Arbeitslosigkeit Clement sieht Trendwende im Westen

Im März noch war von einer Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt rein gar nichts zu spüren - im April aber fiel sie umso deutlicher aus: Die Zahl der registrierten Arbeitslosen ist erstmals in diesem Jahr unter die Marke von fünf Millionen gesunken. Der Wirtschaftsminister gibt sich erleichtert.




Agentur für Arbeit in München: Einsatz der Ein-Euro-Jobs spürbar
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Agentur für Arbeit in München: Einsatz der Ein-Euro-Jobs spürbar

Berlin - Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte die Nachricht schon vorweggenommen. Bei einer Diskussion mit Arbeitnehmer in Potsdam sagte er am Abend: "Wir werden wieder unter fünf Millionen haben." Am Vormittag teilte die Bundesagentur (BA) dann offiziell mit, dass die Arbeitslosenzahl auf 4.967.600 gesunken sei. Prompt meldete sich Clement noch einmal zu Wort: "Der Arbeitsmarkt ist auf dem Weg der Besserung."

Laut BA gibt es 208.000 Job-Suchende weniger als im März - aber immer noch 524.000 mehr als im April des vergangenen Jahres, als die Statistik allerdings noch anders berechnet wurde. Die Arbeitslosenquote sei von 12,5 auf 12,0 Prozent zurückgegangen. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 10,7 Prozent gelegen. Seit Januar werden aber als Folge der Arbeitsmarktreform Hartz IV auch frühere Sozialhilfemempfänger als arbeitslos gezählt.

Langzeitarbeitslose scheiden aus

Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sagte, die Zahl der registrierten Arbeitslosen habe vor allem aus jahreszeitlichen Gründen abgenommen. Wegen des schlechten Wetters in den vergangenen beiden Monaten sei die saisonale Erholung im April dafür umso stärker ausgefallen. Dieser "Nachholeffekt" betrifft laut Weise 50.000 Menschen.

In Westdeutschland waren im April 3,26 Millionen Menschen ohne Beschäftigung. Das waren 134.000 weniger als im März, aber 458.000 mehr als vor zwölf Monaten. In Ostdeutschland lag die Zahl der Arbeitslosen bei 1,705 Millionen - 74.000 weniger als im Vormonat, aber 67.000 mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote verringerte sich im Westen auf 9,9 Prozent, im Osten auf 19,7 Prozent.

"In einigen Regionen Westdeutschlands haben wir den Wendepunkt zum Beschäftigungsaufbau inzwischen erreicht", erklärte Clement. Der Süden oder Südwesten sei ebenso wie Hamburg in einer besonders guten Situation. "Mindestens in Teilen Deutschlands ist der Abbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten zum Abschluss gekommen, und wir sind jetzt in der positiven Phase," erklärte der Minister. Weise hingegen sagte in Nürnberg: "Es ist noch kein erkennbarer Aufschwung."

Clement hatte bereits am Abend ein Versprechen gewagt: "Wir werden ab jetzt nie mehr die fünf Millionen überschreiten", sagte er. "Da können sie Gift drauf nehmen."

Nach der alternativen, saisonbereinigten Berechnungsmethode ging die Arbeitslosenzahl um 79.000 zurück. Damit wurde erstmals seit 15 Monaten statistisch wieder eine saisonbereinigte Abnahme ausgewiesen. Die Zahl ist nach BA-Angaben aber weniger konjunkturell bedingt, sondern durch Sondereinflüsse verzerrt.

Nach der alternativen, saisonbereinigten Berechnungsmethode ist die Arbeitslosenzahl um 79.000 auf 4,889 Millionen gesunken. Im Westen nahm die um Witterungseinflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl demnach um 59.000 ab. Im Osten ging sie um 20.000 zurück.

Auch das Stellenangebot entwickelte sich nach BA-Angaben seit Jahresbeginn günstig. Der Bestand an gemeldeten Stellen sei im April saisonbereinigt deutlich um 21.000 gestiegen. Zum großen Teil beruhe dies zwar auf neuen Angeboten für Ein-Euro-Jobs. Aber auch die ungeförderten Stellenangebote hätten saisonbereinigt um 9000 zugenommen.

Der Ausbildungsstellenmarkt bleibt nach BA-Angaben weiter angespannt. Derzeit seien der BA neun Prozent weniger Ausbildungsstellen gemeldet als im Vorjahr, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. Die rechnerische Lücke sei allerdings kleiner als noch im Frühjahr 2004. Wenn die Partner des Ausbildungspaktes von Bundesregierung und Wirtschaft ihren Verpflichtungen nachkämen, bestehe daher Hoffnung, dass man zum Beginn des Ausbildungsjahres im Herbst zu einem besseren Ergebnis komme als im letzten Jahr, sagte Alt. Ende September 2004 hatten rechnerisch 31.000 Lehrstellen gefehlt.

Ein weiterer Grund für den Rückgang der Zahlen: Nach Informationen des "Tagesspiegels" hatten 20.000 frühere Leistungsempfänger ihren Anspruch auf das Arbeitslosengeld II nicht erneuert und seien daher aus der Statistik gefallen. Nach Ansicht von Volkswirten könnte auch der vermehrte Einsatz von Ein-Euro-Jobs bereits zur Verringerung der Arbeitslosigkeit beigetragen haben. Die Zahl der Erwerbstätigen ist derweil minimal weiter gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Seine Zahlen beziehen sich auf den Monat März. Im Vergleich zum Februar erhöhte sich die demnach bereinigte Erwerbstätigenzahl um 1000 auf 38,887 Millionen.



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