Antrieb ohne Öl Reeder planen das Hochsee-Schiff der Zukunft

Der Ölpreisschock trifft die Schifffahrt besonders hart - wegen der explodieren Kosten schauen sich die Reeder jetzt nach alternativen Antrieben um. Diesel, Sonne, Segel oder Atom - SPIEGEL ONLINE zeigt die verschiedenen Antriebsarten und analysiert ihre Chancen.

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Hamburg - Kaum eine Branche der Logistik unterliegt so starken konjunkturellen Schwankungen wie die Schifffahrt. Rund 90 Prozent aller weltweit gehandelten Güter legen einen Teil der Strecke vom Produzenten zum Konsumenten per Schiff zurück - die Reeder bekommen Veränderung im Welthandel deshalb sofort zu spüren.In den vergangenen Monaten sind auch noch die Preise für Erdöl drastisch gestiegen. Mit Folgen für die Transportunternehmen: Nahezu alle Frachtschiffe werden mit Schweröl betrieben. Der Treibstoff macht mittlerweile etwa 90 Prozent der Betriebskosten aus. Während eine Tonne im Frühjahr 2005 noch durchschnittlich 200 Dollar kostete, müssen die Reedereien inzwischen, je nach Qualität, bis zu 700 Dollar zahlen. Dabei ist Schweröl, auch Bunkeröl genannt, ein Abfallprodukt in der Erdölverarbeitung - ohne Schifffahrt müsste das Zeug teuer entsorgt werden.

Der Kraftstoffverbrauch eines modernen Containerriesen mit etwa 100.000 PS ist gigantisch: Ein solches Schiff verbrennt zwischen 12,5 und 14,5 Tonnen Kraftstoff - pro Stunde. Doch die Branche reklamiert für sich, die umweltfreundlichste Transportart zu sein: Schließlich fährt so ein Schiff etwa 12.000 Container durch die Welt. Pro Tonne und Kilometer sei der Schadstoffausstoß deshalb gar nicht so hoch.

Dennoch zwingen die hohe Kraftstoffpreise und die Klimadebatte Reedereien zum Umdenken: Um Öl zu sparen, müssen viele Kapitäne das Tempo drosseln. Fährt so ein Containerriese einen Knoten (1,852 Stundenkilometer) langsamer, verbraucht die Maschine über zehn Prozent weniger Kraftstoff.

"Die Reeder könnten durch neue Schiffe mit verbesserten Formen und durch effektivere Propeller noch mehr sparen", sagt Uwe Hollenbach, Experte für Antriebstechnik bei der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt. "Wegen des hohen Ölpreises wird auch an neuen Formen der Energieerzeugung zum Betrieb des Propellers, aber auch an alternativen Antriebsformen ohne Propeller geforscht."

So experimentieren Werften mit modernen Dieselmotoren und mit Brennstoffzellen, die bislang vor allem in U-Booten eingesetzt werden. Andere Firmen entdecken das gute alte Segel oder den Flettnerantrieb aus den zwanziger Jahren wieder. Aber auch die Solarenergie, Wellenantriebe, Jetmotoren und Luftkissenfahrzeuge sollen die Schifffahrt revolutionieren.

Nicht alle Ansätze haben das Potential zur Marktreife, andere bieten vielversprechende Möglichkeiten. SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick über die Ideen der Branche.



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