Altersvorsorge Sofortrente oder Aktienfonds - was ist besser?

Lebensversicherungen sind teuer - und werfen immer weniger Rendite ab. Doch was ist die Alternative in Zeiten von Niedrigzinsen? Für viele Menschen könnte ein Auszahlplan mit einem Aktienindexfonds die Lösung sein.

Rentnerpaar
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Eine Kolumne von


Vielleicht sind Sie erleichtert, dass Sie nicht zu den vier Millionen deutschen Lebensversicherungskunden gehören, die der italienische Generali-Konzern an einen Finanzinvestor aus London verkaufen will. Sie brauchen sich nicht verlassen zu fühlen, im Stich gelassen von einer Firma, die Ihnen anfangs versprochen hatte, für Jahrzehnte für Sie da zu sein, und dafür damals gleich Tausende Euros Provision kassierte.

Aber ehrlich, so viel besser ist es auch nicht, aktuell das Geld von seiner Lebensversicherung ausgezahlt zu bekommen. Ich rede noch gar nicht vom neuen Trick der Versicherer, ein zehn Jahre altes Verfassungsgerichtsurteil mit Hilfe der schwarz-roten Bundesregierung auszuhebeln und einige tausend Euro für das sogenannte Kollektiv einzubehalten, die einst Ihnen als Kunden versprochen waren. Versicherer sitzen nun mal gern auf Geldsäcken und behaupten, sie könnten das mit dem Anlegen am besten.

Der Gegenbeweis ist allerdings auch schwer anzutreten. Wenn Sie jetzt 100.000 Euro ausgezahlt bekommen, was machen Sie dann mit dem Geld? Wohl demjenigen, der noch Schulden hat und damit die letzte Rate für sein Haus abbezahlen, den Kompagnon auszahlen oder den Kindern das Startkapital für die eigene Baufinanzierung zur Verfügung stellen kann.

Die klassischen Geldanlagen sind nämlich aktuell nicht unbedingt attraktive Alternativen. Für Zinsprodukte gibt es nur wenig Rendite, wenn überhaupt eine. Die besten Festgelder bringen für drei Jahre 1,1 Prozent. Eine Anlage in Aktienfonds andererseits haben Sie vielleicht noch nie gemacht. Und die Zeiten sind ja auch unruhig. Wer weiß, was dem Trump als Nächstes einfällt. Oder den Italienern. Oder den Populisten von der AFD.

95 Jahre alt sollten Sie schon werden

Meine Kollegen bei "Finanztip" haben es gerade noch einmal durchgerechnet: Wenn Sie sehr, sehr alt werden, können Sie tatsächlich die Versicherer weiter auf ihren Geldsäcken sitzen lassen und sich Monat für Monat ein bisschen davon als Rente auszahlen lassen. Das macht überhaupt keine Mühe, um die Details kümmert sich ja der Versicherer. Das Alter 95 sollte die Zielmarke aber schon sein.

335 Euro im Monat bekämen Sie zum Start bei einem guten Anbieter, wenn Sie als 65-Jähriger heute 100.000 Euro in die Sofortrente stecken. Wenn das Geld noch unausgezahlt in einem alten Rentenversicherungsvertrag steckt und Sie dort eine solche Auszahlungsoption haben, kann deren Rentenversprechen deutlich höher sein. Alte Verträge haben höhere Garantierenten.

Nach dem ersten Jahr sollte die Rente jedes Jahr steigen, solange Sie leben. Aber wenn Sie nicht alt werden, ist das ganze Geld ohne Extraregelung trotzdem weg. Es geht zu großen Teilen an das Versichertenkollektiv, und die anderen Rentner, die noch leben, profitieren mit steigenden Renten. Ihr Vertrag ist eine Wette auf das eigene lange Leben.

