Asienbeben Spezialisten kämpfen sich durch Tiefsee-Kabelsalat

Das Problem liegt mehrere tausend Meter tief: zerfetzte Tiefseekabel, die nach dem Dezember-Erdbeben in Ostasien von Spezialkräften repariert werden müssen. Telefon- und Internetverbindungen sind immer noch gestört.

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Hamburg - Vor der Küste Chinas angeln derzeit Spezialschiffe mit langen Stahlseilen nach Datenkabeln, die in mehreren tausend Metern Tiefe auf dem Meeresboden liegen. Bei einem Erdbeben am 26. Dezember wurden mehrere wichtige Tiefseekabel beschädigt. Seitdem werden die defekte Leitungen, die für Internet- und Telefonverbindungen dringend benötigt werden, an Bord der Schiffe gehoben und ersetzt. Noch ist die Netzverbindung nach Asien extrem langsam.

Die asiatischen Länder mit ihren rasant wachsenden Wirtschaften haben einen enormen Bedarf an schnellen Datenleitungen. Die Region ist untereinander dicht vernetzt, überall auf dem Grund des Meeres liegen Glasfaserkabel. Die meisten führen durch die rund 300 Kilometer breite Seestraße von Luzon zwischen Taiwan im Norden und den Philippinen im Süden. An diesem Flaschenhals ereignete sich am zweiten Weihnachtsfeiertag in 22 Kilometer Tiefe ein Erdbeben der Stärke 7,1 auf der Richterskala. Japan gab umgehend eine Tsunami-Warnung heraus, in Taiwan stürzten Häuser ein, zwei Menschen starben, 42 wurden verletzt.

Die große Katastrophe an Land blieb aus, doch am Meeresboden wurden acht Datenkabel durch das Erdbeben regelrecht zerfetzt. Regionale Netzwerke, aber auch die wichtigen und weniger zahlreichen Verbindungen nach Europa und in die USA wurden gestört. China und Südostasien waren nur noch schwer erreichbar - für die auf aktuelle Informationen angewiesene Wirtschaft ein Krisenfall. In Asien fielen Börsenticker aus, mehr als 120 Millionen Internetnutzer waren betroffen.

Reparaturarbeiten bei Windstärke acht

"SEA-ME-WE 3" heißt eine dieser überregionalen Verbindungen. Sie reicht über 39.000 Kilometer von Deutschland über Ägypten und Indien bis nach Asien und verbindet 33 Länder. Zwischen Taiwan und den Philippinen fiel ein Abschnitt des Kabels aus. Für solche Fälle haben die Betreiber der Tiefseekabel, meist Konsortien großer Telefonkonzerne, Notfallpläne: Die Kommunikation wird über andere Verbindungen umgeleitet.

Nur gibt es nicht genügend. In Asien traf das Erdbeben viele wichtige Tiefseekabel auf einmal. Die noch funktionierenden Verbindungen müssen nun ein Vielfaches der Datenmenge bewältigen: Die taiwanische Chunghwa Telecom zum Beispiel schickt Telefonanrufe vorerst über Satellit und Daten über angemietete Leitungen anderer Betreiber.

Ein Sprecher der Deutschen Telekom sagte, dass durch die eingerichteten Ersatzleitungen für ihre Kunden Verbindungen nach Asien momentan kein Problem seien. Dennoch sehe man in den Netzzentralen mit Sorge, dass nicht die volle Bandbreite zur Verfügung stehe. Das beträfe aber nur Firmenkunden mit hohen Datendurchsätzen.

Bis die vollen Kapazitäten in Asien wieder hergestellt sind, wird es nach Angaben von Experten wohl noch zwei bis drei Wochen dauern. Zwar lassen sich die Bruchstellen der Tiefseekabel ziemlich genau bestimmen, aber bis ein Schiff mit den nötigen Ersatzteilen vor Ort ist, das Kabel aus der Tiefe geholt und geflickt hat, können Wochen vergehen. Allein das Zusammenschweißen eines Kabels erfordert zwölf Stunden konzentrierte Arbeit. Und in der Straße von Luzon liegen nicht nur viele Kabel verwirrend dicht beieinander, zusätzlich macht schlechtes Wetter mit Windstärken von 30 bis 40 Knoten die anspruchsvolle Aufgabe noch schwieriger.



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