Aktienoptionen Die Tricks der Manager


Compaq-Chef Michael Capellas bekam Aktien im Wert von 24 Millionen Dollar

Compaq-Chef Michael Capellas bekam Aktien im Wert von 24 Millionen Dollar

Das ursprüngliche Argument für die Bezahlung in Aktienoptionen lautete so: Optionen sollten die Chef dazu verleiten, härter zu arbeiten, die Firma in die Gewinnzone zu bringen, um dann von steigenden Kursen zu profitieren. Wer gut und viel arbeitet, verdient mehr. Eine einfache und sehr amerikanische Weisheit.

Die Manager haben sie für ihre Zwecke einfach umgedreht. Geht es den Unternehmen schlecht, sinkt der Wert der Aktien und damit der Reichtum der Bosse. Also müssen noch größere Anreize geschaffen werden, die Firma wieder auf Kurs zu bringen, lautet nun die Logik in Zeiten des Bärenmarktes.

Damit die Manager ihr Geld bekommen, wird gerne der Ausgabepreis der Aktienoptionen reduziert. So machte es Cisco Systems. Dort setzte man die wertlosen Optionen wieder unter den aktuellen Kurs, und schon waren die Manager wieder im Plus. Auch Microsoft setzte im vergangenen Jahr den Ausübungspreis für 70 Millionen bereits ausgegebener Optionen herunter.

Außer in Optionen lassen sich viele Manager auch in so genannten "restricted shares" auszahlen. Das sind reguläre Aktien, die nach einer bestimmten Zeit verkauft werden können. Der Einlöser erhält den vollen Börsenwert, und muss nicht wie bei Optionen die Papiere zuerst kaufen. Compaq gewährte seinem neuen Vorstandchef Michael D. Capellas 970.000 restricted shares im Wert von 24 Millionen Dollar, von denen ein Teil sofort einlösbar waren. Dazu gab es noch mehrere Millionen Dollar Grundgehalt und Bonuszahlungen. Seitdem ging es mit dem Compaq-Kurs nach unten. Im März musste Capellas die Entlassung von sieben Prozent der Belegschaft ankündigen. Kenneth Roman vom Aufsichtsrat verteidigte jedoch das Gehalt des Vorstandschefs: "Wir brauchen ihn wirklich".

Warum nicht ein Flugzeug?

"Die Vorstandsvorsitzenden können machen, was sie wollen, sie tragen kein Risiko für die Einhaltung der Unternehmensziele", sagt Judith Fischer vom Executive Compensation Advisory Committee.

So wie der Chef der Internetfirma Priceline.com. Dort waren die Aktien von einem Höchststand von 161 Dollar auf etwas über einen Dollar abgestürzt. Der Vorstandvorsitzende Daniel Schulman saß auf sieben Millionen wertlosen "Unterwasseroptionen". Die tauschte er gegen 2,5 Millionen Stammaktien. So kam er trotz eines desaströsen Geschäftsjahres noch auf ein Millionengehalt.

Auch Bonuszahlungen erleben eine Renaissance - in bar oder in Naturalien. So genehmigte der Aufsichtsrat von Apple Steve Jobs einen Gulfstream-Jet im Wert von 90 Millionen Dollar, die Apple-Aktien fielen unterdessen in den Keller. Und ein Wechsel des Arbeitgebers ist ebenfalls eine willkommene Möglichkeit richtig abzusahnen. Als General-Electric-Manager Gary Wendt im vergangenen Jahr zu Conesco, einem Versicherungs- und Finanzunternehmen wechselte bekam er einen Bonus von ganzen 45 Millionen Dollar - cash natürlich. Dazu gab es noch zehn Millionen Aktienoptionen als kleinen Leistungsanreiz. Nach einem Jahr, im Amt feuerte der reichlich bedachte 20 Prozent seiner Mitarbeiter, 3000 Menschen. Der Firma gehe es sehr schlecht, sie müsse Kosten sparen, so Wendt.

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