Arbeitsmarkt Ver.di hält viele Ein-Euro-Jobber für Schwarzarbeiter

Die Dienstleistergewerkschaft Ver.di attackiert die Arbeitsmarktreform der Bundesregierung. Mehr als die Hälfte der bislang bundesweit geschaffenen 114.000 Ein-Euro-Jobs stufen die Arbeitnehmervertreter als Schwarzarbeit ein.


Ein-Euro-Job: "Zum missbräuchlichen Einsatz verführt"
DPA

Ein-Euro-Job: "Zum missbräuchlichen Einsatz verführt"

Bielefeld - Bei den betroffenen Jobs handele es sich weder um gemeinnützige noch um zusätzliche Arbeiten, wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben, sagte der Ver.di-Vertreter Uwe Wötzel dem Bielefelder "Westfalen-Blatt". Eine Vielzahl der Zusatzjobs verdränge reguläre Beschäftigungen.

Der akute Personalabbau in den Kommunen und die Unterfinanzierung im Vergleich zu den bestehenden und wachsenden Aufgaben verführe Städte und Gemeinden geradezu zum missbräuchlichen Einsatz von Ein-Euro-Jobs, erklärte der Ver.di-Vertreter. Die rechtlichen Voraussetzungen für diese Arbeiten seien schwammig formuliert, somit sei eine Grauzone bewusst in Kauf genommen worden. Notwendige und sinnvolle Eingliederungsmaßnahmen für Arbeitslose mit gezielter Betreuung gebe es dagegen kaum, sagte der Gewerkschafter.

In einem internen Arbeitspapier habe Ver.di zahlreiche Beispiele für graue und illegale Praxis aufgelistet. In Thüringen müssten Ein-Euro-Jobber Rad- und Wanderwege herrichten und in Frankfurt am Main gebe es 40 Ein-Euro-Ortsdiener in Uniform, die Recyclingtonnen leerten sowie Reparaturarbeiten in Parkanlagen erledigten.

In Bonn und Essen würden Ein-Euro-Jobber als Fahrkartenkontrolleure eingesetzt, in Gummersbach ersetze ein kommerzieller Krankentransporteur fest angestellte Fahrer durch vom Krankenhaus ausgeliehene Ein-Euro-Kräfte. In Brandenburg würden solche Jobs selbst bei der Feuerwehr angeboten.



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