Die eigentliche Alternative zur einfachen Sofortrente sind Fonds, die einen weltweiten Aktienindex nachbilden (ETFs), in Kombination mit einem sogenannten Auszahlplan. Das Versprechen: Eine im Schnitt sehr ordentliche Rendite und nur 0,2 bis 0,3 Prozent jährliche Kosten. Wenn Sie in der Vergangenheit über 30 Jahre monatlich jeweils 333 Euro aus Ihrer international aufgestellten Fondsanlage entnommen hätten (vier Prozent der Anfangssumme von 100.000 Euro pro Jahr), wären bei einem Auszahlplan, egal wann Sie den gestartet hätten, immer mehr als 130.000 Euro für die Erben übrig geblieben - Grundlage der Berechnung ist die Vergangenheitsentwicklung des MSCI World, eines weltweiten Aktienindex. Im besten Fall hätte das Konto trotz der Entnahmen sogar mehr als eine Million Euro angezeigt.

Hätten Sie monatlich allerdings 500 Euro entnommen (sechs Prozent pro Jahr) , sieht die Bilanz nicht ganz so rosig aus. In immerhin 14 Prozent aller Fälle wäre das Geld zwischendurch aus gewesen, einmal sogar schon nach 16 Jahren. Hätten Sie im Februar 1973 begonnen, jeden Monat 500 Euro von dem Konto zu entnehmen, wäre das Geld schon 1989 alle gewesen. Der Startpunkt im Februar 1973 hat übrigens auch in der Variante mit einer Entnahme von 333 Euro historisch das schlechteste Ergebnis gezeigt.

Meine Empfehlung:

  • Die erste Frage, die Sie klären müssen: Steckt Ihr Geld noch in einem Betriebs-oder Rentenversicherungsvertrag? Dann lassen Sie sich auf jeden Fall Zeit für eine detaillierte Prüfung. Alte Rentenversicherungspolicen bieten deutlich höhere Renditen als jüngere. Haben Sie das Geld schon ausgezahlt bekommen oder sind mit der avisierten Rente nicht zufrieden, gehen Sie gleich weiter zum nächsten Punkt.
  • Die nächste Frage, zu der Sie eine Meinung haben sollten, ist die Ihrer Lebenserwartung. Wenn Sie wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen erwarten, nicht besonders alt zu werden, kommt eine Rentenversicherung für Sie eigentlich nicht infrage. Wenn Sie hingegen das Jopi-Heesters-Gen in sich tragen, ist eine Sofortrente eine lukrative und sehr pflegeleichte Variante für Sie. Eine alte noch mehr als eine neu abzuschließende. Noch relativ gute Sofortrenten finden Sie im "Finanztip"-Vergleich.
  • Sind Sie mit den angebotenen Renten nicht zufrieden, wählen Sie als Variante einen Auszahlplan mit einem Aktienindexfonds. Eine Rente in gleicher Höhe wie bei der Rentenversicherung ist in jedem Fall drin. Wahrscheinlich bleibt am Ende selbst nach 30 Jahren ein hübsches Sümmchen für die Erben übrig. Wollen Sie mehr Geld entnehmen, weil Sie es jetzt brauchen oder nicht erwarten alt zu werden, können Sie das mit dem Modell Auszahlplan mit wenig Arbeit umsetzen. Das Geld ist dann allerdings womöglich auch schneller alle.
  • Wenn es an den Börsen wider Erwarten besonders schlecht läuft - also zum Beispiel zwei Finanzkrisen wie die der Jahre 2008/2009 kurz hintereinander kommen - sollten Sie allerdings eingreifen und weniger oder zweitweise auch mal gar nichts entnehmen. Das können Sie bei einem solchen Auszahlplan vergleichsweise leicht. Die einfachste Strategie: Statt jeden Monat die gleiche Summe abzuheben, schauen Sie, wie viel Geld jetzt noch da ist. Und von diesem Geld heben Sie in den kommenden zwölf Monaten maximal vier Prozent ab. Ist Ihr Geld in der Börsenkrise geschrumpft, bekommen Sie so vielleicht nur 250 Euro im Monat ausgezahlt. Dafür sind Sie aber sicher, dass das Geld 30 Jahre reicht - wenn es das denn muss.
Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

