Alternative Energien: Deutsche Windflügel-Bauer wollen Weltmarkt erobern

Von André Schmidt-Carrée

Einst galten sie als Ökospinner, doch inzwischen hat sich die Windenergiebranche zu einem lukrativen Markt entwickelt. Jetzt beginnt der Kampf um Anteile auf dem Weltmarkt - und deutsche Unternehmen wie Enercon, Nordex und Siemens mischen vorne mit.

Windenergie: Die wichtigsten Player der Zukunftsbranche Fotos
DPA

Gelsenkirchen-Rotthausen, ehemals tiefstes Bergbaugebiet: In der Fabrik Friedberg läuft die Schraubenpresse auf Hochtouren. Die meisten der produzierten Schrauben gehen schon lange nicht mehr an die Bergbauunternehmen, die Zeche Dahlbusch in Rotthausen etwa ist längst geschlossen. Stattdessen beliefert Friedberg Hersteller von Windkrafttürmen.

In den neunziger Jahren stieg Chefin Ingrid Brand-Friedberg ins Geschäft mit der regenerativen Energie ein. Auf den ersten Blick eine riskante Entscheidung: Die meisten Unternehmer belächelten alternative Energien als Spinnerei, auf Windkraftmessen tummelten sich vor allem Ökos, die vom Windrad im eigenen Garten träumten. Doch Brand-Friedberg erkannte das Potential. Heute macht ihr Unternehmen mit 500 Mitarbeitern rund 60 Prozent des Umsatzes mit Verbindungselementen für Windkrafttürme.

Das Geschäft mit der Windenergie hat sich längst zu einem lukrativen Markt entwickelt. 6,4 Milliarden Euro haben deutsche Windkrafthersteller 2009 laut Bundesverband Windenergie umgesetzt. Von der Krise bekam die Branche bislang wenig zu spüren. 2009 stieg die weltweit installierte Windenergieleistung um 30 Prozent, zuvor waren es durchschnittlich 25 Prozent pro Jahr.

Die Gründerjahre, in denen kleine Hinterhoffirmen für Furore sorgen, hat die Branche längst hinter sich gelassen. Die zehn bedeutendsten Windenergiehersteller der Welt machen rund 80 Prozent des Umsatzes unter sich aus: "Der Markt wird bereits von wenigen Großunternehmen dominiert", sagt Holger Rubel, Energieexperte bei der Boston Consulting Group (BCG).

Enercon, Nordex, Siemens und Repower unter den Marktführern

Weit vorn mit dabei sind die deutschen Hersteller. Enercon, Nordex, Siemens Chart zeigen und Repower Chart zeigen zählen zu den vier der größten Windanlagenbauern überhaupt; Repower allerdings ist mittlerweile mehrheitlich in indischer Hand.

Die Konkurrenz kommt zum großen Teil aus dem europäischen Ausland: Dänemark stellt den Weltmarkführer Vestas, Spanien das Branchenschwergewicht Gemesa. "Das sind zwar die Heimatländer", sagt BCG-Experte Rubel. "Alle diese Unternehmen sind aber längst global aufgestellt." Das gilt nicht nur für den Absatz, sondern auch die Produktion. "Denn die meisten Regierungen erwarten, dass ein Unternehmen Arbeitsplätze schafft, wenn es vor Ort von den Subventionen profitieren will", sagt Rubel.

Dank üppiger Förderungen und Innovationsgeist hat sich Europa zur führenden Region für Windkraft entwickelt. Rund die Hälfte der weltweit installierten Leistung von 160 Gigawatt fließt nach Angaben des Global Wind Energy Council in die Stromnetze des altern Kontinents. Ganz vorn im europäischen Vergleich: Deutschland mit einer installierten Leistung von rund 25 Gigawatt.

Enercon - deutscher Marktführer aus Aurich

Marktführer hierzulande ist das Unternehmen Enercon aus dem niedersächsischen Aurich, mit einem Binnenmarktanteil von mehr als 60 Prozent. Auch für Enercon ist Deutschland längst zu klein: "Europa ist mit Abstand unser wichtigster Markt", sagt Ruth Brand-Schock vom Berliner Enercon-Büro. In Europa will Enercon auch in Zukunft weiter wachsen, vor allem in Frankreich, Portugal und Schweden. In Hoffnungsmärkten wie Brasilien hat Enercon bereits eine eigene Fertigung aufgebaut. Dennoch hat der heimische Markt eine dominierende Bedeutung - und Enercon damit im Vergleich eine Sonderrolle.

