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Aktienabsturz: Premiere gab Kundenzahl viel zu hoch an

Jeder fünfte Premiere-Kunde existiert gar nicht. Mit dem Eingeständnis drastisch überhöhter Kundenzahlen hat der Bezahlsender die Börse schockiert - der Aktienkurs stürzte drastisch ab. Außerdem kündigte das Unternehmen einen Verlust an - und erwägt laut einem Medienbericht sogar den Rückzug von der Börse.

München - Die Zahl der Abonnenten sei bei einer Neuberechnung um rund 940.000 gesenkt worden, teilte Premiere am Donnerstagabend mit. Damit entfällt etwa jeder fünfte Premiere-Kunde. Der Aktienkurs sackte am Freitag auf 4,60 Euro ab und halbierte sich - das Papier schloss mit einem Minus von 55,6 Prozent. Zwischenzeitlich war die Aktie sogar bis auf 3,55 Euro gefallen.

Premiere-Mikro: Zu hohe Kundenzahl hinausposaunt
DPA

Premiere-Mikro: Zu hohe Kundenzahl hinausposaunt

Premiere teilte zudem mit, dass Finanzvorstand Alexander Teschner mit sofortiger Wirkung geht. Damit setzt Medienmogul Rupert Murdoch die Aufräumarbeiten bei dem deutschen Bezahlsender nach Übernahme der Kontrolle vor einigen Wochen fort.

Premiere Chart zeigen habe tatsächlich gut 2,4 Millionen direkte Abonnenten sowie knapp 1,2 Millionen Kunden über diverse Partner, teilte der Sender mit. 606.000 Kunden würden nicht mehr berücksichtigt, weil diese nur aus Verträgen mit Geschäftspartnern resultierten und es bisher keine Abonnement-Aktivierungen gegeben habe. Weitere 334.000 Abonnenten, die noch über eine Premiere-Smartcard verfügten, würden nicht mehr gezählt, weil ihr Abonnement beendet sei und sie derzeit keine Zahlungen leisteten.

Laut einem Medienbericht wird ein Rückzug des Bezahlsenders von der Börse erwogen. Dies könne ein Teil der vom neuen Premiere-Chef Mark Williams angekündigten Restrukturierung werden, berichtet die Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag" aus Kreisen des Unternehmens. Dadurch könnte man das Unternehmen in Ruhe und ohne Druck durch die Quartalsberichterstattung umbauen.

Zudem kündigte der Abosender für das laufende Jahr einen operativen Verlust an. Nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen sei mit einem Minus von 40 bis 70 Millionen Euro zu rechnen, hieß es. Bei der Prognose nicht berücksichtigt seien allerdings mögliche positive Einmaleffekte aus dem weiteren Verkauf von Free-TV-Übertragungsrechten an der Fußball-Weltmeisterschaft 2010.

Als Konsequenz aus der Prognose habe Premiere Gespräche mit seinen Banken über die Restrukturierung von Kreditvereinbarungen aufgenommen und sei zuversichtlich, eine Einigung zu erzielen. Derzeit gebe es keine Pläne für eine Kapitalerhöhung, betonte Premiere-Chef Mark Williams. Er übernimmt zunächst selbst die Aufgaben des Finanzvorstands, bis ein Nachfolger für Teschner gefunden wird.

Williams, ein Manager von Murdochs Medien-Imperium News Corp. Chart zeigen, hatte erst Anfang September den Chefposten bei Premiere übernommen. Sein Vorgänger Michael Börnicke zog sich nach nur gut einem Jahr unter Hinweis auf persönliche Gründe zurück. Er hatte noch im Juni eine Kundenzahl von zehn Millionen zum Jahr 2012 in Aussicht gestellt.

Premiere hatte im ersten Halbjahr einen Netto-Verlust von 65,9 Millionen Euro nach 28,1 Millionen im Vorjahr verbucht. Das Ergebnis nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen war nach den ersten sechs Monaten mit 11,2 Millionen Euro noch positiv und leicht höher als im Vorjahr. Der Sender war in den vergangenen Monaten von hohen Kosten für den Rückkauf der Bundesliga-Rechte vom einstigen Rivalen Arena sowie dem Kampf gegen zahlreiche Schwarzseher belastet worden.

kaz/ore/dpa/dpa-AFX

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