Riester, Rürup oder Betriebsrente So finden Sie die richtige Altersvorsorge

Jeder sechste Erwerbstätige sorgt nicht fürs Alter vor - das ist ein Fehler. Doch wie macht man es richtig? Ein paar Tipps für verschiedene Konstellationen.

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Eine Kolumne von


48 Prozent - 48 Prozent vom letzten Nettolohn vor Steuern, dafür hat die SPD bei den Koalitionsgesprächen gekämpft. So viel soll bei der gesetzlichen Rente auch künftig mindestens herauskommen. Für den von Bürokraten ersonnenen Eckrentner, der 45 Jahre lang arbeitet und in jedem Jahr so viel verdient wie der bundesdeutsche Durchschnitt, errechnet sich so heute eine Rentenzahlung von knapp 1400 Euro brutto. Davon will dann noch die Krankenkasse bezahlt sein und in vielen Fällen etwas Steuer. Übrig bleiben gut 1100 Euro im Monat zum Leben.

Wem das zu wenig ist, der muss zusätzlich vorsorgen. Leider ist es aber heutzutage sehr schwierig, für die individuelle Lebenssituation selbstständig die passende Altersvorsorge zu finden.

Früher waren viele entweder lebenslang bei einer Firma angestellt oder schon früh selbstständig. Heute kann das schon mal häufiger hin- und herwechseln. Werden die Erwerbsbiografien bunter, werden die Antworten auf die Frage nach der richtigen Altersvorsorge nicht einfacher.

Wie der Chef helfen kann

Meine Tanzlehrerin zum Beispiel hat sich gerade selbstständig gemacht und zahlt als Gründerin nur das absolut Notwendige in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Ihr ist bewusst, dass dies allein als Vorsorge fürs Alter nicht reicht - doch fällt ihr der Überblick über alternative Sparformen schwer.

Als sie noch angestellt war, hätte sie mit ihrem Chef eine betriebliche Altersvorsorge vereinbaren können. Das war aber zu kompliziert - und dem Chef war es sowieso egal, also hat der das auch nicht unterstützt. Dabei gibt der Gesetzgeber seit 2002 extra vor, dass Arbeitgeber ihren Angestellten mindestens eine Möglichkeit zur geförderten Entgeltumwandlung für die Altersvorsorge anbieten müssen, wenn Angestellte das verlangen.

Geförderte Entgeltumwandlung bedeutet: Wer so sparen will, zahlt Gehalt in einen Altersvorsorgetopf, muss für diesen Teil des Gehalts weder Steuern noch Sozialversicherungsbeitrage zahlen und legt das Geld in einem Sparvertrag für die Rente zurück. Auf diese Rente zahlt er oder sie später Steuern und die vollen Krankenkassenbeiträge - also Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil.

Als wäre das nicht kompliziert genug, gibt es für den Chef ein halbes Dutzend Möglichkeiten, betriebliche Altersvorsorge zu gestalten. Vergangenes Jahr musste er noch nicht mal etwas dazulegen, obwohl er durch die Umwandlung von Lohn in Altersvorsorge weniger Lohnnebenkosten gezahlt, also Geld gespart hätte.

Das ist nun nicht mehr so: Der Gesetzgeber hat die grob ungerechte Trittbrettfahrerei mancher Chefs gestoppt. Mit dem im vergangenen Sommer verabschiedeten Betriebsrentenstärkungsgesetz muss der Chef bei neuen Verträgen zur Entgeltumwandlung mindestens 15 Prozent dazulegen.

Richtig fair und ausreichend ist das immer noch nicht. Etwa 20 Prozent sollten es schon sein, damit sich am Ende die betriebliche Altersvorsorge lohnt. Solche Zuschüsse für die Altersvorsorge sind dann wirklich nützlich.

Riester? Rürup? Oder eine klassische Rentenversicherung?

Jetzt ist meine Tanzlehrerin nicht mehr angestellt, zahlt aber für die eigene Altersvorsorge als freiberufliche Lehrerin in die gesetzliche Rentenkasse. Das bedeutet auch: Sie kann als Selbstständige trotzdem riestern. Also Staatsknete mitnehmen: 175 Euro pro Jahr gibt es für die Sparerin selbst und bis zu 300 Euro pro Kind, das die Sparerin vielleicht künftig hat.

Hinzu kommen dann noch Steuervorteile, die de facto mit der direkten Förderung verrechnet werden. Wer also wenig Einkommen und viele Kinder hat, profitiert von der direkten Förderung. Mit hohem Einkommen und ohne Kinder profitiert man vor allem vom Steuervorteil.

Doch spätestens jetzt kommt meine Tanzlehrerin ins Grübeln: Ist die gesetzliche Rente und Riestern wirklich das Beste? Oder sollte Sie vielleicht doch die Rürup-Rente wählen? Schließlich wurde die speziell für Selbstständige erfunden.

Ein Versicherungsvermittler hat meiner Tanzlehrerin eine klassische Rentenversicherung angeboten. Ohne die Riester-Förderung und bei den heute niedrigen Zinsgarantien keine gute Idee. Einige Freunde meiner Tanzlehrerin haben eine Wohnung gekauft. Wäre eine Immobilie nicht sowieso die bessere Absicherung fürs Alter? Oder der in Deutschland nicht so populäre Weg des Sparens mit Aktien, am besten mit einem Fondssparplan auf einen guten Indexfonds?

