Anti-Neonazi-Aktion Quelle verbannt Lonsdale-Kleidung

Das Versandhaus Quelle hat ein eindeutiges Statement gegen rechtsradikale Gesinnung abgegeben. Artikel von Lonsdale - eine der Lieblingsmarken der Rechten - fliegen aus dem Sortiment.

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Papenburg - Die Initiative ging von den Jusos im niedersächsischen Papenburg aus. In einem Brief an die Geschäftsführung hatten sie darauf hingewiesen, dass Lonsdale-Kleidung vorwiegend von Rechtsradikalen getragen wird. "Die Buchstabenkombination NSDA dient dabei als Erkennungszeichen unter Gleichgesinnten", erklärt Juso-Sprecherin Jane Küwen.

Londale-Logo: Nur noch Restware bei Quelle erhältlich

Londale-Logo: Nur noch Restware bei Quelle erhältlich

"Diese Symbole finden leider immer mehr Verbreitung in unserer Gesellschaft. Wir wollten die Quelle GmbH auf diesen offenkundigen Missstand aufmerksam machen. Die Akzeptanz gegenüber menschen- und verfassungsfeindlichen Ansichten darf auf diesem Wege nicht gefördert werden", begründet Küwen den Vorstoß. "Von der Antwort Quelles waren wir dann allerdings schon überrascht!"

Denn statt mit einem Standardbrief aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit zu antworten, antwortete Quelle-Geschäftsführer Michael Badke persönlich und bedankte sich für den Hinweis. "Die Quelle GmbH distanziert sich grundsätzlich klar und eindeutig von allen Tendenzen, die extremem Spektren zuzuordnen sind. Um den Vorwurf, wir würden rechte Extremisten mit dem Verkauf derartiger Textilien unterstützen, zu entkräften, hat unser Einkauf spontan entschieden, die Produkte aus dem Angebot zu nehmen."

Quelle bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE die Entscheidung, Londsdale-Produkte aus dem Sortiment zu verbannen.

Eine Weile werden die Lonsdale-Sachen noch zu kaufen sein. Denn ein sofortiger Verkaufsstopp oder die Entfernung aus der Printwerbung ist nach Angaben des Unternehmens nicht möglich. Die üblichen Vorlaufzeiten im Versandhandel müssten beachtet werden. Es werde lediglich die Menge verkauft, die Quelle für die laufende Katalogkampagne eingekauft habe.

Die Entscheidung sei nicht einfach für das Unternehmen gewesen, fügte Badke im Schreiben an die Jusos hinzu. Lonsdale-Garderobe sei für ihre Qualität bekannt. Sie auszusortieren bedeute kaufmännisch einen großen Verlust .

Das ist den Jusos durchaus bewusst. Sie zollen dem Schritt dementsprechend Anerkennung. "Quelle beweist mit diesem Schritt Mut, gesamtgesellschaftliche Verantwortung auch entgegen markttechnischen Zwängen zu übernehmen. Die damit verbundene Vorbildfunktion des Unternehmens in einer zusehend radikaler werdenden Gesellschaft verdient höchste Anerkennung", lobte Küwen die Entscheidung.



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