Aufholjagd Top-Manager schwärmen wieder für Standort D

Nur China liegt noch weiter vorn: Der lange gescholtene Standort Deutschland bekommt in einer Umfrage unter Managern wieder Bestnoten für seine Wettbewerbsfähigkeit - Reformen und bescheidene Lohnabschlüsse zahlen sich aus.


Düsseldorf - Europameister Deutschland: Unter zehn weltweit berücksichtigten Wirtschaftsräumen landete Deutschland im Urteil der Führungskräfte im europäischen Vergleich auf Platz eins. Auf dem zweiten Rang folge die Schweiz, den dritten Platz teilten sich Österreich und Großbritannien - das ergab eine Umfrage von Droege & Comp. für das "Handelsblatt".

Baustelle in Eschborn: Standort Deutschland genießt hohes Ansehen
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Baustelle in Eschborn: Standort Deutschland genießt hohes Ansehen

Weit mehr als die Hälfte aller rund 1200 befragten Top-Manager (59 Prozent) aus sechs europäischen Ländern hält die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands für "sehr gut" oder "gut" und gibt der Bundesrepublik auf einer Skala von eins bis fünf eine Durchschnittsbewertung von 2,3.

Vor fünf Jahren hätten lediglich dreizehn Prozent der Befragten ein ähnlich positives Urteil abgegeben, schreibt die Zeitung. Im Durchschnitt habe sich das Ansehen des Standorts Deutschland in den Augen der Manager seither um insgesamt mehr als einen Notenpunkt gesteigert.

"Die deutsche Wirtschaft ist in den letzten Jahren in der Tat stets wettbewerbsfähiger geworden - vor allem dank der Unternehmen, aber auch dank der Tarifvertragsparteien und der Politik", sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Bert Rürup. Die Unternehmen hätten durchweg ihre Organisationsstrukturen neu aufgestellt und gemeinsam mit den Gewerkschaften moderate und flexible Tarifabschlüsse vereinbart. Schon die rot-grüne Regierung habe den Arbeitsmarkt flexibler gemacht, und die Große Koalition erhöhe jetzt die steuerliche Standortattraktivität.

Konjunktur kühlt sich ab

Im weltweiten Vergleich verteilten die befragten Manager den Angaben zufolge die besten Noten in punkto Wettbewerbsfähigkeit an China. Auf dem zweiten Platz folgten hier Deutschland und die Schweiz.

Aller Wettbewerbsfähigkeit zum Trotz wird auch Deutschland wahrscheinlich von einer Abkühlung der Konjunktur nicht verschont bleiben. Bisher war die Bundesregierung von einem Wachstum von mindestens zwei Prozent ausgegangen, doch nach skeptischen Analysen einiger Konjunkturexperten korrigierte auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos die Prognosen der Bundesregierung nach unten. "Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen mehrfach nach unten gesenkt. Das kann auch die Bundesregierung nicht übersehen", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Für eine genaue Prognose ist es aber noch zu früh. In der Tendenz rechne ich aber mit einem Wirtschaftswachstum von knapp unter zwei Prozent im Jahr 2008."

Als Hauptursache nannte er die Immobilienkrise in den USA: "Die Finanzkrise in den USA ist noch nicht überstanden. Es gibt - bildlich gesprochen - noch viele unentdeckte Leichen in den Kellern der internationalen Banken." Eine große Gefahr sei, dass sich die Kredite für mittelständische Unternehmen verteuerten.

Mit dem Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) und dem Münchner Ifo-Institut hatten im Dezember gleich zwei renommierte Wirtschaftsinstitute eine Abschwächung der Konjunktur für 2008 vorausgesagt. Das IfW korrigierte seine Wachstumserwartung für das nächste Jahr von 2,4 Prozent auf 1,9 Prozent. Noch skeptischer ist das Ifo-Institut, es geht statt 2,5 Prozent sogar nur noch von 1,8 Prozent Wachstum aus.

mik/ddp/dpa-AFX/AFP



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