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15. März 2011, 08:13 Uhr

Atom-Unfälle

Japans Aktienkurse stürzen ins Bodenlose

Das Leck im AKW Fukushima und die wachsende Strahlengefahr haben auch auf die Tokioter Börse einen verheerenden Effekt: Der wichtige Nikkei-Index fiel um mehr als zehn Prozent. Es war der größte Kurssturz seit dem Höhepunkt der Finanzkrise.

Tokio - Alle Kurse in tiefrot: Die Börsen in Japan haben am Dienstag mit massiven Verlusten geschlossen. Der Leitindex Nikkei sackte um mehr als zehn Prozent ab - und verbuchte damit das größte Minus seit Oktober 2008. Der Index schloss 10,5 Prozent schwächer bei 8605 Punkten. Zwischenzeitlich war das Barometer sogar um 15 Prozent abgestürzt. Der breiter gefasste Topix gab um 9,5 Prozent auf 766 Punkte nach.

"Das sind Panikverkäufe, und nicht nur bei den ausländischen Investoren", sagte ein Händler. "Alle wollen ihre Aktien loswerden."

Die größten Verluste zeichneten sich ab, als Ministerpräsident Naoto Kan die Einwohner um das Unglückskraftwerk Fukushima aufrief, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Nach zwei weiteren Explosionen warnten japanische Behörden vor einer gefährlichen Strahlenbelastung rund um den Atomkomplex.

Der massive Kurssturz dürfte die enormen wirtschaftlichen Folgen des Erdbebens weiter verschärfen. Allein der Börsenwert der größten an der japanischen Börse notierten Konzerne ist in den ersten beiden Handelstagen dieser Woche um rund 700 Milliarden Dollar gefallen.

Im Gegensatz zum Wochenauftakt, als unter anderem die Bauwerte noch ein Kursplus verbuchen konnten, ging es nun branchenübergreifend nach unten. Kein einziger der 225 Nikkei-Werte verbuchte Gewinne.

Aus der Baubranche büßten etwa die Anteilsscheine von Sekisui House mehr als 15 Prozent ein. Die Papiere des Autobauers Toyota , der seine Produktion in allen japanischen Werken bis mindestens Mittwoch eingestellt hat, fielen um mehr als sieben Prozent. Honda-Papiere verbilligten sich um knapp vier Prozent, Shin-Etsu Chemical rutschten um mehr als elf Prozent ab, und Sony verloren knapp neun Prozent. Die Aktien von Tokyo Electric Power , dem Betreiber des Atomkraftwerks Fukushima Eins, wurden nicht gehandelt.

Um die Finanzmärkte zu beruhigen, pumpte die japanische Notenbank erneut frisches Geld in den Markt. Die Nachrichtenagentur Kyodo nannte eine Zahl von acht Billionen Yen (rund 70 Milliarden Euro). Am Vortag hatte die Summe bei 15 Billionen Yen gelegen.

Ölpreis unter 99 Dollar

Während die Aktienkurse massiv einbüßten, schossen die Kurse von als sicher geltenden Staatsanleihen in die Höhe. Der Yen stieg zwischenzeitlich zum Dollar fast auf den höchsten Stand seit 1995, bevor er wieder nachgab.

Auch andere Börsen in Asien verbuchten wegen der Eskalation der Krise kräftige Kursverluste, diese blieben jedoch deutlich hinter dem Ausmaß in Tokio zurück. An den wichtigsten Handelsplätzen der Region - etwa in Taiwan, Korea und Shanghai - fielen die Kurse im Schnitt um rund zwei bis drei Prozent.

Angesichts der katastrophalen Lage in Japan sackte der Ölpreis in Asien am Dienstag unter 99 Dollar pro Fass (159 Liter). Der Preis für zur Lieferung im April anstehendem Rohöl betrug am frühen Vormittag in Singapur 98,73 Dollar. Das waren 2,46 Dollar weniger als am Vortag. Bereits am Montag war der Preis unter die 100-Dollar-Marke gefallen.

yes/cai/AP/dpa

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