Angeschlagener Autobauer Regierung verheddert sich bei Opel-Rettung

Die Chancen für eine Rettung von Opel schwinden: Der Mutterkonzern General Motors steht vor der Insolvenz, den deutschen Autobauer könnte dasselbe Schicksal treffen. Das Krisenmanagement von Wirtschaftsminister Guttenberg gerät immer stärker in die Kritik - jetzt will das Kanzleramt eingreifen.

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Berlin - Der Unwille war ihm deutlich anzumerken: Natürlich liege die Federführung bei den Verhandlungen über die Zukunft von Opel weiterhin beim Bundeswirtschaftsministerium, betonte Regierungssprecher Thomas Steg auf der wöchentlichen Pressekonferenz der Regierung. Von der Leutseligkeit, mit der er zuvor von den Plänen für das bevorstehende Bürgerfest der Regierung in Berlin berichtet hatte, war in diesem Moment nicht mehr viel zu spüren.

CSU-Minister Guttenberg: Heftiger Streit um seinen Plan
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CSU-Minister Guttenberg: Heftiger Streit um seinen Plan

Auch die Frage nach den rechtlichen Problemen, die die von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ins Gespräch gebrachte Treuhandlösung birgt, wies Steg mit leicht oberlehrerhaftem Unterton ab: "Sie können sicher sein, dass es auch in der Bundesregierung genug Juristen gibt, die sich mit den Fragen auseinandersetzen." Im Übrigen verweigerte er jeden Kommentar zum Stand der Verhandlungen: In einer sensiblen Phase wie derzeit werde man keine Zwischenstände über Verhandlungen oder "spekulative Betrachtungen" über Positionen abgeben, beschied der Regierungssprecher die Runde.

"Von Tag zu Tag mehr Probleme und offene Fragen"

Abgesehen von dem spärlichen Informationstransfer lässt sich Stegs Auftritt durchaus als Bestätigung der inoffiziellen Nachrichten interpretieren, die derzeit in Berlin kursieren: Beim Thema Opel liegen bei allen Beteiligten inzwischen die Nerven blank - denn die Rettungsaktion wirft von Tag zu Tag mehr Probleme, Schwierigkeiten und offene Fragen auf.

Und Guttenberg, der bei seinem Amtsantritt als Shooting-Star der Regierung gefeiert wurde, macht dabei keine gute Figur. Der Wirtschaftsminister schließt eine Insolvenz des angeschlagenen Autobauers Opel nicht mehr aus. Das derzeit diskutierte Treuhand-Modell könne es nur geben, wenn die möglichen Opel-Investoren tragfähige Konzepte vorlegen, betonte Guttenberg am Freitag in Berlin. Sollte dies nicht der Fall sein oder das Treuhand-Modell von den Beteiligten nicht akzeptiert werden, könne es auch eine "geordnete Insolvenz" als Ausgangspunkt für einen Neuanfang für Opel geben.

Obwohl nach außen hin einmütig befürwortet, tobt hinter den Kulissen ein heftiger Streit um Guttenbergs Plan. Der CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs brachte die Bedenken am Donnerstag auf den Punkt: "Ich befürchte, dass wir dann Opel nicht mehr loswerden", sagte er zu "Bild.de". Stattdessen sollte Guttenberg die Angebote der Interessenten schnell und intensiv prüfen und zu einer raschen Lösung zu kommen. Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier signalisierte seine Distanz, indem er lediglich von einer "staatlichen Brückenfinanzierung", sprach.

Bei den harten Verhandlungen mit dem Mutterkonzern General Motors will nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur nun das Kanzleramt die Zügel stärker in die Hand nehmen. Kommende Woche soll eine Delegation nach Washington reisen.

"Ich sehe null Chancen"

Geplant als Faustpfand, um die dringend benötigte Liquiditätshilfe von mindestens einer Milliarde Euro wenigstens halbwegs abzusichern, erweist sich die Umsetzung von Guttenbergs Treuhand-Modell als ausgesprochen schwierig. Mehreren Zeitungsberichten zufolge soll auch die US-Regierung massive Einwände haben. Das entscheidende Problem stellt dabei offensichtlich die ungelöste Frage dar, ob die Gläubiger von General Motors Chart zeigen nicht einen Anspruch darauf haben, den gesamten Konzern inklusive Opel verwerten zu können, um ihre Ansprüche zu befriedigen. Findige Anwälte könnten die Herauslösung der europäischen Tochter als Verkürzung der Insolvenzmasse betrachten und dagegen klagen.

