Arbeitskampf Ver.di streikt in elf Bundesländern

Ver.di lässt im Tarifpoker des Öffentlichen Dienstes die Muskeln spielen: In elf Bundesländern organisiert die Gewerkschaft heute Warnstreiks - teilweise liegt der Nahverkehr lahm, in mehreren Städten bleibt der Müll liegen.


Hamburg - Der Arbeitskampf im Öffentlichen Dienst wird immer härter. Heute ist an ihrem ersten Besuchertag indirekt auch die Computermesse Cebit von Warnstreiks betroffen. In Hannover seien Busse und Bahnen in den Depots geblieben, sagte eine Sprecherin der Verkehrsbetriebe. Insgesamt soll in elf Bundesländern vorübergehend die Arbeit ruhen.

Stadtbahn in Hannover: Warnstreik am ersten Besuchertag der Cebit
DDP

Stadtbahn in Hannover: Warnstreik am ersten Besuchertag der Cebit

Betroffen ist nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di der öffentliche Nahverkehr in Hamburg und Bremen sowie in mehreren Städten Niedersachsens und Schleswig-Holsteins. Zudem sollen Kindertagesstätten und Ämter in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg geschlossen bleiben. In Baden-Württemberg legten Bus- und Bahnfahrer in Ulm unangekündigt um 4 Uhr die Arbeit nieder.

Während in Hannover die ersten Busse und Bahnen für Messebesucher ab 7 Uhr wieder rollen sollen, ist in Göttingen und Braunschweig ein ganztägiger Warnstreik im Nahverkehr vorgesehen.

Gewerkschaftschef Frank Bsirske will an Kundgebungen in Hannover und Hamburg teilnehmen. In der niedersächsischen Landeshauptstadt erwarten die Organisatoren mehr als 10.000 Teilnehmer. Demonstrationen seien unter anderem auch in Kiel, Lübeck und Flensburg vorgesehen.

Schwerpunkte der Warnstreiks in Sachsen-Anhalt sind laut Ver.di Halle, Wittenberg und Magdeburg. Dort bleibt heute der Müll liegen. Zudem hätten Museen, Bibliotheken, Theater und Sparkassen vorübergehend geschlossen. Auch in Chemnitz, Dresden und Leipzig sollen sich Müllfahrer am Warnstreik beteiligen. In Brandenburg hatte die Gewerkschaft unter anderem zu Warnstreiks in Stadtverwaltungen, Schleusenanlagen und Schifffahrtsämtern aufgerufen. In Mecklenburg- Vorpommern wird in den Stadtverwaltungen von Schwerin, Rostock, Stralsund und Wismar zeitweise nicht gearbeitet.

"Müllfahrer, Krankenschwestern, Bühnentechniker und Erzieherinnen wollen nun endlich ihren Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung", sagte ein Gewerkschaftssprecher in Leipzig.

In den festgefahrenen Tarifverhandlungen für die 1,3 Millionen Angestellten des Öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen beginnt am Donnerstag in Potsdam die vorläufig letzte Gesprächsrunde. Ver.di fordert für die Angestellten des Bundes und der Kommunen acht Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro zusätzlich im Monat. Die Arbeitgeber bieten bislang fünf Prozent - verteilt auf zwei Jahre - bei gleichzeitiger Verlängerung der Wochenarbeitszeit.

hen/dpa

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