Angeschlagener Autokonzern Chrysler kündigt brachiale Sparaktion an

Die Finanzspritze kommt - doch dafür muss radikal gespart werden: Der notleidende US-Autobauer Chrysler plant riesige Kostensenkungen. Der künftige Präsident Obama schwört zu Weihnachten seine Landsleute auf einen harten Kampf gegen die Wirtschaftskrise ein.


New York - Die Kredite der US-Regierung an Detroits Autobauer sind an Bedingungen geknüpft - die Konzerne sollen einen glaubwürdigen Sanierungsplan vorlegen. Jetzt will Chrysler mit neuen drastischen Kostensenkungen beweisen, dass die Firma bis Ende März überlebensfähig ist. Das Management habe in einer Händlerpräsentation einen noch härteren Sparkurs als bisher angekündigt, berichtete das "Wall Street Journal".

Chrysler-Mitarbeiter in Michigan: "Wir müssen kleiner werden"
AFP

Chrysler-Mitarbeiter in Michigan: "Wir müssen kleiner werden"

Chrysler wolle sich gesundschrumpfen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Insider. So habe Chrysler-Topmanager Jim Press den Händlern gesagt: "Wir müssen kleiner werden." Das bedeute auch eine "massive Reduzierung" der Fixkosten. Chrysler hat bereits scharfe Einsparungen und einen drastischen Stellenabbau hinter sich. Der Hersteller litt zuletzt mit einem Absatzeinbruch um fast 50 Prozent am stärksten unter der steilen Talfahrt am US-Automarkt. Mehrheitseigner ist der Finanzinvestor Cerberus. Knapp 20 Prozent an Chrysler gehören noch dem deutschen Daimler-Konzern, der sich von dem Restanteil trennen will.

Obama: Amerikaner müssen zusammenstehen

Tatsächlich ist der Konzern Sinnbild für die Anstrengungen, die durch die Wirtschaftskrise auf das Land zukommen. So hat auch der künftige US-Präsident Barack Obama seine Landsleute zum Kampf gegen die Wirtschaftskrise aufgerufen.

"Es herrschen harte Zeiten für viele Amerikaner, die mit den Folgen der schleppenden Wirtschaft zu kämpfen haben", sagte er in einer am Mittwoch veröffentlichten Feiertagsbotschaft. Millionen Amerikaner seien ohne Arbeit; viele hätten Probleme, ihre Rechnungen zu bezahlen. Viele in Not geratene Hausbesitzer seien in Gefahr, ihre Häuser zu verlieren. Für viele Menschen sei "die Zukunft unsicher", heißt es in der für Samstag geplanten Rundfunkrede.

Doch wenn die Amerikaner zusammenstünden und gemeinsame Anstrengungen unternähmen, "dann weiß ich, dass wir die Menschen zurück an die Arbeit bringen und dem Land eine neue Richtung geben können". Nur so könne das Land "durch diese Zeit der Krise kommen", sagte Obama weiter. Zugleich erinnerte er an die US-Soldaten im Irak und in Afghanistan.

Wie tief das Land derzeit in der Krise steckt, zeigen jüngste Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung: Angesichts der düsteren Aussichten und schrumpfender Einkommen setzen die US-Bürger vermehrt auf Sparen als auf Geldausgeben. Die Konsumausgaben sanken im November um 0,6 Prozent - und damit zum fünften Mal in Folge. Damit dürfte die US-Wirtschaft wohl im vierten Quartal geschrumpft sein - denn der private Konsum ist unentbehrlich für das amerikanische Wirtschaftswachstum. Er macht zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus.

Fast zwei Millionen Menschen haben den Job verloren

Außerdem hat sich die Lage am US-Arbeitsmarkt weiter rapide verschlechtert. In der vergangenen Woche stellten so viele Amerikaner einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe wie seit 26 Jahren nicht mehr. Dem Handelsministerium zufolge stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenversicherung in der Woche bis zum 20. Dezember auf 586.000. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf 560.000 gerechnet. In diesem Jahr haben in den USA bislang fast zwei Millionen Menschen ihre Arbeit verloren.

Erst am Dienstag hatte das US-Handelsministerium seine Schätzung für das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal veröffentlicht. Danach geht man dort von einem Minus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Damit wäre die US-Wirtschaft so stark geschrumpft wie seit sieben Jahren nicht mehr. Im zweiten Quartal war sie noch um 2,8 Prozent gewachsen.

Auch der Wachstumseinbruch im dritten Quartal ist den Angaben zufolge vor allem auf schwache Konsumausgaben zurückzuführen. Die Ausgaben der privaten Haushalte auf Quartalssicht sanken um 3,8 Prozent. Besonders ausgeprägt war der Einbruch bei langlebigen Gütern. Hier wurde ein Einbruch um 14,8 Prozent verzeichnet. Die Konsumausgaben machen etwa zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung aus.

Obama, der gegenwärtig auf Hawaii Ferien macht, tritt am 20. Januar offiziell sein Amt an. Er hat bereits ein massives Konjunkturprogramm mit einem Volumen von bis zu 800 Milliarden Dollar angekündigt. Damit sollen bis zu drei Millionen Arbeitsplätze neu geschaffen oder gerettet werden.

sam/dpa/Reuters



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