Experten wie Ferdinand Dudenhöffer, Professor der Universität Duisburg-Essen, bezeichnen den Plan gar als Rohrkrepierer: "Ich sehe null Chancen, dass General Motors und die US-Regierung zustimmen."

Doch selbst wenn man sich auf eine derartige Konstruktion verständigen würde, so bliebe immer noch die Aufgabe, Opel aus dem GM-Verbund herauszulösen - die hochkomplizierten Verhandlungen darüber dürften mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

So viel Zeit aber bleibt der Regierung nicht mehr, wenn sie den Rüsselsheimer Autohersteller davor bewahren will, in den Sog der strauchelnden Konzernmutter zu geraten. Am 1. Juni läuft für GM die von der US-Regierung gesetzte Frist ab, in der sich der Konzern mit Gläubigern und Gewerkschaften auf ein tragfähiges Zukunftsmodell einigen muss. Zwar steht GM einem Zeitungsbericht zufolge vor einer Einigung mit den Arbeitnehmervertretern. Den Plänen zufolge sollten die Lohnkosten für GM-Schichtarbeiter um mehr als eine Milliarde Dollar pro Jahr gekürzt werden, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Verhandlungskreise. Doch die weitaus größere Hürde ist der ungelöste Streit mit Tausenden von Gläubigern, bei denen GM mit rund 27 Milliarden Dollar in der Kreide steht.

"Die strukturellen Probleme sind nicht gelöst"

GM-Chef Fritz Henderson glaubt offensichtlich selbst nicht, dass das gelingt. Er denkt bereits öffentlich über eine Insolvenz nach dem Vorbild von Chrysler nach. Die Opel-Mutter würde dann die überlebensfähigen Teile an eine neue Einheit verkaufen, die das Insolvenzverfahren möglichst rasch wieder verlassen soll.

Für Opel wäre dieser Weg die schlechteste aller Möglichkeiten. Denn im günstigsten Fall würde dies den Verkauf an einen Investor massiv verzögern und die Geduld der Interessenten auf die Probe stellen. Wahrscheinlicher ist aber, dass den Rüsselsheimern vorher das Geld ausgeht, um das laufende Geschäft zu finanzieren.

Angesichts der Schwierigkeiten dürften selbst diejenigen in der Regierung verzweifeln, die restlos davon überzeugt sind, dass sich die Rettung des Rüsselsheimer Autobauers lohnt. Hinter vorgehaltener Hand jedoch bringen nicht wenige ihre Befürchtung zum Ausdruck, dass damit allenfalls der Zeitpunkt des endgültigen Zusammenbruchs nur in die nächste Legislaturperiode verschoben wird. "Selbst wenn es gelingt, Opel aus GM herauszulösen - die strukturellen Probleme des Unternehmens sind damit ebenso wenig gelöst wie die der ganzen Branche", sagt ein Beteiligter.

Das sehen übrigens auch die Banken so. Um einen Partner für die Finanzierung zu finden, der wenigstens ein Zehntel des Risikos zu tragen bereit war, mussten Guttenbergs Unterhändler fleißig Klinken putzen. Nach langer Suche signalisierte jetzt die Landesbank Hessen-Thüringen jetzt ihre Bereitschaft zur Hilfe - allerdings nur innerhalb eines Bankenkonsortiums. "Wir sind grundsätzlich dazu bereit", sagte Sprecher Hans Wolfgang Kuß und bestätigte einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

In der Branche wird spekuliert, dass am Ende die staatliche KfW-Bankengruppe gemeinsam mit mehreren Landesbanken herangezogen werden muss, wenn sich kein privates Institut findet.

Die einzigen die derzeit noch an eine Zukunft von Opel glauben, sind die Vertragshändler. Sie trafen sich heute in Wien, um über Einzelheiten ihres geplanten Einstiegs bei der angeschlagenen General-Motors-Tochter zu beraten. Der Chef der Händlervereinigung Euroda, Jaap Timmer, sagte anschließend, die Händler strebten eine Minderheitsbeteiligung und einen Sitz im Aufsichtsrat an, dazu einen guten Profit, der vielleicht etwas später komme. Details der Ausgestaltung und die Umsetzung des Beteiligungsmodells sind seinen Worten zufolge noch in der Diskussion und sollen auch von der Entscheidung eines zukünftigen Investors abhängig gemacht werden.

