Aktionsplan Finanzminister schüren Hoffnung auf Ende der Kreditkrise

Sie verdonnern die Banken zu mehr Vorsicht, wollen eine bessere internationale Zusammenarbeit: Die Finanzminister der Industriestaaten haben einen Aktionsplan gegen Spekulationskrisen beschlossen. Finanzminister Steinbrück weissagte, die momentane Krise könnte rascher vorbei sein als viele glaubten.


Washington - Seit bald einem Jahr sind die Auswirkungen der US-Kreditkrise zu spüren - nun haben die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7-Staaten über ein Aktionspaket entschieden. Die ersten Punkte aus ihrem Maßnahmenpaket sollen in den nächsten 100 Tagen umgesetzt werden, andere bis Ende des Jahres. Die Hoffnung: Ein besseres Zusammenspiel von Politik, Finanzbranche und Aufsichtsbehörden soll künftig weltweite Finanzkrisen eindämmen.

Finanzministertreff in Washington (von links - Jim Flaherty aus Kanada, Christine Lagarde aus Frankreich, Peer Steinbrück; Henry Paulson aus den USA, Tommaso Padoa-Schioppa aus Italien): "Überschwängliche Stimmung"
AFP

Finanzministertreff in Washington (von links - Jim Flaherty aus Kanada, Christine Lagarde aus Frankreich, Peer Steinbrück; Henry Paulson aus den USA, Tommaso Padoa-Schioppa aus Italien): "Überschwängliche Stimmung"

Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück wertete es beim Treffen mit seinen Kollegen in Washington als Erfolg, dass es zu einem gemeinsamen Vorgehen kommt. Er und Bundesbank-Präsident Axel Weber sprachen von einer geradezu "überschwänglichen Zustimmung" der G 7 zu dem Bericht des internationalen Forums für Finanzstabilität (FSF), auf den das Aktionspaket zurückgeht.

Beide bemühten sich, vorsichtigen Optimismus in Hinblick auf ein baldiges Ende der Finanzkrise zu verbreiten. Weber sagte: "Es gibt erste ermutigende Zeichen, dass der größte Teil der Anpassungen hinter uns liegen könnte." Es gebe "das ein oder andere Licht am Horizont". Steinbrück unterstrich: "Es gibt keinen Grund für eine Weltuntergangsstimmung." Die Finanzkrise treffe zwar auch Deutschland, aber weniger, als viele glaubten.

Weber sagte, die weltweiten Belastungen bei Banken als Folge der Finanzkrise beliefen sich bislang auf rund 225 Milliarden Dollar - davon rund 30 Milliarden Euro bei deutschen Instituten. Weitaus höhere Schätzungen seien unrealistisch. Steinbrück warnte, mit überhöhten Zahlen "erschreckt man sehr schnell die Leute". Steinbrück und Weber warfen dem Weltwährungsfonds vor, er unterschätze die soliden Wachstumsaussichten für Deutschland und Europa.

Finanzminister besorgt über Wechselkursschwankungen

Die G-7-Staaten bekannten sich zu einer engen Zusammenarbeit in der Zukunft. Ausdrücklich begrüßt wird die grenzüberschreitende Kooperation der Notenbanken bei der Versorgung der Märkte mit Liquidität. Jedes G-7-Land müsse zur Problemlösung beitragen.

Die G 7 wollen

  • das Kapital-, Liquiditäts- und Risikomanagement im Finanzsektor verbessern
  • mehr Transparenz schaffen
  • eine angemessenere Risikobewertung sicherstellen
  • und Ratings über die Finanzkraft verbessern
  • Zudem soll die Aufsicht über die Banken verbessert und ausgebaut werden.

Das Finanzgewerbe selbst sollte für den Umgang mit Stresssituationen besser gewappnet werden, so die Minister. Konkret fordern sie die schnelle und umfassende Offenlegung von Verlusten und Risiken bei Banken, bessere Bilanzierungsstandards und eine stärkere Kapitalpolsterung für Risikogeschäfte. G-7-weit sollen die großen Banken durch internationale Bankenaufsehergruppen besser überwacht werden.

Die G 7 warnten in ihrem Kommuniqué vor scharfen Schwankungen bei den Wechselkursen. Diese nährten die Sorgen über Auswirkungen auf die wirtschaftliche und finanzpolitische Stabilität, hieß es. China wird für seine etwas flexiblere Wechselkurspolitik gelobt und ermutigt, auf diesem Wege verstärkt fortzufahren. Für die US-Regierung bekannte sich Finanzminister Henry Paulson zu einem starken Dollar.

itz/Reuters/AP



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