Aufstand gegen Finanzindustrie: Randalierer in Rom zünden Autos an

Weltweit sind die Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Macht der Geldindustrie zu demonstrieren. Meist blieben die Märsche friedlich. Doch in Rom eskalierte der Protest - Krawallmacher legten Feuer, es gab Verletzte.

Demos gegen Finanzindustrie: Proteste weltweit Fotos
REUTERS

Rom/London - Im Internet wurde massiv für die Proteste getrommelt - und die Bürger folgten: Tausende Menschen haben in ganz Deutschland gegen die Macht der Banken und die Auswüchse an den Finanzmärkten protestiert. Auch in anderen Ländern gingen viele auf die Straße: Die aus den USA stammende Bewegung "Occupy Wall Street" hat damit Europa erreicht. Auch in Asien demonstrierten Menschen gegen die Macht der Finanzindustrie.

In Frankfurt demonstrierten laut Polizei etwa 5000 Menschen vor der Europäischen Zentralbank (EZB). "Es geht gegen die Banken, gegen die finanziellen Machthaber im System, es geht darum, dass Profite vor den Menschen stehen", sagte Wolfram Siener, Sprecher der Frankfurter Protestbewegung.

Der 15. Oktober war weltweit zum Aktionstag ausgerufen worden. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac sprach von einem Erfolg: "Der Funke ist übergesprungen, die Bewegung ist da." In mehr als 900 Städten in 82 Ländern hätten Teilnehmer "ihre Wut über die Macht der entfesselten Finanzmärkte auf die Straße getragen".

In Berlin zogen laut Attac 8000 bis 10.000 Menschen zum Bundeskanzleramt. Auf Transparenten hieß es "Gegen die Diktatur der Banken" und "Wäre die Erde eine Bank, hättet ihr sie längst gerettet". Am Abend räumte die Polizei ein Zelt, das Demonstranten vor dem Reichstagsgebäude aufgestellt hatten. Einige der rund 50 Personen, die eine Sitzblockade errichtet hatten, wurden weggetragen. Auf dem Platz vor dem Reichstag hielten sich zu dem Zeitpunkt mehrere hundert Menschen auf - obwohl die angemeldete Demonstration eigentlich am frühen Abend vor dem Bundeskanzleramt enden sollte.

In Köln gingen etwa 1500 Menschen durch die Innenstadt, mit Transparenten forderten sie mehr soziale Gerechtigkeit. Auch in München kamen Hunderte Menschen friedlich zusammen. Die Kapitalismuskritiker forderten "Jagt die Zocker vom Börsen-Hocker" und "Zwingt die Banken in die Schranken". Einige streckten nach dem Vorbild arabischer Proteste Schuhe wurfbereit in die Höhe. Unter den Teilnehmern waren etliche Familien mit Kindern.

Demonstrationen gab es laut Attac in 50 deutschen Städten, die Zahl der Teilnehmer lässt sich jedoch immer nur grob schätzen. Generell fallen die Angaben der Polizei meist geringer aus als die der Veranstalter. Auf dem Rathausmarkt in Hamburg versammelten sich laut Attac 5000 Menschen, in Stuttgart seien es 3000 gewesen, in Leipzig 2500 und in Bochum 400.

Assange beteiligt sich am Protest in London

International war die Beteiligung an der Aktion sehr unterschiedlich: In Rom versammelten sich Zehntausende, die Veranstalter rechneten sogar mit mehr als 100.000 Teilnehmern. Allerdings dürften hier vor allem innenpolitische Gründe eine Rolle gespielt haben - Ministerpräsident Silvio Berlusconi steht derzeit massiv unter Druck.

Unter dem Motto "People of Europe, rise up!" (Völker Europas, steht auf) startete der für 14 Uhr angesetzte Demonstrationszug durch Rom früher als geplant. Wenig später begannen auch die Krawalle: Vermummte Demonstranten zündeten Autos an, warfen Fensterscheiben von Banken ein, griffen Kamerateams an, verbrannten italienische und europäische Fahnen. Schwarzer Rauch stieg über der Innenstadt auf.

Die geplante Kundgebung auf der Piazza San Giovanni fand nicht statt. Dort lieferten sich Randalierer Kämpfe mit der Polizei. "Die Situation ist außer Kontrolle", sagt SPIEGEL-Korrespondentin Fiona Ehlers, die den Protest vor Ort beobachtet. Bei den Randalierern handele es sich nicht nur um eine kleine Gruppe. Friedliche Demonstranten versuchten, die gewalttätigen zu stoppen und zu isolieren - das gelang aber nicht.

Auch ein Anbau des Verteidigungsministeriums wurde in Brand gesetzt. Aus dem Gebäudeteil in der Via Labicana schlugen Flammen aus den Fenstern und aus dem Dach. Eine Gruppe Vermummter drang in eine der abgesperrten archäologischen Stätten in der Nähe des Kolosseums ein. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

Laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa seien 70 Menschen verletzt worden, drei von ihnen schwer.

In London versammelten sich die Finanzmarktkritiker an der Saint-Paul's-Kathedrale und der Börse. Auch WikiLeaks-Gründer Julian Assange nahm an der Demonstration teil. Assange plane, bis 22 Uhr zurück auf dem Landsitz im ostenglischen Suffolk zu sein, um seine Kautionsauflagen nicht zu verletzen, sagte sein Kompagnon Vaughan Smith.

Auch in London kam es zu Rangeleien mit den eingesetzten Polizeikräften, als einige der etwa 800 Demonstranten sich in Richtung der abgesperrten Börse bewegten. Aus Angst vor Ausschreitungen wie im August war in der britischen Hauptstadt ein riesiges Polizeiaufgebot im Einsatz.