Das Unternehmen mit weltweit 13.000 Mitarbeitern ist noch immer in Besitz seines Gründers und heutigen Chefs Aloys Wobben. Sein Unternehmen hat ihn innerhalb von etwas mehr als zwei Jahrzehnten zum Milliardär gemacht. Während andere Unternehmen in der Vergangenheit zukauften oder fusionierten, hat Enercon sich bislang allein behauptet. "Enercon hat sich einen Namen mit besonders hochwertigen Produkten gemacht und genießt schon eine Ausnahmestellung", lobt Sarasin-Experte Fawer die Strategie.

Repowering: Alt gegen Neu auf den Windparks

Allerdings werden in Europa die geeigneten Plätze für neue Anlagen langsam rar: "Das gilt vor allem in Deutschland, Dänemark und Spanien", sagt Alina Bakhareva, Research Manager Renewable Energy Europe bei der Unternehmensberatung Frost and Sullivan. Zumal in der Bevölkerung der Widerstand gegen die Schatten werfenden Riesenräder wächst.

Wachstumsimpulse könnte das sogenannte Repowering geben, bei dem die Anlagenbauer bestehende Windparks demontieren und mit neuen, größeren Anlagen bestücken, die deutlich mehr Leistung bringen. "Bislang macht das Repowering nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus", sagt BCG-Experte Rubel. "Das kann sich aber in Zukunft ändern." Bei Enercon bringt das Geschäft Alt gegen Neu immerhin acht Prozent vom Umsatz, Tendenz steigend.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Gamesa
x.tina 30.08.2010
"Die Konkurrenz kommt zum großen Teil aus dem europäischen Ausland: Dänemark stellt den Weltmarkführer Vestas, Spanien das Branchenschwergewicht Gemesa. "Das sind zwar die Heimatländer", sagt BCG-Experte Rubel." der spanische Winkraftanlagenbauer heißt "GAMESA"...
2. Atomenergie ist überflüssig
siebenberger 30.08.2010
Welcher Studie soll man glauben? Die einen sagen dass es ganz ohne Atomenergie geht, andere meinen dass 12 bis 20 Jahre Laufzeitverlängerung der AKW's nötig sind. Windenergie, Spaichersysteme und erneuerung der Stromnetze sollte Priorität vor Laufzeitverlängerung der AKW's haben.
3. Strom
kanadasirup 30.08.2010
Zitat von siebenbergerWelcher Studie soll man glauben? Die einen sagen dass es ganz ohne Atomenergie geht, andere meinen dass 12 bis 20 Jahre Laufzeitverlängerung der AKW's nötig sind. Windenergie, Spaichersysteme und erneuerung der Stromnetze sollte Priorität vor Laufzeitverlängerung der AKW's haben.
Windenergie kann Deutschland nahezu komplett mit Strom versorgen wenn: 1) Gewaltig investiert wird und 2) Das Speicherproblem gelöst wird. Wenn Windflaute herrscht, muss der Strom aus Speichern kommen. Das heißt im Extrem: 100% des Stromes in Deutschland muss aus Speichern geleistet werden können. Diese Speicher müssten erst gebaut werden. Erneut gewaltige Investitionen und technische Herausforderungen.
4. Solange die Subventionen fließen...
besso 30.08.2010
Zitat von sysopEinst galten sie als Öko-Spinner,*doch inzwischen hat sich die Windenergie-Branche zu einem lukrativen Markt entwickelt. Jetzt beginnt der Kampf um Anteile auf dem Weltmarkt - und deutsche Unternehmen wie Enercon, Nordex und Siemens mischen vorne mit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,713395,00.html
gibt es diesen Markt...
5. diesen Markt widr es noch geben...
matthias51 30.08.2010
Zitat von bessogibt es diesen Markt...
...wenn die letzte Tankstelle im Museum steht und das letzte Öl für pharmazeutische Zwecke teuer gehandelt wird. Und Söldnertruppen die immer nocht nicht fertigen Atom-vor-zwischen-teilzeit-Endlager bewachen müssen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles zum Thema Windenergie
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 14 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Fotostrecke: Offshore Windpark Alpha Ventus

Windenergie
Im vergangenen Jahr gingen in Deutschland etwa 950 neue Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von fast zwei Gigawatt ans Netz. Das entspricht der Kapazität von zwei Atomkraftwerken. Weltweit ist Deutschland gleichauf mit China und hinter den USA die Nummer Zwei bei der Nutzung der Windenergie; dahinter folgen Spanien und Indien. Trotz Finanzkrise war 2009 ein hervorragendes Jahr für die globale Windbranche, denn die installierte Gesamtleistung stieg um fast ein Drittel auf 158 Gigawatt. Den größten Zubau verzeichneten China (plus 13 Gigawatt) und die USA (plus 10 Gigawatt).

Detaillierte Angaben zur weltweiten Nutzung von Windenergie (pdf)

Fotostrecke
Grafiken: Windenergie in Deutschland

Fotostrecke
Grafiken: Wie Öko- und Atomstrom konkurrieren

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.