Arbeitskampf und kein Ende Bis zu 5000 Lufthansa-Piloten planen Warnstreik

Der Lufthansa droht der Pilotenaufstand: Kurz nach dem Ende des Arbeitskampfes des Bodenpersonals wollen sich bis zu 5000 Kapitäne einem Warnstreik anschließen - ein Horror für die Airline-Manager. Hintergrund sind gleich mehrere Tarifkonflikte.


Frankfurt am Main - Wann, wie und wo die Piloten ihre Arbeit niederlegen wollen, soll kommende Woche beschlossen werden. Klar ist allerdings schon jetzt: Der Ausstand wird vorerst nur befristet sein - und die Lufthansa trotzdem dramatisch treffen. Schon die rund 1100 Piloten der Konzerntöchter Cityline und Eurowings hatten im Juli mit einem 36-stündigen Warnstreik dafür gesorgt, dass rund tausend Flüge ausfielen. Diesmal wollen sich bis zu 5000 Flugzeugkapitäne an der Aktion beteiligen, sagt Markus Kirschneck, Sprecher der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC).

Lufthansa-Maschinen in München: Gleich mehrere Konflikte zwischen Geschäftsführung und Piloten müssen gelöst werden
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Lufthansa-Maschinen in München: Gleich mehrere Konflikte zwischen Geschäftsführung und Piloten müssen gelöst werden

Hintergrund sind gleich mehrere offene Tariffragen. Die Cityline- und Eurowings-Piloten kämpfen laut Kirschneck für einen Ausgleich für Minusrunden der vergangenen Jahre sowie für einen angemessene Beteiligung am Konzernergebnis. Bislang gebe es aber kein verhandlungsfähiges Angebot. Mindestens 3500 weitere Piloten wollen die Gründung einer übergeordneten Personalvertretung für alle Lufthansa-Piloten durchsetzen. Lufthansa habe dieses Ansinnen seit Jahren abgelehnt, sagt Kirschneck.

Nur ein Durchbruch in den festgefahrenen Verhandlungen könne in dem Konflikt noch Abhilfe schaffen, sagt Kirschneck. Das letzte öffentlich gemachte Angebot der Lufthansa sah für die Piloten von Cityline insgesamt 5,5 Prozent plus eine Einmalzahlung vor. Den Eurowings-Piloten bot der deutsche Branchenprimus zuletzt 6,5 Prozent und eine Einmalzahlung.

Ver.di-Mitglieder rebellieren gegen Tarifkompromiss

Auch von Seiten der Gewerkschaft Ufo, die das Kabinenpersonal vertritt, droht der Lufthansa neuer Ärger. Nach Willen der Geschäftsführung soll Ufo den von Ver.di ausgehandelten Tarif-Kompromiss für das Bodenpersonal auch für die Stewardessen und Stewards im Konzern übernehmen. Die Organisation hat aber bereits angekündigt, auf dieses Angebot nicht einzugehen und für das kommende Jahr für die eigene Klientel 15 Prozent Gehaltssteigerung durchsetzen zu wollen.

Die Lufthansa und die Gewerkschaft Ver.di hatten sich am Freitag auf einen Tarifabschluss geeinigt, nach dem die Bezüge der rund 34.000 Beschäftigten des Bodenpersonals in zwei Stufen um 7,4 Prozent steigen. Die Laufzeit der Vertrags soll 21 Monate betragen.

Dem Kompromiss waren fünf Tage Streik vorangegangen - unter den Folgen leidet die Airline noch immer. Am Montag sollen erneut rund 130 Flüge gestrichen werden, wie Unternehmenssprecher Michael Lamberty sagte. 30 davon seien Langstreckenflüge. Ab Dienstag werden voraussichtlich noch 40 Flüge täglich ausfallen. Ganz normalisieren wird sich der Flugverkehr nach Aussagen des Konzerns erst in zwei Wochen wieder. Grund für die andauernden Verzögerungen sei, dass wegen des Streiks zahlreiche Flugzeuge nicht gewartet oder repariert wurden.

Auch bei Ver.di ist trotz der Einigung in dem Konflikt noch keine Ruhe eingekehrt - im Gegenteil. Immer mehr Mitglieder machen ihrer Wut über den Abschluss Luft, den sie zu niedrig finden. Ein "Netzwerk für eine kämpferische und demokratische Ver.di" fordert das Boden- und Kabinenpersonal sogar auf, in der Urabstimmung zum Tarifabschluss mit Nein zu stimmen. Das Netzwerk teile "voll und ganz die Empörung von Lufthansa-Kollegen, wie der Mechaniker in München, über den Tarifabschluss", hieß es in einer Mitteilung. Die Ver.di-Führung habe den Streik abgebrochen, als er begonnen habe, Wirkung zu zeigen, lautet der Vorwurf.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, hat den Tarifabschluss dagegen als zu hoch und zu unflexibel kritisiert. "Der Branche droht eine tiefgreifende Krise. Die steigenden Energiepreise werden die Luftfahrt weiter belasten", sagte Walter der "Passauer Neuen Presse". "Starre Tarifverträge führen zu Personalabbau."

ase/AP/dpa-AFX

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