Airbus-Startbahnstreit: Kirche bricht Verhandlungen ab

Von

Im Streit um die Verlängerung der Startbahn für das Hamburger Airbus-Werk rückt eine gütliche Einigung in weite Ferne: Die Kirche in Neuenfelde hat die Verhandlungen mit dem Senat und Airbus über den Verkauf eines Schlüsselgrundstücks in der Nacht abgebrochen. Die Gegenseite droht einmal mehr mit Enteignung.

Airbus-Produktion in Hamburg: "Wir brauchen die Verlängerung"
DPA

Airbus-Produktion in Hamburg: "Wir brauchen die Verlängerung"

Hamburg - Der Kirchenvorstand teilte am Mittwochmorgen mit, dass man einstimmig beschlossen habe, nicht mehr außergerichtlich über den Verkauf eines für die Verlängerung notwendigen Grundstücks zu verhandeln.

Die Hamburger Kirchenleitung hat verärgert auf den Beschluss des Neuenfelder Kirchenvorstands reagiert. Bischöfin Maria Jepsen lasse durch das Nordelbische Kirchenamt die Rechtswirksamkeit des Beschlusses prüfen, teilte die Bischofskanzlei am Mittwoch mit. Die Bischöfin kläre die Möglichkeiten einer Wiederaufnahme von Gesprächen.

Airbus erklärte, der Kirchenvorstand von Neuenfelde nutzte sein Grundstück "zu Sperrzwecken". "Hier werden eindeutig einseitige Interessen vertreten, die mit dem Gemeinwohl nichts zu tun haben", hieß es. Das Management erklärte, weiterhin gesprächsbereit zu sein. Man hoffe darauf, dass sich im Kirchenvorstand wieder Einflüsse durchsetzen, die einen Dialog ermöglichten, teilte das Unternehmen mit. Das weitere Vorgehen sollte noch am Mittwoch in einem Krisentreffen mit dem Hamburger Senat abgestimmt werden.

Enteignung wird wieder Thema

Senatskreise erklärten gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass der Versuch, sich gütlich zu einigen, damit gescheitert ist. "Jetzt könnten sich wieder die Gerichte mit dem Fall beschäftigen", hieß es weiter. Mit anderen Worten: Die Stadt will die Widerständler enteignen.

Der Senat war bereits mit einem ersten Enteignungsversuch einiger Landbesitzer vor dem Hamburger Oberverwaltungsgericht gescheitert. Die Richter hatten Mitte August den Baustopp für die angestrebte Startbahnverlängerung bestätigt und die Enteignung von mehreren Grundstückseigentümern auf der geplanten Trasse für Unrecht erklärt.

Flugzeugwerft an der Elbe: 4000 neue Arbeitsplätze in Gefahr
DPA

Flugzeugwerft an der Elbe: 4000 neue Arbeitsplätze in Gefahr

Nun aber sehen die Verantwortlichen eine "deutlich verbesserte Bedarfsbegründung", zumal Airbus in der Zwischenzeit unmissverständlich klar gemacht hat, dass das Auslieferungszentrum für den Großraumflieger A380 ohne die um 589 Meter verlängerte Start- und Landebahn nicht nach Hamburg kommt.

"Wir warten auf eine Entscheidung in Hamburg, wir brauchen die Verlängerung der Runway", erklärte das Unternehmen am Montag. Die Zeit drängt. Ursprünglich wollte der Konzern-Aufsichtsrat bereits im November über das Vorhaben entscheiden. Dann hieß es, das Gremium wolle sich Anfang Dezember mit dem Thema beschäftigen. Außerdem wurde betont, dass für bestimmte Entscheidungen "nicht unbedingt Aufsichtsratssitzungen notwendig" seien.

Der Kanzler will vermitteln, darf aber nicht

Neben der Kirche in Neuenfelde verweigern zwei private Landbesitzer den Verkauf der benötigten Grundstücke. Am Dienstag hatte Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) eine Vermittlertätigkeit von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in dem Konflikt abgelehnt. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung überbrachte der Wirtschaftsstaatssekretär und Luftfahrt-Experte der Bundesregierung, Dietmar Staffelt, das Angebot. Die Startbahnverlängerung für Airbus habe für die Bundesregierung hohe Priorität, sagte Staffelt der Zeitung.

Sollte das Projekt scheitern, droht dem Industriestandort Hamburg ein Prestigeverlust. Damit nicht genug: Ohne das Auslieferungszentrum sind laut einer Studie bis zu 4000 neue Arbeitsplätze für die Luftfahrtindustrie der Hansestadt bedroht. Dieses könnte stattdessen im französischen Toulouse entstehen.

Von Beust hatte bereits vor einem Bedeutungsverlust für die Flugzeugwerft an der Elbe gewarnt. Auch kleine und mittelständische Zulieferunternehmen beobachten die Entwicklung mit Sorge. "Wenn die Startbahn nicht verlängert werden sollte, fürchten viele unserer Betriebe um ihre Existenz", erklärt Uwe Gröning vom norddeutschen Industrieverbund Hanse-Aerospace am Mittwoch.

Knapp 50 dieser Firmen sind direkte Airbus-Zulieferer und in ihrer Unternehmensstruktur ganz oder teilweise von Airbus Deutschland abhängig. Am Airbus A380-Programm sind 13 dieser Betriebe beteiligt.

Auf der anderen Seite stehen die Einwohner des Dorfes Neuenfelde. Sie sehen die Existenz ihres Wohnortes bedroht und kämpfen seit Jahren erbittert gegen die Startbahnverlängerung.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS

© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite