Amazon Marketplace Viele Kosmetikprodukte sind in Deutschland "nicht verkehrsfähig"

Das Geschäft mit Kosmetika im Internet boomt. Eine Stichprobe bei Amazon Marketplace zeigt: Viele Artikel durften gar nicht verkauft werden, manche sind nach SPIEGEL-Informationen sogar gesundheitsgefährdend.

Einkaufen bei Amazon
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Der Kauf von Kosmetikprodukten im Internet ist für viele Kunden in Deutschland Alltag - doch nicht immer können die Verbraucher offenbar sicher sein, dass sie online Ware erwerben, die den geltenden EU-Verordnungen entspricht.

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Heft 23/2018
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Dem SPIEGEL liegen die detaillierten Ergebnisse einer Stichprobe vor, für die insgesamt 24 Kosmetikartikel aus dem Angebot von Amazon Marketplace analysiert wurden. Auf der Plattform bieten unabhängige Verkäufer ihre Produkte an. Alle überprüften Produkte sind sogenannte Topseller, also Artikel, die besonders häufig über die Seite bestellt wurden. Die Produktpalette reicht von Fettverbrennercreme über Brustvergrößerungsöl bis zu schwarzen Gesichtsmasken. Die wenigsten Artikel findet man hierzulande im stationären Handel - und das offenbar aus gutem Grund. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Bei den 24 getesteten Produkten wurden insgesamt 93 Einzelverstöße gegen die EU-Kosmetikverordnung festgestellt. Gerade einmal zwei Artikel waren uneingeschränkt als in Deutschland "verkehrsfähig" einzuordnen. Die Produkte wurden unter anderem auf ihre Inhaltsstoffe hin getestet, sowie darauf, ob alle nötigen Deklarationspflichten erfüllt sind.

Ein Mittel gegen Haarausfall war so stark mit pathogenen Keimen belastet, dass das durchführende Labor sowohl die zuständigen Behörden als auch Amazon informierte und auf die Verbrauchergefährdung hinwies. Amazon hat das verkeimte Produkt inzwischen von der Seite genommen.

In einem schriftlichen Statement erklärte Amazon: "Die Sicherheit der Kunden hat oberste Priorität, wir möchten, dass unsere Kunden jederzeit mit Vertrauen bei Amazon einkaufen." Dem SPIEGEL gegenüber wollte sich der US-Konzern aber nicht im Detail zu den bemängelten Produkten und Prüfergebnissen äußern. "Die Untersuchung der Produkte läuft noch." Amazon verpflichtet laut eigenen Angaben alle Verkäufer dazu, "unsere lokalen Verkaufsbedingungen" einzuhalten.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
Lankoron 01.06.2018
1. Und deswegen kauft
man eben nicht beim billigsten unbekannten Anbieter. Man bestellt bei vertrauten Anbietern oder Amazon direkt. Aber für viele kann es nicht billig genug sein. Ach, bei aller Empörung über amazon: Wenn ein Medikament schlecht ist, ist die Apotheke schuld oder der Hersteller?
frenchie3 01.06.2018
2. Heiße Produkte
Fettverbrennungscreme, Brustvergrößerungsöl - da reizt es einen schon fast zu sagen selbst dran Schuld wenn man davon kaputt geht. Was andere Kosmetik angeht, nach welchen Kriterien soll sich ein Kunde richten? Nicht jeder ist Chemiker oder hat einen in der Verwandtschaft. Der Preis ist auch kein Kriterium, die Herstellung von Kopien mit der Originalrezeptur kostet normalerweise nur ein Bruchteil. Und wie kommen die positiven Beurteilungen bei Amazon zustande? Sinnvoll wäre wenn Amazon nachweislich nicht verkehrsfähige Ware aus dem Programm nähme und deutlich an der Stelle des Artikels davor warnt
sverris 01.06.2018
3.
Zitat von Lankoronman eben nicht beim billigsten unbekannten Anbieter. Man bestellt bei vertrauten Anbietern oder Amazon direkt. Aber für viele kann es nicht billig genug sein. Ach, bei aller Empörung über amazon: Wenn ein Medikament schlecht ist, ist die Apotheke schuld oder der Hersteller?
Aber mitverdienen tut Amazon trotzdem. Ein Grund mehr, da nichts zu kaufen.
dbeck90 01.06.2018
4. was ist jetzt neu?
mind. 80% aller produkte werden illegal ohne eu konformität vertrieben. Kein CE, keine Tests, keine rechnung, Einfuhrdeklaration standart gefälscht, nichts, und man selbst ist machtlos. Selbst vermeintliche deutsche händler stellten sich als Chinesen mit deutschem Lager raus. Ich bin selbst einer der leidtragenden Händler, der dummerweise wohl als einer der letzten die Gesetze der EU befolgt - was natürlich teurer ist als illegal einzuführen, deswegen machts ja kaum einer. Habe selbst etliche Testkäufe hinter mir und Händler bedroht, die teils gefährliche Ware eingeführt haben - Eine Nachfrage beim Kundenservice ergab: Wenn man viel Geld dür ein unabhängiges Gutachten hergibt, welches den Mangel an dem Produkt bestätigt. Erst dann wird es von der Website entfernt. Und nur das eine Produkt, der Händler wird rechtlich nicht belastet. muss das denn sein?
gersois 01.06.2018
5. Amazon ist keine Apotheke
Amazon hat eine Verkaufsplattform, auf der schon länger vieles nicht nach Recht und Gesetz läuft. Es dürfte doch heute keine Frage mehr sein, sie von den europäischen oder deutschen Behörden vorerst zu schließen, sonst ändert sich nichts.
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