In Schwedens Hauptstadt Stockholm beteiligten sich etwa tausend Demonstranten an den Protestaktionen. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen erwarteten die Veranstalter einige hundert Teilnehmer, ebenso im norwegischen Oslo.

Auch im asiatisch-pazifischen Raum wurde gegen die Macht der Banken demonstriert. Im Bankenviertel von Hongkong versammelten sich rund 500 Menschen. Etwa hundert Tokioter demonstrierten in der japanischen Hauptstadt unter dem Motto "Occupy Tokyo".

In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul versammelten sich je nach Schätzung 70 bis 200 Demonstranten bei strömendem Regen vor dem Hauptquartier der Finanzaufsicht. Auch sie riefen "Besetzt den Finanzdistrikt" und "Wir sind die 99 Prozent" - in Abgrenzung zu den wenigen extrem Reichen auf der Welt.

In Sydney demonstrierten 600 Menschen vor der australischen Zentralbank.

hut/dpa/AFP/dapd

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1. ...
Netcube 15.10.2011
Spon schreibt: "Weltweit sind Tausende Menschen auf die Straße gegangen," Wie Spon im Artikel selbst schreibt: Es sind hunderttausende... wenn nicht sogar eher Millionen. Und v.a. sind die Randalierer eine minimalste Minderheit. Warum also diese Art der Berichterstattung?
2. Die Regierungen sind das Problem nicht die Banken
2wwk 15.10.2011
Zitat von sysopWeltweit sind Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Macht der Geldindustrie zu protestieren. "Zwingt die Banken in die Schranken", forderten Demonstranten in München. In Rom eskalierte der Protest - Krawallmacher legten Feuer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,792003,00.html
Unsere derzeitige Krise ist Regierungs-Hausgemacht. Wir geben mehr Geld aus als wir einnehmen. Die Banken brauchen Geld I(neues Bailout) weil die Regierungs Bonds nichts mehr Wert sind und die Banken .... angenommen hatten ... der Schatzbrief eines Landes waere sicher. Wir muessen vor den Parlamenten demonstrieren .... wir koennen nicht nur Schulden machen, wir muessen auch mal zurueckzahlen.
3. Daß die Politik die Rahmenbedingungen
mc6206 15.10.2011
für das Finanzwesen neu aufstellen muß ist wohl allen klar. Genauso wie der Staat das Gewaltmonopol beansprucht, so muß der Staat die Regeln für die Wirtschaft erstellen. Daß ist zwar ein alter Hut aber wohl den heutigen "investement Bankern" nicht unbedingt geläufig. Nur, warum dafür Autos von Unbeteiligten angezündet werden müssen, erschließt sich mir absolut nicht. Auch wenn es vielleicht eine extreme Minderheit war, so deskreditieren solche Taten das Anliegen, nämlich ein Wiedererringen der Macht des Volkes über die Rahmenbedingungen unserer Wirtschaft.
4.
inci 15.10.2011
Zitat von 2wwkUnsere derzeitige Krise ist Regierungs-Hausgemacht. Wir geben mehr Geld aus als wir einnehmen. Die Banken brauchen Geld I(neues Bailout) weil die Regierungs Bonds nichts mehr Wert sind und die Banken .... angenommen hatten ... der Schatzbrief eines Landes waere sicher. Wir muessen vor den Parlamenten demonstrieren .... wir koennen nicht nur Schulden machen, wir muessen auch mal zurueckzahlen.
ja, weil der staat sich von einer handvoll finanzlobbyisten sich über den tisch hat ziehen lassen, in dem die finanzlobbyisten den politikern es tatsächlich geschafft haben einzureden, ein staat bräuchte keine höheren steuereinnahmen, das könne man auch ganz prima mit krediten ausgleichen. und dann ließe man das geld für sich arbeiten. blöd nur, daß ein staat geld ausgeben muss, um den laden am laufen zu halten, und es nicht wie ein investor irgendwo hinzupacken, eine weile sich im glanz des gewinns zu spiegeln, um dann festzustellen, daß er niemals gewinne gemacht hat.....sondern nur schönes buntes papier bekommen hat.
5. Geht die Rechnung auf?
peter-wdc 15.10.2011
Zitat von sysopWeltweit sind Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Macht der Geldindustrie zu protestieren. "Zwingt die Banken in die Schranken", forderten Demonstranten in München. In Rom eskalierte der Protest - Krawallmacher legten Feuer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,792003,00.html
Haben es die linken Medien mit ihrer Neid-Schürerei nun bald geschafft? Sorgt dann der Mob endlich für die Zerstörung der Banken und damit zur Enteignung aller Vermögen, vom Bausparvertrag über die private Rentenversicherung bis zum Sparbuch? Sollen endlich alle Firmen ihre Pforten schließen, die sich nicht ausschließlich mit Eigenkapital finanzieren, also quasi fast alle? Erst wenn alle Vermögenswerte zerstört sind, werden die Menschen merken, dass ohne diese eine funktionierende Wirtschaft nicht möglich ist. Aber wahrscheinlich müssen bei uns die Menschen erst wieder Hunger leiden, bis sie merken, in welchem Wohlstand wir alle bisher gelebt haben und dass Neid allein kein guter Ratgeber für gerechtes Handeln ist. Mir ist schleierhaft, wie schnell die Menschen vergessen haben, dass die möglichen Alternativen wie Sozialismus oder gar Kommunismus nicht zu einem gleichmäßigen Wohlstand, sondern zu einer allgemeinen Armut führen. Selbst die Chinesen haben mitlerweile erkannt, dass nur eine marktgesteuerte Wirtschaftsweise den Wohlstand eines Volkes mehren kann. Aber wenn's dem Esel zu wohl wird, geht er eben auf's Eis...
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