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Aktien-Mails: Spammer wegen Kursmanipulation angeklagt

Der Prozess dürfte größtes Aufsehen in der Internet-Gemeinde auf sich ziehen: In den USA steht Alan Ralsky vor Gericht, der als König der Spammer gilt. Die Staatsanwälte werfen ihm vor, mit frei erfundenen Empfehlungen Aktienkurse manipuliert zu haben.

Detroit - Alan Ralsky ist einer der unbeliebtesten Männer des Internet. Mindestens 150 Millionen E-Mail-Adressen hat er nach eigenem Bekunden in seinem Verteiler gehortet. Nach Überzeugung von Staatsanwälten und Ermittlungsbehörden missbraucht er sie, um Spam-Mails zu verschicken - frei erfundene Botschaften, die dazu dienen, die Adressaten zu manipulieren, zu täuschen oder über den Tisch zu ziehen.

Spam-Mail: Genug Meinungsmacht, um die Börse zu manipulieren
Symantec

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Bislang haben die Ankläger es nicht geschafft, den 52-Jährigen dingfest zu machen. Jetzt aber wollen sie ihn vor Gericht bringen. Der Vorwurf: Betrug und Aktienmanipulation. In einer 41-seitigen Anklageschrift werfen sie Ralsky und zehn weiteren Verdächtigen - drunter Ralskys Schwiegersohn - vor, durch Spam-Mails die Kurse an der chinesischen Börse beeinflusst zu haben. Gut drei Millionen Dollar habe er mit gefälschten Aktienempfehlungen erbeutet, sagt der US-Anwalt Stephen Murphy.

Experten sprechen von einer "Pump-and-Dump-Kampagne". Spammer kaufen das Papier zu einem günstigen Kurs. Dann verschicken sie E-Mails, die zum Teil aussehen wie professionelle Investment-Newsletter. Wenn Umsatz und Kurs aufgrund der künstlich erzeugten Nachfrage gestiegen sind, verkaufen sie ihre Aktienpakete mit großem Gewinn.

"Eine Menge Menschen springen auf solche Spam-Mails an", sagt Murphy, "sie denken tatsächlich, die E-Mails enthalten offizielle Aktien-Tipps." Laut Murphy haben Ralsky und die anderen Angeklagten verschiedene illegale Methoden angewandt, um ihre falschen Aktien-Mails zu verschicken. Unter anderem hätten Sie sogenannte Botnets verwendet - sprich: fremde Rechner erst mit Viren infiziert und dann so manipuliert, dass sie Spam an alle ihnen bekannten E-Mail-Adressen weiterleiten.

Zurzeit befindet sich Ralsky auf freiem Fuß, hält sich vermutlich in Europa auf. Er werde sich aber voraussichtlich in den nächsten Tagen stellen, sagte sein Anwalt, Philip Kushner, der US-Zeitung "Detroit News". "Wir wussten nicht, dass die Anklage auf uns zukommt." Sein Mandant weise die Anklage zurück, sie basiere auf einem neuen Statut, das bislang so vor Gericht nicht behandelt wurde. Sollte Ralsky den Prozess verlieren, drohen ihm bis zu 20 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von bis zu 250.000 Dollar.

Ralsky steht seit Jahren immer wieder vor Gericht. Bereits 2001 verklagte ihn die Firma Verizon, da er angeblich deren Netzwerke mit Millionen Spam-Mails zum Absturz gebracht hatte. 2005 führte das FBI eine Razzia in Ralskys Haus durch. Sie suchten unter anderem nach Beweisen dafür, dass er 14 Internet-Adressen zum Versand seiner E-Mails missbraucht, um seine Identität zu verschleiern - eine Vorgehensweise, die in den USA seit 2004 illegal ist.

ssu/AP

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