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Alibaba: Wie der Onlinehändler die Wall Street erobern will

Von , New York

Jack Ma ist auf Investoren-Jagd: Der Gründer des chinesischen Onlinehändlers Alibaba plant den größten Börsengang in der Geschichte der Wall Street. Damit will der Konzern kommende Woche bis zu 24 Milliarden Dollar einnehmen.

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Alibaba-Gründer Ma: Inzwischen der reichste Mann Chinas

Es klingt wie eine Einladung aus 1001 Nacht. "Liebe Anleger", beginnt der Brief, "wenn Sie in uns investieren, dann werden Sie eine Reise mit Alibaba antreten." Eine Reise, die einem das Tor zu einem "Imperium" aufschließe.

Sesam öffne dich: Die Einladung kommt von Jack Ma, dem Gründer und Chairman des chinesischen Webgiganten Alibaba. Das Bittschreiben soll Investoren für den US-Börsengang seines Online-Kaufhauses locken. Jack Ma geht ab Montag in New York mit einer zweiwöchigen "Roadshow" auf Werbetournee bei potenziellen Investoren.

Es ist das heißeste Wall-Street-Debüt eines Internetkonzerns seit Facebook 2012 - und womöglich das größte überhaupt. Ab Freitag kommender Woche will Alibaba an der New York Stock Exchange (NYSE) 123 Millionen Aktien verkaufen. Das Initial Public Offering (IPO) könnte bis zu 24 Milliarden Dollar in Alibabas Kassen spülen und seinen Marktwert auf 163 Milliarden Dollar treiben - mehr als der von Amazon oder Ebay.

Noch ist Alibaba vielen Amerikanern unbekannt

Zunächst präsentiert sich Alibaba an diesem Montag in kleiner Insider-Runde in Midtown Manhattan, später einem größeren Kreis beim Lunch im Hotel Waldorf Astoria. Von dort aus tingelt der "Debütantenball" ("New York Times") einmal um die Welt: Boston, Baltimore, Denver, San Francisco, Los Angeles, London, Singapur, Hongkong und zurück nach New York, wo es nächste Woche zur konkreten Preisfindung kommt und tags darauf zur Erstnotiz an der NYSE.

Der Aufwand ist angebracht. 231 Millionen aktive Online-Shopper, 21.000 Angestellte, 100 Milliarden mobile Transaktionen in 2013, 43 Prozent Umsatzrendite, straffes Management: Das weltgrößte Sammelsurium von Web-Basaren namens Alibaba ist vielen Amerikanern unbekannt - oder unheimlich.

"Unser Vorschlag ist simpel", wirbt Ma in dem Investorenbrief. "Wir wollen Kleinbetrieben helfen, zu wachsen, indem wir ihre Probleme mit Internettechnologie lösen." Sein Vize Joseph Tsai formuliert es in einem Webvideo für den Börsengang etwas melodramatischer: Ziel sei es, dass die Kunden zu Alibaba kommen, um dort "zu arbeiten und zu leben". Ein hochtrabender Vorsatz, mit dem sich auch andere Tech-Riesen gerne schmücken, siehe Google und Facebook.

Bei der Roadshow hoffen die potenziellen Investoren vor allem, Ma selbst zu Gesicht zu bekommen, der das Unternehmen 1999 in seiner Küche gegründet hat. Alibaba hat Mas teilweise Teilnahme angekündigt, aber nicht, wann und wo. Auch das heizt die Spannung natürlich an.

Der 49-jährige Selfmade-Milliardär pflegt seinen Mythos gut. Vor 20 Jahren hatte der schmächtige Ex-Lehrer noch keine Ahnung von diesem "Internet-Ding". Heute ist er der reichste Mann Chinas, mit einem Vermögen von gut 22 Milliarden Dollar. Das dürfte durch den Mammut-Börsengang weiter anschwellen.

