Arbeitsmarkt Bundesagentur vermittelt deutlich mehr Jobs

Erstmals seit Jahren soll es Anzeichen für eine Besserung am Arbeitsmarkt geben. Einem Zeitungsbericht zufolge ist die Zahl der Arbeitsvermittlungen deutlich gestiegen. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit ging zurück.


Berlin/Lübeck - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) wird nach Informationen der "Welt am Sonntag" ihr Ziel von einer Million Arbeitsvermittlungen in diesem Jahr doch noch erreichen. Dies wäre im Vergleich zum vergangenen Jahr eine Verdoppelung: 2004 wurden nur 496.000 Arbeitslose in offene Stellen vermittelt.

Die Wende zum Besseren ist dem Bereicht zufolge auf die umstrittenen Hartz-Gesetze zurückzuführen. So sei insbesondere die Zahl der sogenannten "Job-to-Job-Vermittlungen" gestiegen, bei denen gekündigte, aber noch nicht arbeitslose Arbeitnehmer auf einen neuen Arbeitsplatz vermittelt werden, so dass sie zwischenzeitlich gar nicht oder nur kurzzeitig arbeitslos werden. Die Hartz-Gesetze sehen vor, dass sich Arbeitnehmer im Falle einer Kündigung sofort bei der Arbeitsagentur melden müssen, nicht erst wenn sie arbeitslos sind.

Als Folge der schnelleren Vermittlung sei auch die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit gesunken, berichtet die Zeitung. Gleichzeitig nahmen die ausgaben für Eingliederungszuschüsse und das Arbeitslosengeld I ab. Demnach rechne die BA beim Arbeitslosengeld I mit Einsparungen von bis zu einer Milliarde Euro. Zu dieser Summe trage aber auch die stufenweise Verkürzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I von 32 auf 18 Monate bei.

Die geringeren Ausgaben erleichtern es der Bundesregierung, die geplante Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung von 6,5 auf 4,5 Prozent zu finanzieren, heißt es weiter. Die Reduzierung des Beitragssatzes soll zur Hälfte von der BA erwirtschaftet werden, die andere Hälfte will die Regierung über die Erhöhung der Mehrwertsteuer aufbringen.

Wirtschaftswissenschaftler fordert Systemwechsel

Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Thomas Straubhaar forderte von der Großen Koalition einen Systemwechsel in der Arbeitsmarktpolitik. Der Präsident des Hamburger Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA) sagte den "Lübecker Nachrichten", Hartz IV habe sich als falscher und fast schon zynischer Weg erwiesen. Mit der Reform werde Arbeitslosigkeit bestraft, es würden aber keine neuen Jobs geschaffen.

Stattdessen forderte Straubhaar die Einführung eines hohen, über einen längeren Zeitraum gezahlten Arbeitslosengeldes, gekoppelt mit einem Abbau des Kündigungsschutzes. Das würde dazu führen, dass die Unternehmen viel schneller und öfter neue Mitarbeiter einstellten, sagte Straubhaar der Zeitung. Gleichzeitig sei die soziale Sicherheit der Arbeitnehmer gewährleistet.

Der HWWA-Präsident sprach sich auch dafür aus, die Belastung der Löhne mit Sozialabgaben auf 20 Prozent zu halbieren und dafür die Sozialleistungen viel stärker aus Steuern und Beiträgen zu finanzieren. Unter anderem schlug er vor, Rente und die Versorgung von Langzeitarbeitslosen zusammenzufassen zu einer sozialen Grundsicherung in Höhe von 600 Euro im Monat.



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