Hamburg - Die Talfahrt der Ölpreise setzt sich den siebten Handelstag in Folge fort. In den USA ist der Preis am Donnerstagnachmittag unter die Marke von 60 Dollar gefallen. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete nur noch 59,7 Dollar. Der Preis fiel damit auf den niedrigsten Stand seit Mitte Mai. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 60,2 Dollar.

Rohöl-Handel an der New Yorker Börse Nymex: "Alle Mittel nutzen, um die Stabilität des Marktes zu sichern"
Die stark schwankenden Ölpreise sorgen in der Politik für Unruhe. So will Europa verstärkt gegen Ölspekulanten vorgehen. Laut "Wall Street Journal" forderten der britische Premier Gordon Brown und der französische Präsident Nicolas Sarkozy am Mittwoch in einem Schreiben ein gemeinsames Vorgehen der Regierungen gegen den "gefährlich schwankenden" Ölpreis. Die beiden Politiker warnen eindringlich davor, dass das Auf und Ab am Ölmarkt in der aktuellen Konjunkturphase "das Vertrauen in eine Erholung untergraben könnte".
Der europäische Appell stößt auch in den USA auf Zustimmung: Die US-Rohstoffbehörde CFTC kündigte bereits am Dienstag an, die Kontrollen im Handel mit Ölterminkontrakten zu verschärfen. Das berichten "Wall Street Journal" und "New York Times". So müssen Händler - darunter Hedgefonds und Investmentbanken - künftig mit Obergrenzen für Spekulationsgeschäfte rechnen. Schon jetzt hat die CFTC die Möglichkeit, bei Verdacht auf Manipulationen einzugreifen. Künftig könnten diese Kompetenzen auf Spekulationsgeschäfte ausgeweitet werden.
Das Vorgehen der Behörde kommt zur rechten Zeit. Denn die Angst vor weltweiter Spekulation auf den Rohstoffmärkten hat in den vergangenen Wochen stark zugenommen. So hatte erst vergangene Woche ein einzelner Händler der Londoner Ölhandelsfirma PVM mit nicht genehmigten Geschäften den Ölpreis kurzfristig um zwei Dollar nach oben getrieben. Die Ermittlungen dazu dauern an.
Dennoch gibt es in der Branche auch Zweifel, ob es nur Spekulationen sind, die den Ölpreis hochtreiben. Der Chefökonom des britischen Konzerns BP, Christof Rühl, erklärte jüngst in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Spekulanten bestimmen nicht die Richtung, in die der Zug fährt. Der entscheidende Faktor bei der Preisbildung ist die Relation von Angebot und Nachfrage." Er kenne keine einzige Studie, die nachgewiesen hätte, dass Ölpreisschwankungen fundamental von Finanzinvestoren beeinflusst worden wären. "Der systematische Zusammenhang, so gern er auch kolportiert wird, existiert nicht", so Rühl.
Euro holt jüngste Verluste zum Dollar wieder auf
Nach einem Rekordhoch von 147 Dollar pro Barrel im Juli 2008 war der Ölpreis nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise rapide gefallen - auf zwischenzeitlich nur noch 34 Dollar. In den vergangenen Wochen stieg der Preis dann jedoch wieder.
"Ich glaube, dass wir alle Mittel nutzen müssen, um die Stabilität des Marktes zu sichern", sagte CFTC-Chef Gary Gensler laut "New York Times. Sarkozy und Brown setzen nun alle Hoffnungen in den G-8-Gipfel, der an diesem Mittwoch im italienischen L'Aquila beginnt. Dort wollen sie mit den anderen Staats- und Regierungschefs der insgesamt acht führenden Industrienationen über gemeinsame Maßnahmen sprechen.
Auch bei den Devisen kam es zu größeren Preisverschiebungen. So hat der Euro am Donnerstag im Vergleich zum Dollar zugelegt. Am Mittwochabend kostete die Gemeinschaftswährung noch 1,38 Dollar. Als am Donnerstagsnachmittag überraschend solide Zahlen vom US-Arbeitsmarkt veröffentlicht wurden, zog der Euro bis auf ein Tageshoch von 1,40 Dollar an. "Über der Marke von 1,40 Dollar wird die Luft aber wieder dünn, es kommen Dollar-Käufer an den Markt", erklärte ein Frankfurter Devisenhändler.
cha/dpa/Dow Jones
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