Aufstieg einer Start-up-Firma: Rohstoff-Zwerg aus Heidelberg

Von Daniela Schröder

Ein Heidelberger Start-up wird zum Star unter den modernen Bodenschatzjägern: Die Deutsche Rohstoff AG beutet alte Vorkommen geschickt aus - und macht dabei ein gutes Geschäft. Der Preisauftrieb für die weltweit gefragten Materialien hilft dabei.

Von Gold bis Öl: Ausbeuter der Bodenschätze Fotos
Deutsche Rohstoff AG

Hamburg - "Der Zeit voraus..." endet die Unternehmenspräsentation. Klingt ganz schön forsch für ein Start-up - genauso forsch wie der Name: Deutsche Rohstoff AG. Den hat das junge Heidelberger Unternehmen den Großen weggeschnappt: Politik und Wirtschaft diskutieren zwar seit einiger Zeit darüber, dass sich deutsche Firmen dringend wieder im Bergbau engagieren müssen. Die Deutsche Rohstoff AG dagegen hat es bereits geschafft: In Australien betreibt sie eine Goldmine. Für das Fördern von Öl, Gas und Hightech-Metallen in Deutschland und Amerika steht die DRAG - so das Firmenkürzel - in den Startlöchern.

Das kleine Unternehmen verfolgt im hart umkämpften Markt der Ressourcen ein ambitioniertes Ziel: Es will sich zu einem neuen deutschen Produzenten entwickeln - und damit "in die Fußstapfen ehemaliger Unternehmen wie der Preussag und der Metallgesellschaft treten", sagt Finanzchef Thomas Gutschlag.

Früher machten deutsche Konzerne mit dem Erkunden und Fördern von Bodenschätzen ein gutes Geschäft. Dann kam die Globalisierung, einige Länder konzentrierten sich auf das Produzieren von Ressourcen, andere auf das Verarbeiten zu Industriegütern. Die Rohstoffpreise sanken. Als sich das Geschäft nicht mehr lohnte, stießen Konzerne wie ThyssenKrupp ihre Minenbeteiligungen ab, die einstige Preussag und die frühere Metallgesellschaft bauten sich andere Geschäftsbereiche auf.

Heute gilt der Rückzug aus dem Rohstoffgeschäft als einer der größten Managementfehler der deutschen Industriegeschichte. Inzwischen hat der Wirtschaftsboom der Schwellenländer die Preise in die Höhe getrieben, wenige Konzerne beherrschen den Markt, und das ressourcenreiche China schottet seine begehrten Hightech-Metalle immer stärker ab. Auch wenn die Nachfrage wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise bei einigen Industrierohstoffen derzeit sinkt: Auf Dauer wird der weltweite Bedarf weiter wachsen.

Im weltweiten Wettrennen um Ressourcen ist die Konkurrenz enorm

Thomas Gutschlag und Geschäftspartner Titus Gebel sahen es genauso, als sie vor fünf Jahren die Rohstoff AG gründeten. Die Idee zur eigenen Firma entstand aus dem gemeinsamen Vorbereiten des Börsengangs einer kanadischen Rohstoff-Gesellschaft. Gebel arbeitete dort als Vorstandschef, Gutschlag war Berater der Deutschen Börse. Als der Plan für den Sprung aufs Parkett platzte, beschlossen sie, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Rohstoffe waren damals in Deutschland noch kein heißes Thema, doch die beiden Manager witterten ihre Chance. "Der Bereich reizte uns nicht nur wegen unserer Erfahrungen", sagt Gutschlag. "Vor allem hielten wir ihn für eine zukunftsfähige Branche, die über Jahre hinweg boomen wird."

Die Gründer investierten eine Million Euro Eigenkapital und sammelten kleine Summen im Bekanntenkreis ein. Um als Zwei-Mann-Mini auf dem Markt der Multis überhaupt Fuß fassen zu können, schlug man einen vorsichtigen Kurs ein: Das Unternehmen konzentriert sich auf Rohstofflager, die bereits erkundet worden sind. Dabei ging der Blick zunächst vor die Haustür. Forscher der Uni Halle wühlten sich im Auftrag der DRAG durch Archive, Beratungsunternehmen analysierten Potentiale. Das Ergebnis der Recherchen: Deutschland verfügt über mehr als 300 stillgelegte Bergbaustätten mit Restreserven. Die interessantesten davon befinden sich im Osten, dort schlummern Bodenschätze wie Zinn und Kupfer, in Süddeutschland liegen nicht ausgeschöpfte Öl- und Gasfelder.

