Attacke gegen Google Microsoft will Yahoo schlucken - für 44,6 Milliarden Dollar

Frontalangriff auf Google: Microsoft will für 44,6 Milliarden Dollar die zweitgrößte Internet-Suchmaschine Yahoo übernehmen. Der Softwaregigant will damit zum Marktführer beim Geschäft mit Online-Werbung werden. Der Yahoo-Aktienkurs schoss nach der Ankündigung in die Höhe.


Redmond - Microsoft-Chef Steve Ballmer macht aus seinem obersten Ziel keinen Hehl: Er will Microsoft im boomenden Online-Werbemarkt endlich auf Platz eins. Das Angebot für Yahoo ist ein Frontalangriff auf den marktbeherrschenden Konkurrenten Google. "Wir haben großen Respekt vor Yahoo", sagt Ballmer. "Zusammen können wir spannende Lösungen für Endkunden, Verlage und Werbetreibende kreieren." Microsoft bietet 31 Dollar pro Yahoo-Aktie, was einen Aufschlag von 62 Prozent auf den Schlusskurs vom Donnerstag bedeutet, wie Microsoft Chart zeigen mitteilte. Sollte der Deal klappen, wäre das ein gigantischer Schlag des Software-Giganten im Wettrennen um den umkämpften Markt.

Yahoo-Mitgründer Yang, Microsoft-Chef Ballmer: Wollen gemeinsam Googles Vorherrschaft auf dem Online-Werbemarkt bekämpfen
REUTERS / Getty Images

Yahoo-Mitgründer Yang, Microsoft-Chef Ballmer: Wollen gemeinsam Googles Vorherrschaft auf dem Online-Werbemarkt bekämpfen

Die erste Reaktion von Yahoo ist vorsichtig: Das Board werde das Angebot prüfen, heißt es. Bisher konnten weder Microsoft noch Yahoo Chart zeigen bei der Internet-Werbung und im Suchmaschinengeschäft zum Branchenführer Google Chart zeigen aufschließen. Yahoo ist deshalb tief in die Krise gerutscht. Erst am Dienstag hatte die Internet-Firma einen erneuten Gewinneinbruch vermeldet und den Abbau von rund 1000 Stellen angekündigt, das sind rund sieben Prozent der Beschäftigten. Das Unternehmen - das in den Neunzigern noch die Nummer eins im Internet war - gilt deshalb seit längerem als Übernahmekandidat.

Microsoft hatte vor einigen Tagen dagegen einen Gewinn von 4,7 Milliarden Dollar für das vierte Quartal vorgelegt, ein deutlich besseres Ergebnis als erwartet. Doch allein der für Yahoo gebotene Kaufbetrag von 44,6 Milliarden Dollar demonstriert, wie kritisch die Lage auch in der Microsoft-Konzernzentrale in Redmond bei Seattle eingeschätzt wird. "Die Wettbewerbssituation hat sich nicht verbessert", schrieb in einem Brief an den Verwaltungsrat von Yahoo.

Vielleicht waren es die Ende Dezember veröffentlichten Zahlen des Online-Marktforschers Nielsen, die den Microsoft-Vorstand zur Flucht nach vorn veranlassten. Demnach hatte Microsoft trotz aller Bemühungen zur Stärkung seiner Web-Plattformen MSN und Windows Live bei der Internet-Suche in den USA nur einen Marktanteil von zwölf Prozent - binnen Monatsfrist war das ein Rückgang um 1,8 Prozentpunkte. Spitzenreiter ist natürlich Google, das seinen Marktanteil von 55,5 auf 57,7 Prozent ausbauen konnte - in Europa liegt dieser Wert noch deutlich höher. Das auf Yahoo entfallende Anteil wurde ebenfalls kleiner und fiel mit 18,8 Prozent kaum größer aus als der von Microsoft. Wenn sich beide jetzt zusammentun, würde eine neue Ausgangsposition für den Wettbewerb mit Google entstehen.

Der Kauf von Yahoo soll im zweiten Halbjahr abgeschlossen werden. Die Kosteneinsparungen sollen bei mindestens einer Milliarde Dollar liegen, teilte Microsoft mit. Die EU-Kommission nahm zu der Ankündigung zunächst nicht Stellung. Der Kurs der Yahoo-Aktien legte nach der Ankündigung drastisch um mehr als die Hälfte zu - in den vergangenen Monaten hatten sie noch mehr als ein Viertel ihres Werts verloren.

Der Wert der Microsoft-Aktie dagegen sank um zwischenzeitlich vier Prozent auf 31,29 Dollar. Auch der Kurs der Google-Aktie gab um 8,52 Prozent auf 516,22 Dollar nach. Neben der geplanten Yahoo-Übernahme drückten auch die heute bekanntgegebenen Quartalszahlen auf den Kurs: Google hat zwar seinen Gewinn gesteigert, aber weniger stark als erhofft. Google expandiert über Suchmaschine und Werbegeschäft hinaus massiv in neue Bereiche, um seine Einnahmen auf eine breitere Basis zu stellen. Unter anderem gehört das Online-Videoangebot YouTube zum Konzern. Google ist zudem ins Mobilfunkgeschäft eingestiegen.

ase/AP/dpa/Reuters



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