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AKW-Pannenserie: Vattenfall-Chef Rauscher stürzt über Krümmel-Krise

Die Affäre um Kraftwerkspannen erreicht die Spitze von Vattenfall: Nun hat auch Klaus Rauscher, Deutschland-Chef des Stromkonzerns, seinen Rücktritt angeboten. Ein Nachfolger für den Übergang ist schon gefunden.

Berlin - Ganz so freiwillig, wie es in der Ad-hoc-Mitteilung von Vattenfall Chart zeigen klingt, ist Klaus Rauschers Geste wohl nicht: Der Konzern teilte am Nachmittag mit, der Deutschland-Chef habe den Verzicht auf sein Amt angeboten. Darüber müsse nun der Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung entscheiden.

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Das Ergebnis steht indes fest. Am späteren Nachmittag lud der schwedische Vattenfall-Mutterkonzern zu einer Pressekonferenz in Berlin ein. Auf der Rednerliste: nicht mehr Rauscher, sondern Lars Göran Josefsson, Chef des Mutterkonzerns aus Stockholm. Er hielt schon einmal einen Nachruf auf Rauscher: "Seiner Entscheidung, sein Amt zur Verfügung zu stellen, gilt mein voller Respekt", sagte Josefsson.

Rauscher räumte ein, dass Vattenfall Europe im Zuge der Pannenserie in den norddeutschen Kraftwerken Krümmel und Brunsbüttel Schaden genommen habe. Dafür müsse er die Verantwortung tragen. Rauschers Vorstandskollege Hans-Jürgen Cramer soll interimistisch dessen Aufgaben übernehmen.

Rauscher ist das bisher höchstrangige Opfer der Pannenserie in den zwei Kraftwerken Ende Juni. Brunsbüttel war wegen eines Kurzschlusses tagelang nicht am Netz. In Krümmel löste ein Feuer an einem Transformator eine Kette von Pannen aus. Obwohl Notsysteme ansprangen, steht Krümmel noch immer still. Der Konzern hatte nur scheibchenweise über die Details informiert. Heute führte Vattenfall in Brunsbüttel einen Ölwechsel im Trafo durch, der auf Empfehlungen der Atomaufsicht aus dem Jahr 2006 zurückgeht - dafür war das Kraftwerk schon wieder unplanmäßig heruntergefahren worden.

Die Bauernofer vom Montag waren nicht genug

Am Montag hatte Vattenfall Deutschland bereits Atomenergie-Chef Bruno Thomauske geschasst. Auch Johannes Altmeppen, Leiter der Unternehmenskommunikation in Deutschland, musste gehen. Dies hatte aber nicht ausgereicht, um die Kritik am Umgang des Konzerns mit den Zwischenfällen zum Verstummen zu bringen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel warf Vattenfall heute "dramatische Fehler" in der Informationspolitik vor. "Deswegen hält sich da mein Mitleid auch wirklich in Grenzen, wenn die Wirtschaft kritisiert wird", sagte sie vor Journalisten in Berlin.

Rauscher, 58, war noch vor zwei Jahren als "Energiemanager des Jahres" geehrt worden. Er hatte seine Karriere zunächst als Ministerialbeamter in Bayern begonnen und unter dem früheren Ministerpräsidenten Max Streibl die Staatskanzlei geleitet. Ende 2001 wechselte er als Vorstandschef zum regionalen Stromversorger HEW in Hamburg, der später von Vattenfall übernommen wurde.

itz/Reuter s/dpa-AFX/AP

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