Und an dieser Stelle brummt den meisten der Schädel. Viele wissen nicht, was sie tun sollen. Und tun dann erst mal nichts. Und ein paar Jahre später immer noch nichts.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Meine Kolleginnen und Kollegen bei "Finanztip" haben deshalb nicht nur für Tanzlehrerinnen einmal aufgeschrieben, welche Möglichkeiten es gibt. Und Wegweiser aufgestellt, die zeigen, für wen in welcher Situation welche Altersvorsorge sinnvoll ist. Mit diesen einfachen Regeln können Sie prüfen, welche der Varianten der Vorsorge wahrscheinlich zu Ihnen passen. Und dann können Sie anschließend die besten Angebote vom passenden Produkt aussuchen - und schieben die Altersvorsorge nicht länger vor sich her.

Beides ist schließlich notwendig. Die richtige Produktkategorie erkennen und dann einen wirklich guten Vertrag abschließen. Denn nur mit guten Verträgen und einer ordentlichen Rendite haben Sie auch tatsächlich etwas von der zusätzlichen Vorsorge: Findet eine Dreißigjährige einen Vertrag, der ihr eine Rendite von zwei Prozent über der Inflation ermöglicht, kann das unter typischen Annahmen bedeuten, dass Sie im Rentenalter doppelt so viel Rente ausgezahlt bekommt wie mit einem Vertrag, dessen Verzinsung gerade mal so die Inflation ausgleicht.

Zwei der Wegweiser möchte ich Ihnen mal vorstellen. Hier die Variante für jüngere Angestellte, die noch mehr als 15 Jahre bis zur Rente haben:

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Und das Modell für die jüngere Selbstständige:

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Meiner Tanzlehrerin habe ich empfohlen, bei der gesetzlichen Rente aufzustocken und dann einen guten Riester-Vertrag zu suchen, einen mit Fonds. Als selbstständig Lehrende ist sie freiwillig gesetzlich versichert, deshalb darf sie auch riestern. Die Angst vor der Riester-Besteuerung im Alter konnte ich ihr nehmen. Bei dem, was Sie absehbar als Rente im Alter erhält, hat sie jedenfalls kein Steuerproblem.

Vor allem aber habe ich ihr gesagt, dass Sie mit ein wenig Mühe, mit Lektüre und ein paar Gesprächen einer guten Lösung tatsächlich näher kommt.

Was können wir uns im Alter noch leisten?


insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
maphry 17.02.2018
1. Es wird Zeit...
Es wird Zeit, dass man bei der gesetzlichen Rentenversicherung eine Option schafft, bei der man schlichtweg ein paar Prozentpunkte mehr bezahlt und dann daher eine höhere Rente erhält. Es ist unverantwortlich, dass der Staat einen versucht zu zwingen ins Haifischbecken der Versicherungswirtschaft zu springen. Für alternativen wie betriebliche Alterssicherung, muss man erst mal lang genug in einem Unternehmen arbeiten um auch etwas zu bekommen, was bei heutigen Kurzzeitverträgen illusorisch oder zumindest unplanbar ist. Der Staat lässt seine Bürger im Stich, die schlichtweg eine einfache Lösung haben wollen, mit minimiertem Risiko und ohne sich mit fanatischen Gewinnmachern auseinanderzusetzen.
reflexxion 17.02.2018
2. steht da auch, das man 100% Krankenkasse und Pflege zahlen muß?
Ich habe zwei Betriebsrenten im Bereich um 100 Euro, das wäre gar nicht mal so schlecht, wären da nicht die Abzüge die großzügig berechnet werden. Bei der normalen Altersrente zahlt man nur den halben Prozentsatz zur Krankenkasse usw. bei den Firmenrenten aber den Vollen. So sind dann von den sowieso nur 100 Euro gleich wieder 20 Euro weg. Das finde ich unverschämt. Wenn einer Mieteinnahmen hat, dann zahlt er dafür auch keine Krankenkasse! Witzigerweise hat mir zumindest keiner das früher gesagt, ich hatte also mit locker an die 50 € mehr gerechnet. Wenn man aber Rente auf Hartz IV Level bekommt, trotz 35 Jahren Vollzeitarbeit dann ist das schon mal ein Schlag ins Gesicht, Achso als ich angefangen hatte zu studieren sagte man uns, das Studienjahre angerechnet werden, das wurde dann irgendwann mal clamheimlich abgeschafft. Ich möchte wetten von unserer tollen "die Reichen müssen reicher werden" Partei CDU. Ich verstehe nicht wie immer noch ein Drittel in Deutschland diese absolut unsoziale Partei wählen können, aber wie heisst es so schön: Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber!
oliver.rockstroh 17.02.2018
3. Herzlichen Glückwunsch
wenn Sie ihrer Tanzlehrerin empfehlen einen Riestervertrag abzuschließen, dann sollten Sie sich schon mal auf eine Anzeige wegen Falschberatung gefasst machen. Wie Sie schreiben ist sie freiwillig gesetzlich rentenversichert. Und damit nicht unmittelbar förderberechtigt. Nur rentenversicherungspflichtige Selbstständige sind unmittelbar förderfähig. das können sie einfach auf der Homepage der gesetzlichen Rentenversicherung nachlesen...
Rassek 17.02.2018
4. Danke
für den Beitrag. Die, welche das Geld dafür übrig haben, können diese ja denn nutzen. Es entsteht der Trugschluss, wer arm im Alter ist, habe halt nicht recht vorgesorgt. Aber um nicht arm im Alter zu sein, muss man vorher schon zur besseren Hälfte gehört haben.
salomohn 17.02.2018
5. Gebühren fressen Rürup auf
Bei einem Angebot für eine Rürup-Rente habe ich die Gebühren durchgerechnet. Dort sind Verwaltungskosten, Vertriebskosten, Gebühren für jede Einzahlung und später Gebühren für jede Auszahlung eingebaut. Dazu kommt die Besteuerung. Alles in allem lohnt sich diese Sparform für mich als Selbstständigen offenbar nicht.
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