Arbeitsamt-Fanartikel Florian Gersters Autogramm-Express

Kunden der Bundesanstalt für Arbeit sind lange Wartezeiten und bürokratische Torturen gewöhnt. Wesentlich flotter arbeitet die Behörde, wenn man statt Überbrückungsgeld oder Jobangeboten eine Autogrammkarte von Anstaltsleiter Florian Gerster will.


Objekt der Begierde: Von Florian Gerster signiertes Foto

Objekt der Begierde: Von Florian Gerster signiertes Foto

München - Jan G. wird langsam ungeduldig. Der Jungunternehmer aus München hat im September beim örtlichen Arbeitsamt Überbrückungsgeld beantragt. Der Gründer eines Internet-Buchshops ist nach eigenen Angaben auf das Geld angewiesen. "Ich habe die Zahlungen auch in meinen Businessplan eingestellt."

G.s Planung ist inzwischen etwas durcheinander geraten. Nachdem er zunächst mehrere Wochen damit zugebracht hatte, die erforderlichen Formulare zusammenzutragen, auszufüllen und abzugeben, wartet Jan G. auf eine Stellungnahme. Beim Arbeitsamt München hat man ihm zwar mitgeteilt, dass sein Vorgang am 10. November in die weitere Bearbeitung gegangen ist. Festnageln kann er die Gerster-Behörde auf diese Aussage aber vermutlich nicht, denn nach G.s Angaben vermeidet es das Arbeitsamt in München in der Kommunikation mit seinen Kunden tunlichst, schriftliche Auskünfte zu erteilen. Alle Informationen seien "informell" über das Telefon erteilt worden.

Zweidimensionaler Gerster

Mehr Erfolg hatte G. bei seinem zweiten Anliegen. In der Pressestelle der Bundesanstalt fragte er am Montag telefonisch an, ob es möglich sei, eine signierte Autogrammkarte von Florian Gerster (SPD) zu bekommen. Bereits kurze Zeit später wurde G. zurückgerufen und gebeten, seine Bitte nochmals schriftlich einzureichen. Das roch schon wieder nach Bürokratie, aber siehe da: Bereits am Donnerstag hatte der Münchner eine handsignierte Gerster-Autogrammkarte samt Begleitschreiben in seinem Briefkasten: "Vielen Dank für Ihre Anfrage. Herr Vorstandsvorsitzender Gerster kommt Ihrer Bitte um ein signiertes Foto gerne nach."

Eine Sprecherin der Bundesanstalt bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass man Karten mit dem Konterfei Gerster vorhalte und diese auf Anfrage versende. Startup-Unternehmer Jan G. lobt die schnelle Bearbeitung des Fan-Wunsches als "Vorgang, der von Seiten der Nürnberger Anstalt mit beispielloser, erstaunlicher Effizienz und personeller Würdigung erledigt" wurde. Wirklich versöhnt hat ihn das Erlebnis angesichts des immer noch ausstehenden Bescheids zu seinem Antrag auf Überbrückungsgeld allerdings nicht: "Ich hänge mir das Bild von Herrn Gerster vorerst nicht über den Schreibtisch."

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