Akteure in Hongkong Champagnertrinker und der "Fürst der Finsternis"

Bei der Konferenz der Welthandelsorganisation WTO in Hongkong werden neben den Ministern auch Tausende Diplomaten, Lobbyisten, Entwicklungshelfer, Beobachter und Journalisten anwesend sein. Auf drei Männer aber wird es besonders ankommen.


Pascal Lamy,

Generaldirektor der Welthandelsorganisation WTO, ist in Verhandlungsfragen mit allen Wassern gewaschen. Zwar leitet der 58-Jährige die WTO erst seit wenigen Monaten, doch als früherer EU-Kommissar für Außenhandel kennt der Sozialist die Abläufe wie kaum ein anderer. Seine taktischen Haken überraschen zuweilen selbst engste Vertraute.

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Der Marathon-Läufer Lamy, der seinen Genfer Mitarbeitern nicht nur längere Arbeitstage, sondern auch Französisch als Sitzungssprache zumutet, muss allerdings noch Überzeugungsarbeit leisten: Dass es ihm als Europäer ernst ist mit den Anliegen aller WTO-Staaten, auch der armen. Und dass er als Franzose wirklich unabhängig ist von seinem Heimatland, das mit einem Veto in Hongkong droht, sollten die französischen Agrar-Interessen missachtet werden.

Robert Portman, US-Handelsbeauftragter, wird auf jeden Fall einen Grund zum Feiern haben: Er wird am 19. Dezember 50 Jahre alt. Dass dann Champagnerlaune herrscht, wird auch vom Verhandlungsgeschick des Juristen und Millionärssohns Portman abhängen.

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Der gläubige Methodist wird von Vertrauten als Mann des Konsenses beschrieben. Viel internationale Erfahrung hat der frühere republikanische Abgeordnete aus Ohio, der sein Amt erst seit Mitte des Jahres ausübt, bislang nicht. Dafür ist ihm die Rückendeckung von US-Präsident George W. Bush gewiss, dessen enger Freund er ist. Und nachdem Bushs Vision einer amerikanischen Freihandszone von Alaska bis Feuerland zunächst auf Eis liegt, dürfte der Ehrgeiz in Sachen WTO um so größer sein. Das Scheitern der WTO-Konferenz von Seattle 1999 erlebte Portman hautnah als Mitglied der US-Delegation mit.

Peter Mandelson, EU-Handelskommissar, eilt ein Ruf wie Donnerhall voraus. "Fürst der Finsternis" wurde der Brite in der heimischen Presse wegen seiner Fähigkeit zur Intrige und seinen halbseidenen Beziehungsgeflechten betitelt. Gleich zwei Mal musste Mandelson in Großbritannien wegen Skandalen von seinen Ministerposten zurücktreten, doch dass der 52-Jährige nun das wichtige Amt in Brüssel bekleidet, zeugt von seinen Steherqualitäten.

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Die werden wohl auch seine Kollegen bei der WTO-Konferenz zu spüren bekommen. Für viele erstaunlich schnell hat sich der frühere Politik- und Kommunikationsjunkie Mandelson in die trockene Handelsmaterie eingearbeitet, dabei half ihm auch sein Wirtschaftsstudium in Oxford. In Hongkong wird Mandelson alle seine Fähigkeiten brauchen, um nicht nur die EU nach außen zu vertreten, sondern auch die widerstreitenden Interessen der 25 Mitgliedstaaten unter einen Hut zu bringen. Insbesondere Frankreich traut dem liberalen Mandelson nicht über den Weg.



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