicht entschieden

Kauft die Bundesregierung Anteile am Airbus-Mutterkonzern EADS? Hamburgs Bürgermeister von Beust teilte heute mit: "Dass gekauft werden wird, steht fest". Doch wenig später widersprach Bundeskanzlerin Merkel: Die Entscheidung sei noch nicht getroffen.


Hamburg - Die Bundesregierung kauft nach Angaben von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) Anteile an EADS Chart zeigen. "Dass gekauft werden wird, steht fest", sagte Beust nach einem Gespräch mit dem neuen Airbus-Chef Louis Gallois. Details müssten allerdings noch geklärt werden.

Kanzlerin Merkel: "Gut, dass Herr Gallois heute in Hamburg ist"
AP

Kanzlerin Merkel: "Gut, dass Herr Gallois heute in Hamburg ist"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte dagegen, es sei noch keine Entscheidung über einen Einstieg bei dem in die Krise geratenen europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern getroffen. DaimlerChrysler Chart zeigen wolle weiterhin Verantwortung für EADS übernehmen. Sollte der Konzern Anteile verkaufen, sei es für die Bundesregierung ganz wichtig, Aktionäre zu finden, die sich dem Projekt von EADS und Airbus verpflichtet fühlen. Die Kanzlerin sagte nach einem Gespräch mit Frankreichs Staatspräsident Jaques Chirac in Paris, es sei gut, "dass Herr Gallois heute in Hamburg ist". Damit setze er ein Zeichen für den Standort Hamburg.

Merkel betonte aber auch, sie schließe einen Einstieg des deutschen Staates in den EADS-Konzern nicht aus.

Chirac sagte, er habe volles Vertrauen in Airbus. Er sei "sicher, dass diese Krise überwunden wird". Der französische Präsident äußerte Verständnis für die deutschen Sorgen um den Airbus-Standort Hamburg. "Ich teile diese Sorgen", sagte er. Die Lasten des Sanierungsplans müssten zwischen den Standorten Hamburg und Toulouse gleichmäßig verteilt werden.

Beust hatte in Hamburg, nur wenige Minuten vor Merkels Äußerungen, die angebliche Entscheidung der Bundesregierung, EADS-Anteile zu kaufen, gelobt: "Ich begrüße den Entschluss der Bundesregierung." Es werde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die ermittelt, welchen Beitrag Hamburg leisten wird. Die Industrie habe "auch eine patriotische Aufgabe", sagte er mit Blick auf den geplanten Aktienverkauf durch DaimlerChrysler.

Gallois betonte nach dem rund halbstündigen Gespräch im Hamburger Rathaus, dass Airbus vor tiefen Einschnitten stehe. Diese sollten jedoch in Abstimmung mit den Gewerkschaften, den Beschäftigten und den Verantwortlichen aus der Politik getroffen werden. Für die nötigen Einschnitte gebe es allerdings noch keine Entscheidungen. "Noch habe ich keine Vorschläge auf dem Tisch", sagte Gallois. Berichte über tausendfachen Stellenabbau bezeichnete er als "reine Spekulation".

kaz/dpa/dpa-AFX/Reuters



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