Düstere Prognose Merkel sieht schwarz für deutsche Autoindustrie

Bei einem Treffen mit ihren Kollegen aus der EU schnitt die Kanzlerin nach SPIEGEL-Informationen ein heikles Thema an: den absehbaren Niedergang einer deutschen Vorzeigebranche.

Porsche-Werk in Stuttgart-Zuffenhausen
REUTERS

Porsche-Werk in Stuttgart-Zuffenhausen

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) räumt der deutschen Automobilindustrie offenbar keine guten Überlebenschancen ein. Beim Europäischen Rat Ende Juni malte sie nach Informationen des SPIEGEL die Zukunftsaussichten von Deutschlands wichtigstem Industriezweig mit rund einer Million Beschäftigten in düsteren Farben. Jeder wisse, dass die Autoindustrie in ihrer heutigen Form nicht überleben werde, erklärte Merkel nach Angaben von Teilnehmern im Kreis der übrigen Staats- und Regierungschefs. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 28/2017
Vom dogmatischen Verzicht zum gesunden Genuss

Alle betroffenen Länder sollten sich darauf vorbereiten und bereit sein, "die Umstrukturierung unserer Autoindustrie in den kommenden Jahren zu begleiten und zu kompensieren", sagte die Kanzlerin. Das falle aber zunehmend schwer, wenn China systematisch vielversprechende Neugründungen aus dem Hochtechnologiebereich aufkaufe. So verliere Deutschland Wettbewerbsvorteile, sagte Merkel in der Debatte, bei der es um Schutzmaßnahmen gegen China ging.

Merkels düstere Einschätzung zur Zukunft der deutschen Automobilindustrie steht in auffallendem Kontrast zum Wahlprogramm von CDU und CSU. Darin erklären die beiden Schwesterparteien ihren Willen, "dass die deutsche Automobilindustrie auch künftig ihre Weltmarktstellung behauptet". Deutschland solle führend werden bei der Produktion alternativer, umweltfreundlicher Antriebe.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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MisterD 07.07.2017
1. Ich hoffe das ist Taktik von Frau Merkel...
Anderenfalls ist es nur mit Absicht zu erklären, dass Frau Merkel und ihre Partei seit Jahren den digitalen Fortschritt ausbremsen und so gut wie kein Geld in die Hand nehmen, um Deutschland dahingehend gut aufzustellen...
imper69 07.07.2017
2. Nur mal so
frage ich mich, was gegen Wasserstoff spricht.
matbhmx 07.07.2017
3. Dass es für die deutsche Autoindustrie ...
... künftig schwerer wird, hat sich im Wesentlichen die deutsche Autoindustrie selbst eingebrock! Sie hat - aus persönlichen Interessen vor allem des Managements und begleitet von einer wie üblich unfähigen Politik - an alten Pfründen festhalten, alte Pfründe verteidigen wollen. Und das ist das Entscheidende. Die Entscheidungsträger in der deutschen Autoindustrie haben doch fleißig Aktien nicht nur der Autoindustrie, sondern auch der ganzen Zulieferer, sie haben Aktien der Mineralölkonzerne usw. Es gibt eine Vielzahl von Leuten im Management, bei denen Angehörige mittelständische Betriebe haben, die Zulieferer sind. Es gab also schlicht in den Etagen der Entscheidungsträger irgendwelche Interessen, den Verbrennungsmotor jemals abzuschaffen - aus schlichtem Eigennutz. Ein weiteres tun deutsche Ingenieure, die freudig erregt auch noch das letzte aus den Motoren herauskitzeln wollen - mit zum Teil feinziselierter Technik, die nur noch um ihrer selbst und für's Ego des Ingenieurs besteht. Und dass Merkel inzwischen erkennt, dass die Aufkäufe aus Fernost massiv der deutschen und europäischen Wirtschaft schaden, kommt 15 Jahre zu spät. Die USA, Großbritannien und noch einige andere Staaten machen es seit Jahrzehnten vor: Schlüsseltechnologien, die im nationalen Interesse bestehen, dürfen nicht durch ausländische Firmen aufgekauft werden. Deutschland hat erst vor wenigen Jahren erstmals überhaupt entsprechende Vorschriften erlassen, wendet sie aber offensichtlich nicht konsequent an. Die Hauptaufkäufer deutscher Technologien war übrigens früher die USA. Es wurden die deutschen Patente von klein- und mittelständischen Unternehmen abgegriffen, in die USA geholt und das deutsche Unternehmen irgendwann platt gemacht! Auch da hat die Bundesregierung jahrzehntelang fröhlich zugeguckt. Wenn Dogma verblendet. Denn das Verhalten ist Folge des penetranten und reichlich dümmlichen Glaubens an die völlige Freiheit des Welthandels!
guentherzaruba 07.07.2017
4. nehmen sie
QualitätsHufeisen und Dampfmaschinen und und und.... alle diese Technologien fanden durch den Fortschritt ihr Ende.... Tatsächlich, sowas geschah und geschieht.
Bernd.Brincken 07.07.2017
5. Und welche Rolle hat sie?
Welche Rolle hat denn Merkel, und eine ggf. kommende nächste Regierung bei diesem Niedergang der KFZ-Industrie? Darf man die Bemerkung so lesen, dass sie sich für Verschärfungen von Auflagen und härteres Durchgreifen einsetzen wird? Die Bemerkung ist ja für eine Kanzlerin schon recht irritierend.
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