Analysten-Berechnung TV-Deal bringt Saban-Gruppe rund 1,6 Milliarden Euro

Es ist ein Geschäft, wie es im Lehrbuch steht: 2003 hatte Haim Saban aus den Ruinen des Kirch-Imperiums zum Schnäppchenpreis die TV-Senderkette ProSiebenSat.1 übernommen. Jetzt bringt der Verkauf an Springer ihm und seinen Partnern geschätzte 1,6 Milliarden Euro ein.


US-Milliardär Saban, Springer-Chef Döpfner: "Unglaublich, dass da niemand zugegriffen hat"
AP

US-Milliardär Saban, Springer-Chef Döpfner: "Unglaublich, dass da niemand zugegriffen hat"

Hamburg - Die von Saban geführte Investorengruppe German Media Partners habe in den vergangenen Jahren für ihre Anteile an dem TV-Unternehmen insgesamt nur rund 830 Millionen Euro bezahlt, schätzt der HVB-Analyst Peter-Thilo Hasler. Die genaue Summe ist unbekannt, doch Thomas Grillenberger von der BayernLB kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Er schätzt den damaligen Kaufpreis auf rund 850 Millionen Euro.

Durch den Verkauf der Anteile an den Springer-Verlag bekommt das Konsortium, an dem Saban selbst knapp 25 Prozent hält, jetzt 2,47 Milliarden Euro. Fest steht: Saban und die beteiligten Finanzinvestoren haben ein Bombengeschäft gemacht - während ihre deutschen Kollegen nach der Kirch-Pleite geschlafen haben.

Fast niemand zeigte damals Interesse an ProSiebenSat.1. Einziger Bieter war der Heinrich-Bauer-Verlag, den die German Media Partners mit einem etwas höheren Angebot schnell aus dem Rennen drängten. Außer Saban sind unter anderem die Finanzinvestoren Hellman&Friedman, Bain Capital und Putnam/T.H.Lee an German Media Partners beteiligt.

manager magazin
"Haim Saban hat einfach eine gute Nase gehabt", erklärt Analyst Hasler die Trägheit der deutschen Investoren. Damals seien die meisten davon ausgegangen, dass das Fernsehunternehmen gemeinsam mit dem Kirch-Imperium untergehen würde. Der Aktienkurs sei sehr schlecht gewesen, "da wurde ein Katastrophenszenario ausgemalt."

"Vor allem die Programmkosten wurden gesenkt"

Der US-Milliardär selbst wunderte sich, dass seinem Konsortium das Fernseh-Unternehmen so kampflos überlassen wurde. In einem Interview mit dem SPIEGEL erklärte er im März 2004, er habe kaum glauben können, dass keiner der deutschen Medienkonzerne die Gelegenheit nutzte: "Das war ein Geschäft ohne Risiko, ein 'No Brainer', wie wir hier sagen. Vergessen Sie mal die Konzerne. Deutschland hat laut der berühmten Forbes-Liste aller weltweiten Milliardäre die zweitgrößte Anzahl von Milliardären nach den USA. Es ist absolut unglaublich, warum da niemand zugegriffen hat."

Saban nutzte die Gelegenheit, und begann sofort, den Konzern mit eiserner Hand aufzuräumen. Fast die gesamte Managerriege wurde ausgetauscht. Anstelle von Vorstandschef Urs Rohner setzte der gebürtige Israeli den Macher Guillaume Posch an die Spitze. "Vor allem war aber wichtig, dass die Programmkosten gesenkt wurden", sagt HVB-Analyst Hasler. Unterstützt vom anziehenden Werbegeschäft machte Saban so aus der kriselnden Fernsehkette wieder ein profitables Unternehmen, dessen Börsenwert sich innerhalb von nur zwei Jahren verdoppelte.

ProSiebenSat.1: Mit eiserner Hand wurde aufgeräumt
DPA

ProSiebenSat.1: Mit eiserner Hand wurde aufgeräumt

Der Medienmogul stieß mit seinem rigiden Führungsstil nicht überall auf Zustimmung: Entertainer Harald Schmidt wechselte wegen Auseinandersetzungen mit dem Medienmogul zur ARD. Medienwächter kritisierten, Saban kümmere sich zu wenig um die Qualität der Programme, ihm gehe es nur um kurzfristige Gewinnmaximierung.

Der Verkauf von ProSiebenSat.1 ist nicht der erste Fall, bei dem Saban mit seinem Gespür für Timing viel Geld macht. Die Grundlage seines Vermögens legte der 61-Jährige, als er im Jahr 2001 gemeinsam mit dem Partner News Corp. den Familiensender Fox Family Worldwide für insgesamt 5,3 Milliarden Dollar an den Disney-Konzern verkaufte. Das Unternehmen produzierte und vertrieb unter anderem die "Power Rangers", deren populäre US-Version Saban geschaffen hatte. Der Deal galt als der größte in der Geschichte Hollywoods und der Moment für den Verkauf war ideal gewählt: Die Preise für Kinder-und Jugendprogramme sind seither weltweit abgesackt.

Anne Seith



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.