Arbeitskampf Ärzte legen Streikpause ein

Den Patienten an Unikliniken und Landeskrankenhäusern winkt eine Verschnaufpause vom Ärztestreik: In der kommenden Woche werden die Mediziner dort vorübergehend wieder arbeiten, um dringende Operationen zu erledigen.


Berlin - Nach genau neun Wochen Streik wollen die Ärzte an Unikliniken kommende Woche vorübergehend wieder arbeiten, um den Rückstau an Operationen zu verringern. "Ich gehe davon aus, dass in der nächsten Woche Streikruhe an den Universitätskliniken und Landeskrankenhäusern herrscht", sagte der Chef des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, in Berlin. Falls es keine Tarifeinigung gebe, werde der Ausstand aber danach nochmals ausgeweitet. "Das Zeitfenster schließt sich", warnte Montgomery die Arbeitgeber. Man werde jedoch jeden vernünftigen Weg zu Verhandlungen gehen, bekräftigte er.

Ärzte-Demo in Dresden letzte Woche: Marburger Bund wirft Arbeitgebern "unseriöse Verhandlungsführung vor"
DPA

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Der Gewerkschaftsvorsitzende übte erneut heftige Kritik an der Verhandlungsführung der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL). Er sprach von "Schweinereien". Die TdL-Unterhändler hätten schriftlich den "Münchner Kompromiss" vorgeschlagen und das Angebot dann wieder zurückgezogen, um "eine Etage tiefer wieder einzusteigen". "Das ist eine unseriöse Form der Verhandlungsführung, die ich nicht mehr länger mitmache", sagte Montgomery.

Das jüngste Angebot der Arbeitgeber bezeichnete Montgomery als "schlicht unanständig". Verglichen zum Bundesangestellten-Tarifvertrag (BAT) bringe es ein Minus von bis zu 8,6 Prozent etwa für einen 29 Jahre alten, verheirateten Arzt im ersten Berufsjahr. Zuwächse gebe es nur bei älteren Ärzten. Durchschnittlich bringe es nur ein Plus von 1,1 Prozent. Man werde hinter den "Münchner Kompromiss", der neben der Wiederherstellung des Weihnachtsgelds und der Bezahlung der Arbeitszeitverlängerung ein Plus von rund drei Prozent vorgesehen habe, nicht zurückgehen, sagte Montgomery.

Einzelverträge mit einzelnen Bundesländern oder Kliniken lehnte Montgomery ab. "Wir haben Interesse an einem Flächentarif", sagte er. Ein Platzen der TdL wäre ebenfalls nicht im Sinne der Gewerkschaft. Nach seinen Angaben haben "drei Länder eher südlichen Charakters" der Gewerkschaft Einzelverträge angeboten.

Den Vorschlag Montgomerys, den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth (CDU) bei der Auseinandersetzung als Schlichter einzusetzen, hat der TdL-Vorsitzende und niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) unterdessen abgelehnt. Allein die Verhandlungspartner müssten die Verantwortung für den Abschluss tragen, erklärte Möllring. "Wir dürfen uns nicht hinter einem Schlichterspruch verstecken."

Auch in der Ärztegewerkschaft selbst stieß der Vorschlag auf Kritik: "Es ist keine Schlichtung in Sicht", sagte der Geschäftsführer des Marburger Bundes in Baden- Württemberg, Bernhard Resemann, der Nachrichtenagentur dpa. "Ich war äußerst überrascht über den Vorschlag und halte dies auch nicht für den richtigen Weg." Der Frust bei den Ärzten sei groß, sagte Resemann. Die Ärzte wollten keinen Schlichter, sondern dass man zusammen "an den Tisch kommt und redet".

ase/AFP/AP/dpa



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