Analyse Ratingagentur Moody's kritisiert Private-Equity-Branche scharf

Besorgte Politiker bekommen in ihrem Kampf gegen die Private-Equity-Branche Schützenhilfe aus der Wirtschaft. Die Ratingagentur Moody's wirft den Finanzinvestoren in einer Analyse kurzfristiges, rein gewinnorientiertes Denken vor.


Hamburg - Die Analyse der Ratingagentur Moody's straft ein in der Private-Equity-Branche gern benutztes Argument Lügen. Die Finanzinvestoren nämlich verteidigen den Aufkauf börsennotierter Firmen oft damit, dass das Management des betroffenen Unternehmens sich fortan nicht mehr den rein renditeorientierten Wünschen der Aktionäre beugen müsse. Tatsächlich aber sind die neuen Hausherren offensichtlich in ihren Gewinnansprüchen kein Stück besser als aufsässige Aktionäre, erklärt die Ratingagentur jetzt.

Firmen im Besitz von Finanzinvestoren planten jedenfalls kein bisschen langfristiger und strategischer als am Aktienmarkt notierte Konzerne. "Und das, obwohl sie nicht dem Zwang unterliegen, Quartalsberichte vorlegen zu müssen", heißt es in der Studie der Ratingagentur, aus der die "Financial Times Deutschland" zitiert. Die Verschuldung der eingekauften Firmen sei außerdem nach der Übernahme oft gefährlich hoch. Das schade der langfristigen Entwicklung der Firmen.

Damit bekommen die Kritiker der Private-Equity-Branche, zu denen vor allem Politiker wie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) gehören, Schützenhilfe von prominenten Wirtschafts-Experten. Moody's ist gemeinsam mit Standard & Poor's weltweiter Marktführer in der Ratingbranche. Zu den Kunden der Agentur, die die Bonität von Firmen untersucht, gehören auch Private-Equity-Unternehmen.

Damit kann Moody's sich bei der Analyse auf jahrelange Beobachtungen aus nächster Nähe stützen. "Beteiligungsgesellschaften haben aus den zu ihrem Portefeuille gehörenden Unternehmen Geld abgezogen und sind früher als in der Vergangenheit ausgestiegen", schlussfolgert Christina Padgett, eine Autorin des Reports. "Das ist keine langfristige Strategie."

ase



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.