Forum - Wer soll Opel retten?
insgesamt 2958 Beiträge
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Seite 1
IsArenas, 27.04.2009
1.
Fiat! Soviel Lokalpatriotismus muss sein. Lust wär's und gut iss. Ahnung habe ich nicht, aber die Wahrscheinlichkeit daneben zu liegen, ist aus meiner Sicht bei der Alternative genauso groß, eben deshalb, weil eh NIEMAND den Durchblick hat.
m-pesch, 27.04.2009
2.
Zitat von sysopFür Opel gibt es mehrere Interessenten. Wer wäre Ihrer Meinung nach der beste Investor?
Egal wer Opel übernimmt. Er muß erst mal garantieren das die nächsten Jahrzehnte in diesem hochprofitablen Weltunternehmen kein einziger Arbeitsplatz abgebaut wird. Und außerdem muß er anerkennen das in dem dann größeren Konzern nur einer das sagen hat, nämlich der Opel Betriebsrat. Ist ja wohl das Mindeste was amn einem Unternehmen das ja bekanntlich das Auto erfunden hat zugesehen muß. :-))
Hartmut Dresia, 27.04.2009
3.
Zitat von sysopFür Opel gibt es mehrere Interessenten. Wer wäre Ihrer Meinung nach der beste Investor?
So oder so, 5 Milliarden Euro könnte den Staat die Rettung kosten (http://www.plantor.de/2009/opel-5-milliarden-euro-koennte-den-staat-die-rettung-kosten/). Schon jetzt kämpft die Autoindustrie mit großen Überkapazitäten. Sergio Marchionne, Fiat-Chef und UBS-Vizepräsident, glaubt, dass letztlich nur sechs oder fünf globale Autokonzerne überleben werden. Von den 94 Millionen Autos Jahreskapazität seien 30 Millionen überflüssig. Er erwarte eine Welle von Konsolidierungen.
rkinfo 27.04.2009
4.
Zitat von m-peschEgal wer Opel übernimmt. Er muß erst mal garantieren das die nächsten Jahrzehnte in diesem hochprofitablen Weltunternehmen kein einziger Arbeitsplatz abgebaut wird. Und außerdem muß er anerkennen das in dem dann größeren Konzern nur einer das sagen hat, nämlich der Opel Betriebsrat. Ist ja wohl das Mindeste was amn einem Unternehmen das ja bekanntlich das Auto erfunden hat zugesehen muß. :-))
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,621228,00.html 27. April 15.40 Uhr: Das *General-Motors-Management *bittet die Regierung in Washington um eine weitgehende *Verstaatlichung*. Wie GM mitteilte, soll der amerikanische *Staat die Hälfte* der *Konzernaktien* erhalten und dafür dem Unternehmen im Gegenzug die Hälfte seiner Schulden bei der öffentlichen Hand von 15,4 Milliarden US-Dollar erlassen. Wenn sich die Politik bei uns nicht beeilt wird bald B- Obama Chef bei Opel sein ... "Yes we can" Cars - Made in Rüsselsheim.
vanill68 27.04.2009
5. kkollektives halluzinieren
allenthalben liest man in deutschen medien, daß fiat opel technologie abschöpfen könnte. meine frage dazu ? was kosten eigentlich bekiffte journalisten. gilt es in d. noch, etwas zu recherchieren, bevor man es schreibt. oder genügt dazu das ja vom opel-betriebsrat ? opel hat ***keine*** nennenswerte technik ! beim insignia ist allenfalls die integration zugekaufter komponenten geglückt. fiat entwickelt und baut diesel-motoren, die state-of-the-art sind. und opel kauft sie. wo opel motoren drin sind, folgen verkaufseinbrüche (alfa 159, die benziner) commonrail ist eine fiat entwicklung, entwickelt bei elasis/neapel, erstmals käuflich im alfa 156. fiat hat neueste technologien im benziner bereich in der pipeline ... die qualität deutscher medien ist zum schreien, oder wird bezahlt ? - bisher kannte man das ja nur von der autobild.
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