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marthaimschnee 14.07.2018
1. und die Tips Nummer 5 und 6
5. (kein wirklicher Tip) hinterher ist man immer schlauer 6. rechnen Sie niemals mit dem Geld, das am privaten Kapitalmarkt liegt! Oh, na klar sind Aktien langfristig ertragreich. Aber auch hier schlägt Murphy gnadenlos zu, denn sollten Sie es dringend brauchen, können Sie darauf wetten, daß der Kurs am Boden schleift. Und in der Finanzkrise ist die Chance am höchsten, mal schnell Geld zu brauchen und sei es nur, um die Familie zu unterstützten. So geschehen einer Bekannten, die just Anfang 2009 ein kleines Fondspaket erbte, es auflöste und genau die Summe rausbekam, die über 10 Jahre insgesamt eingezahlt wurde. Wohlgemerkt die Summe, und nicht der Wert, also genausogut, als hätte das Geld unterm Kopfkissen gelegen. Am Aktienmarkt sollte der Private nur Geld anlegen, das er nicht braucht und das ist das perverse an diesem Instrument. Es taugt überhaupt nicht für eine planbare Altersvorsorge, in der das Kapital auch benötigt wird!
VormSpiegel 14.07.2018
2. Wenn der DAX schlecht läuft
Dann geht es Deutschland wohl insgesamt auch schlecht. Ergo, wer sein Geld in irgendein Renten Konto einzahlt und meint dadurch in 20+ Jahren irgendeinen sinnvollen Gewinn davon zu haben, wird wohl eher bitter enttäuscht werden und bis dahin ist das Geld eben auch einfach weg und nicht verfügbar. Bei der aktuellen technischen Entwicklung ist eine Rente in 30+ Jahren wohl auch eher eine Fantasie Vorstellung, wenn auf 1 Renten Anspruch 1 Einzahler kommen soll, kann man sich sehr deutlich machen das so ein System niemals funktionieren kann.
Lagrange 14.07.2018
3. Bitte nachdenken, bevor man das hier glaubt!!!
Was ein heldenhafter Vergleich! Garantiere Rente einer Versicherung vs. riskante Anlage am Aktienmarkt. Ich will mal eines zu bedenken geben: Nehmen wir mal kurz an, dass die Versicherer mit einem realistischen Sterbealter kalkulieren würden. Durch die Evolution des Menschen leben alle im Schnitt nur 2 Jahre länger als vom Versicherer prognostiziert. Was passiert? Richtig der Versicherer ist pleite, weil er mehr auszahlen muss, als kalkuliert. Daher das hohe Sterbealter. Von den Gewinnen, die die Versicherer dadurch erzielt, muss er in der Regel 90% an die Versicherten abgeben. Dies führt zu Rentensteigerungen. Der Vergleich ist also überhaupt nicht fair. Wer genug Geld fürs alter hat - sollte auf eine lebenslange Rente verzichten - da gebe ich dem Autor ja recht. Für alle anden sollte das oberste Ziel sein nicht in die Altersarmut zu rutschen. Wenn ich mit 300? extra meinen Lebensabend gut vollbringen kann, nehme ich doch lieber diese Variante, schon alleine für den Fall dass ich lange lebe.
Malto Cortese 14.07.2018
4.
Eine gesetzliche Rente, in die auch die Begüterten einzahlen, etwa wie in der Schweiz oder Österreich - und von der die Kapitalmarktprofiteure nicht 20% an Provisionen, Auschüttungen und Glaspalast-Pauschalen abziehen. Alles andere ist als Daseinsvorsorge für ein ganzes Volk völlig ungeeignet.
suchenwi 14.07.2018
5. Alternative: ertragreiche Wertpapiere
Ich habe ein Gutteil meiner Altersersparnisse in ein Wertpapierdepot umgeschichtet, wobei ich neben breiter Diversifizierung (MSCI World, EM usw., aber auch EUR-, US- und EM-HiYield-Staatsanleihen) auch auf gute Nettoerträge (nach Quellen- und deutschen Steuern) achte. Der Depotstand wird so nicht durch Auszahlplan verringert, sondern steigt eher noch durch Nachkäufe aus den Ausschüttungen (jeder Verkauf kostet Gebühren, Dividenden nicht ;^). Dank frugalem Lebensstil komme ich mit der gesetzlichen Rente gut aus. In den USA gibt es einige Aktien, die monatlich Dividende zahlen, manche sogar 14x (wie in der österreichischen "Pension": Juni gibt's "Urlaubs-", Dezember "Weihnachtsgeld" extra). So kommt ein regelmäßiges Kapitaleinkommen aufs Verrechnungskonto geströmt...
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