Aufschwungsignale Volkswirte verbreiten Konjunkturoptimismus

Mittelständler blicken optimistisch in die Zukunft, Ökonomen sagen für das zweite Halbjahr bessere Zahlen voraus. Am Jobmarkt werde man "mit einem blauen Auge" davonkommen, glaubt Arbeitsminister Scholz. Geht die dramatische Wirtschaftskrise schneller zu Ende als befürchtet?


Berlin - Deutschlands Unternehmer sind überraschend optimistisch: Zwei von drei Unternehmen (66 Prozent) glauben an eine Verbesserung der Konjunktur in den nächsten zwölf Monaten, berichtet die "Welt" aus einer ihr vorliegenden Erhebung der Unternehmensberatung Ernst&Young. Für das Jahr 2011 wachse die Schar derjenigen, die die Lage als "eher positiv" und "sehr positiv" bewerten, sogar auf 78 Prozent.

In der Studie wurden vor allem kleinere und mittlere Unternehmen befragt. Die Studie zeige zudem, dass die Unternehmen die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland überwiegend optimistisch sehen, heißt es in dem Bericht. 54 Prozent der Befragten glauben demnach, dass Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgehen wird.

Auch viele Volkswirte und Politiker zeigten sich am Wochenende optimistisch. Der Chefsvolkswirt der Allianz, Michael Heise, sagte der "Bild": "Der Schockzustand der Wirtschaft ist vorbei, die Talsohle der Rezession liegt hinter uns." Heise sagt schon für das zweite Halbjahr eine "deutliche Aufwärtsbewegung" voraus - und für das kommende Jahr gar ein Wachstum von 2,7 Prozent. Damit werde ein Großteil des diesjährigen Konjunktureinbruchs wieder wettgemacht.

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW): "Manche Indikatoren zeigen eine wirtschaftliche Erholung an, und man wird an den deutschen Zahlen für das zweite Quartal sehen, dass wir den freien Fall beendet haben", sagte Zimmermann der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Auch am Arbeitsmarkt scheinen die Auswirkungen der Krise vielen Forschern zufolge nicht so dramatisch zu werden, wie zu Jahresanfang befürchtet, als die Konjunktur komplett einbrach. Zimmermann sagte, er gehe nicht davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr vier Millionen und im kommenden Jahr die Horrormarke von fünf Millionen überschreiten werde. Auch Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise sagte, die Arbeitslosigkeit werde nicht so stark steigen wie in vielen Schreckensszenarien unterstellt.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) sagte der "Stuttgarter Zeitung": "Ich glaube, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen". Zugleich kritisierte er Meldungen, wonach mit bis zu fünf Millionen Arbeitslosen zu rechnen sei: "Einige scheinen großen Spaß daran zu haben, mit schlimmen Prognosen die Bürger zu verunsichern", sagte er.

Der CSU-Mittelstandspolitiker Hans Michelbach warnte hingegen: "Eine Schwalbe macht noch lange keinen Sommer." Niemand wolle die Entwicklung schlechtreden, erklärte der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion in München. "Aber wir sollten einen klaren Blick für die Wirklichkeit behalten." Es müssten alle Hemmschuhe entfernt werden, damit der Konjunkturzug wieder richtig Fahrt aufnehmen könne. Dazu gehörten eine leichtere Kreditvergabe ebenso wie Änderungen bei der Unternehmensbesteuerung und der Erbschaftsteuer, forderte Michelbach.

Skeptisch äußerten sich auch die Chefökonomen von Deka- und Commerzbank. Sie verwiesen am Wochenende auf die kräftige Eintrübung des US-Verbrauchervertrauens: Dieses sei ein Indiz dafür, dass die Bewältigung der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise noch einige Zeit dauern werde: "Der erste Rückgang des Verbrauchervertrauens nach der Anstiegsserie seit Februar sollte uns daran erinnern, dass die Welt nach der Krise schwierig genug bleiben wird", sagte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater der Online-Seite des "Handelsblatts".

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sprach von enttäuschenden Daten. Die Eintrübung des Verbrauchervertrauens erinnere daran, "dass der Rezession keine kräftige Erholung, sondern lediglich eine blutleere wirtschaftliche Aufwärtsbewegung folgen dürfte", sagte er. Die Rezession scheine aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA zu enden.

ase/Ap/ddp/dpa-Afx



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jinky, 08.07.2009
1.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Sie hätten umsteuern müssen bzw. man hätte sie zu einem Umsteuern zwingen müssen.
Pinarello, 08.07.2009
2.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Warum sollten diese Gangster umsteuern? Jetzt gibt es doch unbegrenzten Kredit vom Staat der auch noch gleich die Verluste übernimmt! Also dann, warten halt bis zur nächsten Krise, die natürlich weit weit schlimmer werden wird, aber warum sollten denn die Politiker ausgerechnet gegen die Leute was unternehmen, von denen sie bezahlt werden und von denen sie ihre Befehle empfangen, hat doch dieses Mal ausgezeichent geklappt, die Folgen dieses Finanzverbrechens dem arbeitenden Bürger und Steuerzahler in die Schuhe zuschieben, genau so stellt sich die Finanzelite doch die Weltherrschaft vor.
schensu 08.07.2009
3.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Pah, als ob da unsere Meinung zählte! Das Ganze ist ein Selbstläufer, abgehoben von bekannten Realitäten zum Nutzen Weniger und ggf. Schaden Vieler. Ich brauch die jedenfalls mal gar nich.
Schelm-77 08.07.2009
4. Die Banken kehren zum gewohnten Geschäft zurück...
Am effektivsten läßt sich die Geldgier der Banker stoppen indem man sie einfach weitermachen läßt. Der nächste Crash wird einen frischen Wind durch die meist hohlen Köpfe der Finanzgenies pusten. Einen neuen weltweiten Rettungsfonds wird es dann mit Sicherheit auch nicht mehr geben. Der normalen Anleger sollte sein Geld allerdings vorher in Sicherheit bringen und in Edelmetalle, Edelsteine oder Immonbilien investieren. Im Zweifelsfalls tut es übergangsweise auch der bewährte Sparstrumpf. Den Banken geht es in erster Linie um ihr eigenes Wohl, dementsprechend sollte auch jeder Bürger erst einmal an sich selbst denken und ein erhöhtes Mißtrauen in Sachen Finanzwirtschaft aufbauen.
THM, 08.07.2009
5.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Noch erstaunlicher als die Unfähigkeit dieser Branche ist deren dreiste Gier.
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