AOK-Portal Datenschützer warnt vor Ärzte-TÜV

Umstrittener Vorstoß: Das geplante Ärzte-Bewertungsportal der AOK hat für heftige Diskussionen gesorgt. Mediziner befürchten, von Unzufriedenen an den Pranger gestellt zu werden - und auch der Datenschutzbeauftrage hat Bedenken.


Berlin - Ärztevertreter warnten vor einem möglichen Missbrauch, der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte eine "Objektivierung" der Patienten-Urteile. Andere Krankenkassen dagegen zeigten sich offen für einen "Ärzte-TÜV". Der Bedarf sei da.

Die AOK hatte angekündigt, Leistung und Service der rund 185.000 niedergelassenen Mediziner und Zahnärzte im Internet von ihren 24 Millionen Versicherten bewerten zu lassen. Das Bewertungsportal "AOK-Arzt-Navigator" solle im kommenden Jahr starten und ziele auf Verbesserungen der Behandlungsqualität ab, berichtete die "Süddeutsche Zeitung".

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung kritisierte die Pläne massiv. Es dürfe nicht sein, dass einzelne Mediziner an den Pranger gestellt würden, sagte ein Sprecher der "Süddeutschen Zeitung". Patienten seien keine Medizinexperten und deshalb nur in der Lage, ein subjektives Urteil abzugeben.

Heftige Kritik

Der Vorstandschef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Jürgen Fedderwitz, sagte dem Blatt, Bewertungsportale seien extrem missbrauchsanfällig. Über gute Medizin könnten Patienten nicht einfach abstimmen wie bei "Deutschland sucht den Superstar".

Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, nannte es der "Berliner Zeitung" gegenüber "unseriös", anonyme Fragebögen als Grundlage für Ranglisten zu nutzen. Ärzte müssten auf Kritik reagieren und Missverständnisse ausräumen können.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Schaar sagte der ARD, die AOK müsse verhindern, dass Patienten "böswillige oder möglicherweise manipulierte" Bewertungen eintragen. Es bestehe die Gefahr von Kampagnen, mit denen Ärzte "hoch oder runter bewertet" werden könnten. Er sehe anonyme Bewertungen sehr kritisch. Bereits zur Beurteilung von Krankenhäusern eingeführte objektive, qualitätssichernde Urteile wären seiner Ansicht nach besser als zusammengefasste ungesicherte Meinungsäußerungen.

AOK-Vorstandsmitglied Jürgen Graalmann sagte der ARD, die Patienten seien "sehr wohl in der Lage", Servicequalität, Praxisorganisation, Wartezeiten und die Einbindung in ärztliche Entscheidungen zu beurteilen. "Das werden wir auf diesem Portal abfragen." Die AOK wolle die Behandlungsqualität verbessern.

Die Barmer Ersatzkasse erklärte, sie stehe dem Bewertungsportal "durchaus offen gegenüber". Das Echo auf den eigenen Krankenhausnavigator zeige, dass der Bedarf durchaus da sei, sagte eine Sprecherin dem "Tagesspiegel am Sonntag". Allerdings müssten Ärzte und Wissenschaftler einen Kriterienkatalog entwerfen. Eine Sprecherin der Techniker Krankenkasse sagte der Zeitung, "die Patientenperspektive in die Qualitätssicherung einzubeziehen, halten wir für sinnvoll".

jdl/AFP/AP



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