Angst vor Währungskrieg: Weidmann kritisiert Japans Geldpolitik

Japan setzt auf billiges Geld - und erntet dafür harte Kritik. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnte die Notenbank des Landes davor, einen Abwertungswettlauf zu beginnen. Auch die deutsche Regierung ist besorgt.

Bundesbank-Chef Weidmann: Sparen statt Gelddrucken Zur Großansicht
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Bundesbank-Chef Weidmann: Sparen statt Gelddrucken

Berlin - Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat den Kurs der japanischen Notenbank kritisiert. Man sei sich einig gewesen, zur Lösung der Probleme nicht mit einem Abwertungswettlauf zu beginnen, der am Ende nur Verlierer kenne, sagte Weidmann am Sonntag im Deutschlandfunk. Die Probleme des Landes lägen gerade nicht in einer mangelnden Versorgung mit Liquidität. Schuld an der Deflation seien vielmehr die demografische Entwicklung und die hohe Staatsverschuldung. "Und da muss meines Erachtens eine sinnvolle Politik ansetzen."

Die japanische Notenbank hatte Donnerstag angekündigt, bis Ende 2014 die Geldbasis zu verdoppeln, die sich aus Bargeld sowie den Einlagen der Banken bei der Notenbank zusammensetzt. Dazu pumpt sie binnen zwei Jahren umgerechnet 1,4 Billionen Dollar in die Wirtschaft, vor allem über den Ankauf von Staatsanleihen, börsengehandelten Indexfonds und Immobilienfonds, um die Wirtschaft zu stimulieren.

Der Kurs ist international hoch umstritten, weil die Notenbank damit auch den Wechselkurs der japanische Währung, des Yen, schwächt - und damit japanische Exporte verbilligt. Das ist ein Nachteil für andere exportstarke Länder, wie etwa Deutschland.

Die Bundesregierung mahnte bereits am Freitag, dass sich Japan an die Verabredungen der G-20-Staaten halten müsse. Danach solle die Geldpolitik nicht eingesetzt werden, um sich "irgendwelche wirtschaftspolitischen oder exporttechnischen Vorteile" zu verschaffen.

"Banken müssen abgewickelt werden können"

Weidmann mahnte im Deutschlandfunk zudem Konsequenzen aus der Zypern-Krise an. "Ich glaube, es ist wichtig, aus Zypern die Lehre zu ziehen, dass Banken auch abgewickelt werden können", sagte der Bundesbank-Präsident.

Zypern sei zwar keine "Blaupause" für andere Länder, weil der Bankensektor außergewöhnlich groß sei und sich seine Finanzierungsstruktur von anderen Ländern unterscheide. Grundsätzlich befürworte er aber die Idee, ein "Abwicklungsregime" für Banken im Euro-Raum zu entwickeln: "Es geht darum, dass wir Banken, die in Schieflage geraten sind, nicht immer mit dem Geld der Steuerzahler retten müssen, sondern dass die Banken auch verursachergerecht abgewickelt werden können, ohne eine Gefahr für das Finanzsystem darzustellen."

Ähnlich hatte sich am Freitag die Präsidentin der Finanzaufsicht BaFin, Elke König, im Interview mit SPIEGEL ONLINE geäußert: "Unser Ziel muss es sein, marode Banken nach marktwirtschaftlichen Regeln abzuwickeln. Das heißt: Wer die Gewinne erhält, muss auch das Risiko tragen", betonte Deutschlands oberste Finanzaufseherin.

stk/Reuters

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insgesamt 34 Beiträge
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1.
shokaku 07.04.2013
Zitat von sysopBundesbank-Präsident Jens Weidmann warnte die Notenbank des Landes davor, einen Abwertungswettlauf zu beginnen.
What? Die FED druckt seit Jahren was das Zeug hält. Ebenso die BoE und die EZB. Wenn sich dann auch die BoJ anschliesst, beginnt auf einmal ein Abwertungswettlauf?
2. Mit Japan fing es in den 90er Jahren doch gerade an!!!
FREIEWAHLfürFREIEWÄHLER 07.04.2013
Es ist die Nullzins-Politik er Zentralbanken, die uns in die Katastrophe geführt hat, in Ruhe und endetaik nachzulesen hier: http://www.malik-management.com/de/pdf/ml/letter/malik-letter-warum-weltfinanzkrise-04-2009.pdf Beste Grüße aus Berlin
3. Ganz einfache Lösung
Progressor 07.04.2013
Einfuhrsteuern für japanische Waren so hoch und so lange bis die Leistungsbilanz der Eurozone zu Japan ausgeglichen ist. Ganz nebenbei: Das japanische Schicksal sollte uns in der Eurozone eine Warnung sein. Das Hineinsparen in eine Rezession bringt uns in die gleiche Zwickmühle.
4. Andere Situation
Progressor 07.04.2013
Zitat von shokakuWhat? Die FED druckt seit Jahren was das Zeug hält. Ebenso die BoE und die EZB. Wenn sich dann auch die BoJ anschliesst, beginnt auf einmal ein Abwertungswettlauf?
Die USA und England haben ein Exportdefizit. Die Leistungsbilanz der Eurozone ist ausgeglichen. Das ist der Unterschied zu Japan. Nichts desto Trotz sollte man Währungsungleichgewichte nicht durch Geldpolitik ausgleichen wollen.
5. Ach ja, interessant
Gerdtrader50 07.04.2013
Ich kritisiere Merkel/Schäubles Spargeschwafel in Rezessionen hinein. das habense vom Kohl geerbt, der hat genau so dumm geschwätzt in den 80ern. Binnenmarktzerstörung war die Folge. Exportlastigkeit bis heute. Ich kritisiere die Dumpinglohnpolitik und erinnere an die Cotton fields. Hätten die Dummschwätzer alle mal vernünftige Rezepte parat ausser Dogmen, gings den Deutschen besser. Die aber nur so Typen. Und stolz sind sie auch noch drauf.
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