Schwulen-Bemerkung über Keynes Beleidigung einer Ikone 

Ein taktloser Spruch über einen längst Verstorbenen bringt Harvard-Professor Niall Ferguson in Bedrängnis: Der Historiker hatte behauptet, der Ökonom John Maynard Keynes habe sich nicht um die Zukunft gekümmert - weil er schwul gewesen sei und keine Kinder gehabt habe.

Harvard-Professor Fergueson: "So dumm wie taktlos"
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Harvard-Professor Fergueson: "So dumm wie taktlos"


New York - Niall Ferguson muss sich entschuldigen. Seine Äußerungen zu John Maynard Keynes seien "so dumm wie taktlos" gewesen, schrieb der renommierte Harvard-Professor in einem Blog auf seiner Website. Auslöser waren mehrere Berichte im Internet.

Am Donnerstag hatte sich Ferguson bei einer Investorenkonferenz im kalifornischen Carlsbad abschätzig über den wohl berühmtesten Ökonomen des 20. Jahrhunderts geäußert. Keynes habe die Zukunft nicht interessiert, weil er schwul gewesen sei und keine Kinder gehabt habe.

Als erstes Medium hatte das Fachmagazin "Financial Advisor" über die Aussagen berichtet. Demnach habe Ferguson Keynes als ein verweichlichtes Mitglied der Gesellschaft beschrieben, das eher mit seiner Frau über Gedichte diskutierte, als sich fortzupflanzen. Allerdings zitierte das Magazin die Aussagen nicht wörtlich.

Ferguson schreibt in seinem Blog, seine Äußerungen seien spontan gewesen. Sie hätten sich auf Keynes' bekanntestes Zitat bezogen: "In the long run we are all dead." Zu Deutsch: "Auf lange Sicht sind wir alle tot." Damit hatte sich der britische Wirtschaftswissenschaftler Anfang der zwanziger Jahre gegen die Langfristbetrachtung vieler seiner Kollegen gewandt. Keynes wollte Lösungen bieten, die sofort helfen. "Die Volkswirtschaft macht es sich zu leicht und macht ihre Aufgabe zu wertlos, wenn sie in stürmischen Zeiten uns nur sagen kann, dass, nachdem der Sturm lang vorüber ist, der Ozean wieder ruhig sein wird."

Der gebürtige Schotte Ferguson gilt als Kritiker der heute immer noch einflussreichen keynesianischen Wirtschaftslehre. Die Meinungsverschiedenheiten, die er mit Keynes habe, hätten aber nie etwas mit der sexuellen Orientierung des Ökonomen zu tun gehabt, schreibt Fergueson.

Seine Äußerungen vom Donnerstag seien deshalb "doppelt dumm" gewesen. "Erstens ist es offensichtlicht, dass auch Leute, die keine Kinder haben, sich um künftige Generationen kümmern", schreibt er auf seiner Website. "Zweitens hatte ich vergessen, dass Keynes' Frau Lydia eine Fehlgeburt hatte."

stk/Reuters

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insgesamt 111 Beiträge
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Seite 1
tom.bola 05.05.2013
1. Typisch
Diese Äußerung und dieses Denken ist sehr typisch für alle diese Leute...
Sequester 05.05.2013
2. Keynes ab in die Versenkung
Vielleicht waren die Aussagen etwas deplatziert, aber in der Sache ist Kritik berechtigt. Politik nach dem Rezept von Keynes ist hoch problematisch und es ist erstaunlich, dass diese alten Rezepte wieder aus der Mottenkiste geholt werden. Hollande scheitert gerade wieder grandios damit.
santaponsa 05.05.2013
3. Keynes hatte ja so recht, ...
... dass man eine Wirtschaft mit Schuldenmachen "ankurbeln" kann und sollte, NUR muss man in "guten Zeiten" die Schulden wieder ausgleichen. Genau dies vergessen unsere auf 4 Jahre gewählten "Volks-Vertreter" seit Jahrzehnten!
dimatteo 05.05.2013
4. Schlimm
Dass man einen so feindseligen und aggresiven Menschen auf Studenten loslässt, ist befremdlich.
UnitedEurope 05.05.2013
5. Titellos
Zitat von SequesterVielleicht waren die Aussagen etwas deplatziert, aber in der Sache ist Kritik berechtigt. Politik nach dem Rezept von Keynes ist hoch problematisch und es ist erstaunlich, dass diese alten Rezepte wieder aus der Mottenkiste geholt werden. Hollande scheitert gerade wieder grandios damit.
Und damit sind Sie in die selbe Falle getappt wie viele vor Ihnen. Keynes wird heute mit der allgemeinen These in Verbindung gebracht, man solle billiges Geld in den Markt pumpen. Das ist jedoch zu kurz gesprungen: Keynes sah das als eine grundsätzliche Möglichkeit, doch nur in Zeiten schwerer Krisen. Sobald sich die Wirtschaft erholt müsse man das Geld wieder verknappen. Er wurde jedoch zeitlebens auf die These "Billiges Geld + Schulden=Gut für die Wirtschaft" reduziert, was jedoch seinen komplizierten und weiter gefassten Thesen nicht gerecht wird.
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