Assange-Geständnis WikiLeaks-Angriff auf US-Großbank droht zu floppen

Sind die bisher unveröffentlichten WikiLeaks-Dokumente über die US-Großbank Bank of America wertlos? Enthüllungsplattform-Chef Julian Assange selbst zweifelt an ihrer Brisanz. Er sei unfähig, darin einen größeren Sinn zu erkennen.

Bank-of-America-Filiale: Den Tag der Veröffentlichung gefürchtet
AFP

Bank-of-America-Filiale: Den Tag der Veröffentlichung gefürchtet


London - Vor wenigen Wochen drohte WikiLeaks-Chef Julian Assange US-Großbanken - die nächste Enthüllung solle mindestens eine von ihnen böse treffen. Vor allem die Bank of America (BofA) Chart zeigen fürchtet seitdem den Tag der Veröffentlichungen. Doch jetzt wird bekannt: Die Enthüllung könnte sich als harmloser Flop erweisen. Assange habe im privaten Kreis geäußert, dass er nicht genau wisse, ob die internen Informationen über die BofA einen großen Skandal enthielten, sagten drei Insider am Mittwoch.

Assange habe gesagt, ihm lägen E-Mails vom Festplattenlaufwerk des Computers eines leitenden Angestellten der US-Großbank vor, wobei die jüngsten Mitteilungen von 2006 datierten. Der WikiLeaks-Gründer habe eingeräumt, dass das ihm vorliegende Datenmaterial nicht selbsterklärend sei, verlautete weiter aus den Kreisen. Er selbst sei unfähig, darin einen größeren Sinn zu erkennen. Finanzexperten müssten viel Zeit investieren, um bestimmen zu können, ob die Dokumente überhaupt berichtenswert seien.

Ende November hatte Assange in einem Interview gesagt, WikiLeaks wolle Anfang dieses Jahres Tausende von internen Dokumenten einer großen US-Bank bekanntmachen, die zu Ermittlungen gegen das Institut führen dürften. Weil Investoren auf die Bank of America tippten, war deren Aktienkurs unter Druck geraten.

Schmiedet die US-Bank Abwehrpläne?

Der Kontrast zwischen der Schadenfreude, die Assange öffentlich an den Tag legte, als er über die bevorstehende Bank-Enthüllung sprach - und der Vorsicht, mit der er sich nun intern äußert, ist bezeichnend. Er dürfte vor allem seinen Gegnern Munition geben, die dem WikiLeaks-Gründer vorwerfen, die Gewichtigkeit der eigenen Enthüllungen maßlos zu übertreiben und zum Teil in Verschwörungstheorien abzudriften - nur um seiner Plattform und sich selbst das größtmögliche Maß an Aufmerksamkeit zu sichern.

Ganz unbeeindruckt sind die Gegner der Plattform von Assange aber offenbar nicht - zumindest schmiedet die BofA angeblich schon Pläne, wie sie sich gegen WikiLeaks zur Wehr setzen kann. So hat die Enthüllungsplattform am Mittwoch ein Dokument mit dem Titel "The WikiLeaks Threat" veröffentlicht, in dem Strategien aufgezeigt werden, mit denen man die Plattform attackieren kann. Unter anderem wird vorgeschlagen:

  • Informationen über WikiLeaks-Mitarbeiter im Internet zu sammeln, verhaltensauffällige Mitglieder zu identifizieren - und diese als mögliche Informanten zu nutzen. Die Mitglieder werden in dem Dokument in Organigrammen gezeigt;
  • die Glaubwürdigkeit der Plattform zu unterminieren, indem man gefälschte Dokumente an sie leakt - und deren Falschheit bei einer möglichen Veröffentlichung entlarvt;
  • die Infrastruktur von WikiLeaks zu hacken und Informationen über die Informanten der Plattform zu sammeln. Diese wäre der Tod des Projekts, heißt es in dem Schlachtplan;
  • medialen Druck zu verstärken, indem man die Plattform wann immer möglich als das Projekt fanatischer Aktivisten darstellt.

Die Echtheit des Dokuments konnte zunächst nicht überprüft werden. Allerdings hat WikiLeaks schon mehrfach die Schlachtpläne seiner Gegner veröffentlicht - ein Vorgehen, das WikiLeaks Feinde einschüchtern und die Wichtigkeit der Plattform unterstreichen soll.

Wer das Papier in Auftrag gegeben hat - darüber gibt es nur Gerüchte: Als Verfasser von "The WikiLeaks Threat" sind drei IT-Sicherheitsfirmen angegeben: Plantir Technologies, HBGary Federal and Berico Technologies. Deren Auftraggeber ist laut WikiLeaks das Anwältenetzwerk Hunton and Williams, das auf seiner Web-Seite die Bank of America als Kunden angibt. Nach Angaben des Branchendienstes "The Tech Herald" hatte Hunton and Williams am 3. Dezember ein wichtiges Treffen mit der Bank of America. Um sich darauf vorzubereiten habe Hunton and Williams eine E-Mail an Palantir und die anderen beiden Sicherheitsfirmen geschrieben - und darum gebeten, eine Powerpoint-Präsentation mit Hintergründen zu WikiLeaks zu erstellen.

Die europäische Pressevertretung der Bank will sich zu dem Vorgang nicht äußern, da es sich um ein US-Thema handelt. Eine Anfrage bei der amerikanischen Pressestelle blieb aufgrund der Zeitverschiebung bislang unbeantwortet.

yes/ssu/Reuters

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