Angst vor Ölknappheit China hebt die Benzinpreise drastisch an

Lange Schlangen an Chinas Tankstellen, Panik bei den Autofahrern: Kraftstoff wird in der Volksrepublik knapp, weil die Raffinerien zum staatlich festgesetzten Preis nur mit Verlusten produzieren. Die Regierung in Peking hat nun die Treibstoffpreise drastisch angehoben.


Peking - Mit der Preisanhebung will China der drohenden Ölknappheit vorbeugen. "Um die Versorgung mit Treibstoff zu sichern und Energieeinsparungen zu fördern, hat China eine vernünftige Erhöhung der Treibstoffpreise beschlossen", hieß es in einer Mitteilung der zentralen Planungsbehörde des Landes. Der Benzinpreis stieg um 9,1 Prozent, für Diesel und Kerosin um 9,9 Prozent.

In China sind die Ölpreise staatlich festgesetzt. Noch im September hatte die Regierung die Preise eingefroren, um die Inflation zu bekämpfen.

Für den chinesischen Kunden an den Tankstellen entspricht die heutige Anhebung einer Preissteigerung von 0,46 Yuan (0,04 Euro). Die Behörde wies darauf hin, dass der Abstand zwischen dem steigenden Weltmarktpreis für Öl und den Preisen für Treibstoffe auf dem Inlandsmarkt stetig größer geworden sei. Für die chinesischen Ölfirmen sei dies eine äußerst schwierige Situation. Daher müsse der Preis für Treibstoff im Inland angehoben werden.

Um die höheren Kosten für die Menschen abzufedern, würden die Preise für den öffentlichen Personenverkehr sowie für Gas nicht angehoben, betonte die Behörde.

Ein Toter in der Tankstellen-Schlange

In China waren zum Teil Versorgungsprobleme entstanden, weil Raffinerien angesichts der niedrigen Preise Verluste eingefahren und deshalb die Produktion gedrosselt hatten. Manche stellten sogar ihren Betrieb ein. In chinesischen Medien wurde den Ölfirmen vorgeworfen, den Treibstoff künstlich verknappt zu haben, um die Regierung zu einer Preiserhöhung zu zwingen. Durch die Preisanhebung bewirkt die chinesische Regierung zweierlei: Die Ölfirmen erhalten mehr Geld für die Produktion, zugleich wird die Nachfrage nach Kraftstoff gedämpft.

In dieser Woche war es an den Tankstellen zu langen Schlangen gekommen. Gestern wurde ein Mann, der sich in eine Warteschlange vor einer Tankstelle drängen wollte, bei dem sich daran anschließenden Streit getötet, wie die Polizei mitteilte.

Auch chinesische Speditionen klagten über die Kraftstoffknappheit. Die Rationierung von Diesel habe dazu geführt, dass Warenlieferungen nach Shanghai sowie in südostchinesische Hafenstädte nicht pünktlich erfolgen konnten. Das betreffe auch Waren, die per Schiff weiter ins Ausland transportiert werden sollten.

Im elektronischen Handel in Asien stieg unterdessen der Preis für ein Barrel Rohöl auf den Rekordstand von 96,24 Dollar. Der neuerliche Anstieg wurde von Analysten auch auf die Senkung der Leitzinsen in den USA sowie auf die gestrige Bekanntgabe niedriger Lagerbestände in den USA zurückgeführt.

kaz/AFP/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.