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Arcandor-Aktionäre Schickedanz: "Das Erbe ist in Gefahr"

Großaktionärin Schickedanz wehrt sich gegen Vorwürfe, zu wenig für die Rettung des insolventen Arcandor-Konzerns getan zu haben: Leo Herl, Ehemann der Quelle-Dynastin, sagte: "Das Erbe ist in Gefahr, aber es ist nicht verloren."

Berlin/Fürth - Schickedanz - mit 29 Prozent an Arcandor beteiligt - habe seit 2004 immer wieder Kapital nachgeschossen, insgesamt habe sie einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in die Firma gesteckt, sagte Herl der "Bild am Sonntag". Das gesamte Vermögen seiner Frau stecke in dem Arcandor-Aktienpaket. "Das macht man sicher nicht, wenn einem die Zukunft dieser Firma egal ist."

Herl, Schickedanz (Archivbild): "Eine Herzensangelegenheit"
Getty Images

Herl, Schickedanz (Archivbild): "Eine Herzensangelegenheit"

Teilweise habe seine Frau das Geld bei Banken finanziert "und als Sicherheit ihr privates Vermögen, Immobilien und Firmenbeteiligungen eingesetzt. Ich habe auch bei Gesprächen mit der Politik um Staatshilfen versichert, dass wir über keine weiteren Mittel mehr verfügen. Das gesamte Vermögen meiner Frau steckt in dem Aktienpaket", sagte Herl, der auch im Arcandor-Aufsichtsrat sitzt.

Er wehrte sich gegen die Frage, ob die Familie das Schickedanz-Erbe verzockt habe: "Meine Frau macht sich Sorgen, dass sie möglicherweise alles verlieren könnte, was ihre Eltern in harter Arbeit aufgebaut haben. Das Erbe ist in Gefahr, aber es ist nicht verloren."

Die Familie wolle nicht, "dass der Konzern zerschlagen oder verramscht wird", sagte Herl. Schickedanz werde ihr Aktienpaket nicht verkaufen. "Wir bleiben an Bord, die Kurse werden steigen." In dieser Woche werde es bei einer Aufsichtsratssitzung erste Gespräche mit dem Insolvenzverwalter geben.

Herl betonte, die Situation der Firma und ihrer Mitarbeiter gehe seiner Frau sehr nahe: "Sie sitzt nicht in der Schweizer Villa und trinkt teuren Champagner oder isst teure Pralinen, wie man gelegentlich hören kann. Im Gegenteil: Die Krise und die Insolvenz haben sie gesundheitlich sehr angeschlagen."

Am vergangenen Montag, einen Tag vor der Insolvenz, sei sie wegen Herzproblemen in eine Schweizer Klinik eingeliefert worden. Am nächsten Tag habe seine Frau die Klinik auf eigenen Wunsch verlassen, sie sei aber weiter in intensiver ärztlicher Behandlung. "Sobald sie gesundheitlich in der Lage ist, wird sie zu ihren Mitarbeitern sprechen. Das ist ihr eine Herzensangelegenheit."

jul/dpa/AP

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Forum - Arcandor - ist Insolvenz die beste Lösung?
insgesamt 718 Beiträge
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1. Spiegel-Online hat DIE Macht
yupii 09.06.2009
Das sich Spiegel-online damit brüstet, dass sie, durch das Vermelden der Entscheidung des Vorstands, den Antrag auf einen staatlichen Notkredit nicht zu verbessern, den Kurs um 30 % fallen sinken lassen haben finde ich überheblich und beängstigend. Wer sich so mit seiner vermeintlichen macht rühmt und auch noch so leichtfertig damit umgeht, der kann einen ja nur Angst machen. Sich mit Dingen zurühmen , die nichts Gutes sind ist man eigentlich eher von der Bild-Zeitung gewohnt
2. Faire Lösung
bringtheheat, 09.06.2009
Die Insolvenz ist wohl die fairste Lösung für alle. All die Absolventen von Studium und Ausbildung bekommen momentan keine Chance zu zeigen was sie können. Arcandor hatte seine Chance, hat sie aber nicht genutzt. Nun sind andere an der Reihe. Neben den offensichtlichen Fehlern des Big-Business-Middelhoff, die Immobilien zu verkaufen tragen aber auch die Verkäufer in den Häusern eine gehörige Mitschuld. Ich kann zwar nicht beurteilen inwiefern der Verkauf der Immobilien damals alternativlos war, aber ich kann beurteilen, das ein Unternehmen ohne Werte immer am Abgrund steht, da man speziell bei den regelmäßigen Kreditverhandlungen im Handel nichts einbringen kann und keine Sicherheiten vorlegen kann. Man geht dort einkaufen, wo man sich wohl fühlt. Auf den Cent achtet man bei der Größenordnung nicht. Bei dumm und dreist in Gruppen rumstehenden Verkäuferinnen fühlt man sich nunmal nicht wohl. In kleineren Filialen trampeln einem die Verkäuferinnen überspitzt formuliert direkt auf die Füße sobald man den Laden betritt. Die schleppende Sanierung der Häuser tut ein übriges. In meiner Stadt (330tsd Einw.) fühlt man sich bei Karstadt eher wie auf nem türkischem Basar. Interessanterweise hat Arcandor durch den Verkauf der Immobilien Vertrauen bei den Kreditgebern verloren. Der Götze einer möglichst hohen Eigenkapitalrentabilität die ja gerade durch wenig Eigenkapital erreicht wird, also möglichst wenig Risiko einzugehen ist in diesem Fall wohl auch gescheitert. Die Entscheider vergessen heutzutage oftmals, das es Käufer und Verkäufer, Schuldner und Gläubiger usw. gibt. Das ganze nennt sich wohl modernes Unternehmertum...lol Ich möchte hier mal die These aufstellen, das die Insolvenz lange Zeit absehbar war und man daher alle Vermögenswerte schon vor längerer Zeit von Arcandor abgetrennt hat. Wer steigt mit ein?...:-D
3.
idealist100 09.06.2009
Zitat von sysopArcandor gibt auf: Der Handelskonzern hat Antrag auf Insolvenz gestellt. Betroffen sind die Tochterfirmen Karstadt, Quelle, Primondo, aber nicht Thomas Cook. Ist diese Insolvenz-Lösung die beste für den Konzern und seine Angestellten?
Wenn 50 % der Jobs erhalten werden zu marktüblichen Gehältern, kein Lohndumping wie bei Karstadt/Quelle, dann war es ein Erfolg. Vielleicht werden es ja auch mehr. Ich hoffe nur das kein müder Eurone für die Eigner Schicki-miki, Openeimer, Esch, middelh, Eick etc. übrigbleibt.
4. Klar
elwu, 09.06.2009
ist eine Insolvenz die beste Lösung, wäre es auch bei Opel gewesen... Zum Artikel: "Die Finanzkrise hat erstmals einen deutschen Großkonzern in die Insolvenz getrieben." Ah ja? Arcandor war schon seit Jahren siech! Auch ohne die Finanzkrise. Wenn doch wenigstens die Journalisgten aufhören würden, die Finanzkrise für jede Pleite als Begründung zu nennen. Statt richtigerweise das Versagen und/oder die Gier von Managern und Politikern.
5.
D0nJuAn 09.06.2009
Ein dank an die Regierung das sie es nicht zum kompletten Dammbruch hat kommen lassen.
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