Aktien-Hype Deutsche-Bank-Tochter ruft Ende der Kreditkrise aus

Die Kreditkrise ist an den Aktienmärkten vorbei - das behauptet die größte deutsche Fondsgesellschaft, die Deutsche-Bank-Tochter DWS. "Wir glauben, die Kurse gehen jetzt rauf", sagt ein hochrangiger Manager zu SPIEGEL ONLINE - dabei sehen die ökonomischen Basisdaten alles andere als rosig aus.

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Hamburg - Monatelang hielten die Banken die internationalen Finanzmärkte in Atem, immer neue Horrornachrichten sorgten an den Börsen für Kursstürze. Doch jetzt soll es wieder aufwärts gehen: Nach Einschätzung der Deutsche-Bank-Tochter DWS haben die Aktienmärkte ihr Tief erreicht. Die DWS ist mit einem verwalteten Vermögen von rund 140 Milliarden Euro die größte Fondsgesellschaft Deutschlands.

Börse in Frankfurt: Hiobsbotschaften können die Anleger nicht mehr schocken
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Börse in Frankfurt: Hiobsbotschaften können die Anleger nicht mehr schocken

"Die Probleme, die die Krise ausgelöst haben, sind mittlerweile in die Kurse eingepreist", sagt der Leiter des DWS-Aktienmanagements Schwellenländer, Thomas Gerhardt, zu SPIEGEL ONLINE. Mit anderen Worten: Die aktuellen Kurse spiegeln das volle Ausmaß der Krise wider, weitere Hiobsbotschaften können die Anleger nicht mehr schocken.

"Natürlich kann man weitere schlechte Nachrichten nicht ausschließen", sagt Gerhardt. So sei es nach wie vor möglich, dass Banken hohe Summen abschreiben und frisches Kapital aufnehmen müssten. "Aber das wird die Börse nicht mehr belasten. Wir glauben, dass es mit den Aktienkursen jetzt wieder raufgeht."

Seinen Optimismus begründet der Fondsmanager mit seinen Erfahrungen im täglichen Geschäft. "Wir stellen fest, dass es keine großen Verkäufe mehr gibt." Wer wegen der Finanzkrise Aktien abstoßen wollte, habe dies mittlerweile getan. Nun gehe es darum, wieder welche zu kaufen. "Viele Marktteilnehmer sitzen auf großen Mengen Cash. Dieses Geld will jetzt angelegt werden", sagt Gerhardt.

Die DWS selbst habe diese Strategie bereits umgesetzt. Zum Höhepunkt der Kreditkrise hatten die Fonds des Unternehmens eine Cashquote von bis zu 25 Prozent, nun sei sie wieder auf das Normalmaß von null bis fünf Prozent gesunken. Das heißt: Die DWS hat das Geld in Aktien gesteckt. "Wir sind wieder voll investiert", sagt Gerhardt.

Natürlich sind die Äußerungen der DWS mit Vorsicht zu genießen. Fondsgesellschaften streuen immer wieder Informationen, um den Markt in ihrem Sinn zu beeinflussen. Bemerkenswert ist jedoch, dass andere Investoren genauso wie die DWS vorgehen. "Die Krise ist nicht ausgestanden, aber beherrschbar", sagt Victor Moftakhar, Aktienchef der Deka, im "Handelsblatt". Der Zeitung zufolge haben schon mehrere Fondsgesellschaften wieder im großen Stil Aktien hinzugekauft.

Dazu passt die Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF), der den Höhepunkt der Finanzkrise überschritten sieht. "Die schlimmsten Nachrichten liegen hinter uns", sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn am Mittwoch vor dem Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments.

Allerdings teilen nicht alle Branchenkenner die Zuversicht des Marktführers DWS. "Der Kapitalmarkt ist noch nicht aus dem Gröbsten heraus", sagt Andreas Utermann, Chef-Investmentstratege bei Allianz Global Investors, im "Handelsblatt". Seiner Ansicht nach werden die starken Kursschwankungen bis in das vierte Quartal hinein anhalten.

Tatsächlich sehen die ökonomischen Basisdaten alles andere als rosig aus. Der hohe Ölpreis und die schwache US-Konjunktur belasten fast alle Volkswirtschaften der Welt. Doch das schadet den Aktienmärkten nicht mehr, sagt DWS-Mann Gerhardt. "Wir glauben, dass es in den USA nach zwei oder drei Quartalen aufwärts geht. Die Börse hat dies bereits antizipiert." Das bedeutet: Die Kurse steigen schon jetzt, weil die Anleger die realwirtschaftliche Entwicklung vorwegnehmen. "Die Aktienmärkte sind immer schneller als die Konjunktur", sagt Gerhardt.

Die krisengeplagte US-Börse könnte sich sogar schneller berappen als die deutsche. "Die USA sind im Zyklus weiter als wir", sagt Gerhardt. Schließlich habe man den Abschwung hierzulande erst noch vor sich - selbst wenn er deutlich geringer ausfallen dürfte als in den Vereinigten Staaten.

Mit anziehender US-Konjunktur wird sich laut DWS auch die amerikanische Währung erholen. "Der Dollar war in der Krise unterbewertet. Wenn das Wachstum wieder kommt und die Phase der Zinssenkungen zu Ende geht, wird er zulegen", sagt Gerhardt.

Für Anleger bedeute dies, dass der amerikanische Aktienindex Dow Jones Chart zeigen zusammen mit dem stärker werdenden Dollar mehr zu bieten habe als der deutsche Dax Chart zeigen. Das zeigt sich auch in der neuen DWS-Strategie: Der Fonds setzt verstärkt auf US-Aktien. "Wir haben Amerika bisher untergewichtet", sagt Gerhardt. "Jetzt gehen wir zu einem ausgewogeneren Verhältnis über."

Trotzdem sieht der Fondsmanager auch beim Dax Potential. Bis zum Ende des Jahres werde der Index um rund zehn Prozent auf 7700 bis 7800 Punkte steigen. "Wenn es gut läuft, schaffen wir auch 8000."

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