Wirtschaft


Atom-Comeback: Franzosen bauen Kernkraftwerke in Italien

Die italienische Regierung setzt beim Wiedereinstieg in die Kernkraft auf die Hilfe Frankreichs. Staatspräsident Sarkozy und Regierungschef Berlusconi haben ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet. Demnach sollen mindestens vier Reaktoren neu gebaut werden.

Rom - Italien und Frankreich rücken energiepolitisch zusammen. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi haben ein Rahmenabkommen zur Nutzung der Atomkraft unterzeichnet. Dabei geht es vor allem um den Wiedereinstieg Italiens in die Nutzung der Kernenergie.

Sarkozy (links), Berlusconi: "Wir wollen, dass Atomkraft zu einer europäischen Frage wird"
DPA

Sarkozy (links), Berlusconi: "Wir wollen, dass Atomkraft zu einer europäischen Frage wird"

Die beiden staatlichen Energiekonzerne Electricité de France (EdF) und Enel verpflichten sich, in einer gemeinsamen Allianz mindestens vier Reaktoren vom Typ des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) für Italien zu entwickeln, zu bauen und in Betrieb zu stellen. Die erste Anlage soll bis 2020 ans Netz gehen. Damit kehrt Italien, wie im Mai vergangenen Jahres beschlossen, nach mehreren Jahrzehnten zur Atomkraftnutzung zurück.

"Wir sind bereit, Rom eine massive Hilfe für die Rückkehr zur Kernenergie zu leisten", sagte Sarkozy und versprach Berlusconi eine unbegrenzte Zusammenarbeit. "Wir wollen, dass Atomkraft zu einer europäischen Frage wird, sie ist der Schlüssel für Entwicklung."

Das nach bilateralen Regierungskonsultationen unterzeichnete Abkommen deckt dem italienischen Industrieminister Claudio Scajola zufolge "alle Aspekte der atomaren Energiepolitik ab". EdF und Enel arbeiten bereits beim Bau eines EPR in Frankreich zusammen.

Die konservative italienische Regierung Berlusconi hatte schon kurz nach ihrem Amtsantritt im Mai 2008 erklärt, mehr als 20 Jahre nach dem Verbot von Kernkraftwerken in Italien wieder Reaktoren bauen zu wollen. Italien hängt bei der Energieversorgung erheblich von Energieimporten ab - vor allem aus Russland und Algerien.

Durch die bilaterale Vereinbarung stärkt Rom die Zusammenarbeit mit dem europäischen Atomstrom-Riesen Frankreich. "Es geht auch um Fragen der Reaktorsicherheit, der technischen Kooperation, der Stilllegung alter Anlagen und der Industrie-Kooperation mit Drittländern", teilte das italienische Industrieministerium mit.

Im Gegenzug steht der italienische Energiekonzern Enel bereit, sich mit 12,5 Prozent an dem im französischen Penly geplanten zweiten Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) zu beteiligen. In gleicher Höhe ist Enel bereits bei dem im Bau befindlichen ersten EPR in Flamanville engagiert.

Ein Jahr nach dem Tschernobyl-Reaktorunglück in der Sowjetunion hatten die Italiener 1987 in einem Referendum gegen Atomanlagen in ihrem Land gestimmt. Über dieses Votum setzte sich Berlusconi dann 2008 mit dem Argument hinweg, Italien brauche zur Energiesicherung Reaktoren.

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wal/dpa-AFX

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  • Dienstag, 24.02.2009 – 16:49 Uhr
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