Alibaba hat sechs Emissionsbanken angeheuert

Ebenfalls Kasse machen will Yahoo, das Sorgenkind des Silicon Valley. Yahoo war 1995 die erste Suchmaschine, die Ma in den USA kennenlernte. 2005 stieg Yahoo bei Alibaba ein und hält inzwischen 22,6 Prozent, die es im Zuge des Börsengangs auf 16,3 Prozent reduzieren will. Das dürfte Yahoo eine zwei-, wenn nicht sogar dreistellige Milliardensumme bescheren - ein Geldregen für den kränkelnden Konzern.

Profit versprechen sich auch die Wall-Street-Akteure. Alibaba hat sechs Emissionsbanken angeheuert, mehr als üblich. Goldman Sachs, Citigroup, Deutsche Bank, JPMorgan, Morgan Stanley und Credit Suisse gieren weniger auf die Gebühren, die unterdurchschnittlich sein sollen, sondern auf Prestige und Schlagzeilen.

Wie falsch die Orakel der Wall Street liegen können, zeigte sich bei der verpatzten Facebook-Premiere. Selbst Ma räumt Fallstricke ein: Der US-Börsengang eines so großen, ausländischen Unternehmens könnte dank kultureller und geopolitischer Differenzen auf "Skepsis aus verschiedensten Richtungen" stoßen. "Kontroversen" seien fast garantiert.

Zu diesen Kontroversen gehöre Alibabas "einzigartige und innovative" Führungsstruktur, die die Macht in den Händen Weniger bündelt. Weitere potenzielle Probleme listet Alibaba in seinem IPO-Werbeprospekt auf: Vertrauen in die Marke, Verlässlichkeit des chinesischen Internets, Ärger mit den Kartellbehörden.

In jedem Fall, versichert Ma, werde Alibaba seinem Motto treu bleiben: "Als Erstes kommen die Kunden, als zweites die Angestellten, als drittes die Shareholder." Manchen Aktionär freilich könnte diese Reihenfolge skeptisch stimmen.

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1. Internet-Auftritt
Butenkieler 08.09.2014
ist eher für chinesische Kunden als für z.B. deutsche Kunden aufgelegt. War mal drauf, ödete mich an. Kaufe zB. lieber bei Amazon. Spricht mich viel mehr an.
2.
Das Pferd 08.09.2014
Zitat von Butenkielerist eher für chinesische Kunden als für z.B. deutsche Kunden aufgelegt. War mal drauf, ödete mich an. Kaufe zB. lieber bei Amazon. Spricht mich viel mehr an.
es gibt aber viele Chinesen. Sie haben Recht, ich fand es irgendwie auch nicht ansprechend. Aber ich ahne, wenn die Chinesen mich ansprechen wollen, sieht das plötzlich anders aus. Und der Sinn des Börsengangs ist ja Expansion. Würde mich nicht wundern, wenn in zwei Jahren ein Alibaba-Deutschland haben, das gar nicht mehr so chinesisch rüber kommt.
3.
Das Pferd 08.09.2014
Von dort aus tingelt der "Debütantenball" ("New York Times") einmal um die Welt: Boston, Baltimore, Denver, San Francisco, Los Angeles, London, Singapur, Hongkong und zurück nach New York, nicht Moskau, Berlin, Paris, das ist wohl der Lauf der Zeit.
4.
Jochen Binikowski 08.09.2014
alibaba.com ist eine B2B Plattform auf der zwar überwiegen chinesische Exportfirmen ihre Produkte anbieten, aber es gibt auch jede Menge Firmen aus anderen Ländern, auch aus Deutschland. Für Anbieter und Käufer ist die Basismitgliedschaft kostenlos. Anders als bei Ebay oder Amazon kann man nicht einfach per Mausklick bestellen. Es geht darum Kontakte herzustellen. Dadurch haben auch kleine Betriebe in der Dritten Welt Zugang zur internationalen Kundschaft. Im deutschsprachigen Raum ist mir keine ähnliche Plattform bekannt.
5.
Frank Zi. 08.09.2014
Alibaba ist der Wahnsinn. Da führt kein Weg dran vorbei.
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