Arbeitskampf: Lufthansa muss bis zu 70 Flüge streichen

"Die Technik ist die Achillesferse" - Ver.di scheint mit ihrer Prognose Recht zu behalten: Nachdem der Streik bei der Lufthansa zunächst fast wirkungslos war, müssen nun Flugzeuge mangels Wartung am Boden bleiben. Bis zu 70 Flüge fallen aus - und der Ausstand wird ausgeweitet.

Frankfurt am Main - Tag zwei im Lufthansa-Streik: Die Gewerkschaft Ver.di will den Streik bei Deutschlands größter Airline am heutigen Dienstag ausweiten. Neben den Beschäftigten in Frankfurt am Main und Hamburg sind auch Lufthansa-Mitarbeiter auf den beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld sowie in Stuttgart und Nürnberg zur Arbeitsniederlegung aufgerufen.

Boeing 747-400 vor einer Wartungshalle: Streik sorgt für Ausfälle
REUTERS

Boeing 747-400 vor einer Wartungshalle: Streik sorgt für Ausfälle

Nachdem der Streik am gestrigen Montag praktisch ohne Auswirkungen auf den Flugbetrieb geblieben war, gab es am Dienstag schon morgens erste Ausfälle. Betroffen seien innerdeutsche oder europäische Flüge, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Die Flüge sollen auf Strecken ausfallen, bei denen die meisten Passagiere auf frühere oder spätere Maschinen umgebucht werden können. Die Flugausfälle stellen nach Unternehmensangaben etwa drei Prozent der Tagesleistung der Airline dar.

Für Hamburg wurden für den Tag bereits sieben Flüge nach München und nach Frankfurt am Main gestrichen, sagte eine Flughafen-Sprecherin.

Auch in Berlin kam es zu Beeinträchtigungen: Nach Angaben des Flughafeninformationsdienstes wurde der Flug von Frankfurt nach Berlin-Tegel, der um 7.50 Uhr landen sollte, gestrichen. In Tegel fielen drei Flüge aus. Zwei nach Frankfurt am Main und einer Richtung München. Bei den Flügen nach Brüssel, Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart gebe es Verzögerungen. Auch aus Hannover und Bremen wurden gecancelte Flüge gemeldet.

In Düsseldorf wurden sechs Flüge gestrichen. Betroffen waren Flüge nach München und Frankfurt. Die betroffenen Passagiere seien auf andere Maschinen umgebucht worden, teilte Lufthansa mit.

Am Flughafen Frankfurt mussten nach Angaben einer Lufthansa-Sprecherin sechs Maschinen am Boden bleiben, in München waren es drei. Wegen des Streiks von Technikern konnten die Flugzeuge nicht gewartet werden. Insgesamt sind bisher mindestens 18 Flüge ausgefallen. Nach Auskunft eines Lufthansasprechers stehen etwa drei Prozent des gesamten Flugaufkommens infrage.

Währenddessen hat die Lufthansa ihre Gesprächsbereitschaft betont. "Unsere Türen sind offen. Wir sind dialogbereit", sagte Sprecher Klaus Walther am Dienstag. "Wir haben Ver.di mehrfach aufgefordert - schon fast gebetsmühlenartig - an den Verhandlungstisch zurückzukehren", erklärte der Sprecher. "Das Angebot liegt auf dem Tisch und Verhandlungen sind aus unserer Sicht jederzeit und sofort möglich."

Ver.di hatte am Montag nach dem eher harmlosen Streikbeginn betont, dass sie auf die Langzeitwirkung bei der Technik setzt. "Die Achillesferse des Streiks ist die technische Wartung", sagte Heidi Riedel-Ciesla, Expertin für Flugsicherheit bei Ver.di, SPIEGEL ONLINE. "Überspitzt gesagt muss im Flugzeug nur eine Glühbirne flackern - und schon darf die Maschine nicht starten."

In der Tat ist der technische Bereich Ver.dis wahrer Machtpunkt. Schätzungsweise 50 Prozent des Lufthansa-Personals sind in diesem Bereich über die Gewerkschaft organisiert. Externe Hilfe kann sich Lufthansa in diesem Bereich nur schwer dazu mieten - der Konzern ist selbst der größte Dienstleister in diesem Bereich.

"Bei der Wartung ist der Spielraum begrenzt", räumte ein Lufthansa-Sprecher im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE ein. "Kommt es in diesem Bereich zu Engpässen, bleiben die Maschinen stehen, bis sie gewartet und durchgecheckt sind", so der Sprecher. Das könnte am Ende nicht nur die Fluggäste von Lufthansa treffen: In der technischen Wartung übernimmt der Konzern für viele andere Airlines Dienste.

In dem Tarifkonflikt bei der Lufthansa verlangt Ver.di höhere Gehälter für rund 50.000 Lufthansa-Beschäftigen am Boden und in der Kabine. Die Gewerkschaft fordert 9,8 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von einem Jahr. Lufthansa hatte zuletzt gestaffelt 6,7 Prozent mehr Geld bei 21 Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung angeboten. Nachdem es bis zuletzt keine Einigung gab, hatte Ver.di das Kabinen- und Bodenpersonal in der Nacht zum Montag aufgerufen, die Arbeit bundesweit niederzulegen.

Lufthansa versucht mit einem Bündel von Maßnahmen, die Folgen des Streiks abzufedern. Einzelheiten dazu will sie nicht nennen. Nach Einschätzung der Gewerkschaft wird das Unternehmen aber auch dann finanziell belastet, wenn sie Wartungsarbeiten oder das Catering durch Drittfirmen ausführen lässt. Zudem seien die Buchungen vor allem von Geschäftsreisenden zurückgegangen.

Reisende können sich unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 - 8506070 über Verspätungen und ausgefallene Flüge informieren.

phw/dpa/AP/ddp

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