Hightech-Metalle aus Sachsen

Für das Wiedererschließen der alten Lagerstätten zapfte die DRAG das Wissen erfahrener Spezialisten an: von früheren Preussag-Experten, Mitarbeitern der einstigen Metallgesellschaft, Ex-DDR-Geologen. So erfuhren die Heidelberger etwa, dass ein sächsisches Zinnlager zudem Indium enthält, ein wichtiger Rohstoff für Solarmodule. Zu DDR-Zeiten existierten die entsprechenden Technologien noch nicht, Gehalt und Menge des Spezialmaterials blieben daher unbestimmt. Jetzt lässt die DRAG alte Bohrkerne aus Sachsen auf Hightech-Metalle untersuchen. Für Rohstoffkonzerne wäre das uninteressanter Kleinkram, für das junge Unternehmen gehört die überschaubare Größe eines Projektes zum Konzept. "Wir müssen es finanzieren und in absehbarer Zeit in Produktion bringen können", sagt Gutschlag.

Aussichtsreiche Vorhaben lagern die Chefs in Tochterunternehmen aus. Und trennen sich auch wieder von ihnen, um mit den Einnahmen das nächstgrößere Projekt zu stemmen. "Anstatt gleich ganz hoch zu springen, verfolgen wir eine Stufenstrategie", sagt Gutschlag. So verkauften die Heidelberger im vergangenen Jahr drei Viertel ihrer Anteile an der Öl- und Gas-Tochter Rhein Petroleum an die niederländische Gesellschaft Tulip Oil.

Den Erlös aus dem Verkauf investierte die DRAG unter anderem in den USA, wo sie mit neuen Technologien alte Öl- und Gasfelder in Nordamerika reaktivieren und weitere Lager aufspüren will. Auch das Wiederbeleben einer Wolfram-Mine in Australien treiben Gutschlag und Gebel derzeit voran. Vor allem für den Maschinenbau ist Wolfram wichtig, in Europa zählt das fast ausschließlich von China produzierte Metall zu den als kritisch geltenden Industrierohstoffen.

Hubertus Bardt, Rohstoffexperte des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) hält den Ansatz der DRAG für vielversprechend. "Ein kleines Unternehmen versucht das Besondere, indem es sagt: Hier ist eine Lücke, die man schließen kann." Denn sofern sich Rohstoffunternehmen auf bereits erkundete Gebiete konzentrieren, sei Bergbau kein Hexenwerk, sagt Bardt. Allerdings rät er dazu, sich wie die DRAG auch im Ausland zu engagieren: "Den großen Wurf kriegt man in Deutschland nicht hin, viele Ressourcen sind klein und die Projekte daher sehr aufwendig."

Aktuelle Beteiligungen mehr als zehn Milliarden Euro wert

Auf mehr als zehn Milliarden Euro schätzt die DRAG den aktuellen Wert ihrer Beteiligungen. Allein die 180.000 Tonnen Zinn in Sachsen würden derzeit mehrere Milliarden Euro einbringen, sagt Gutschlag. Für das Gesamtjahr 2011 erwartet die DRAG einen Nettogewinn von mindestens zehn Millionen Euro. In seinem ersten Halbjahresbericht meldete das Unternehmen einen Gewinn von 7,8 Millionen Euro. Vor allem eine Goldmine in Australien spülte schnell Geld in die Kasse.

Investoren sahen es gern - auch wenn sie sich wegen der Angst vor der Rohstoffklemme ohnehin von Anfang an für den Kleinakteur interessiert hatten. Im vergangenen Jahr erhöhte die DRAG gleich viermal das Kapital und sammelte dabei rund sieben Millionen Euro ein. Seit Mai 2010 ist das Unternehmen an der Börse, Gutschlag und Gebel halten ein Viertel der Aktien, mit knapp acht Prozent der Anteile ist der Chemiekonzern BASF an Bord.

Mit der BASF-Tochter Wintershall haben die Heidelberger süddeutsche Ölfelder erkundet, der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore kooperiert bei einem Erz-Projekt der DRAG in Kanada. Gutschlag wertet die Zusammenarbeit als Glaubensbeweis: "Dass wir Großkonzerne als Partner gewonnen haben, zeigt: Wir sind keine Eintagsfliegen, sondern wir haben solide Projekte." Die derzeit zwei Dutzend Mitarbeiter plus diverse Dienstleister sind ausgelastet, bis Ende des Jahres wird das DRAG-Team vor allem im Ausland wachsen.

Und wo steht die Deutsche Rohstoff AG in fünf Jahren? Bis dahin, sagt Gutschlag, soll aus dem Start-up ein Unternehmen geworden sein, "das durchaus eine Milliarde Euro wert sein kann". Doch trotz der Ambitionen und trotz des provokanten Namens - als Antwort auf Deutschlands Rohstoffprobleme sieht sich das Unternehmen nicht. Eins jedoch wolle die DRAG zeigen, so Gutschlag: Dass sich mehr machen lässt als nur zu jammern.

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1. Der Erfolg dieses Unternehmens zeigt nur eines überdeutlich:
pudel_ohne_mütze 07.11.2011
Zitat von sysopEin Heidelberger Start-up wird zum Star unter den modernen Bodenschatzjägern: Die Deutsche Rohstoff AG beutet alte Vorkommen geschickt aus - und macht dabei ein gutes Geschäft.*Der Preisauftrieb für die weltweit gefragten Materialien hilft dabei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,793594,00.html
es mangelt in deutschen Vorstandsetagen an Grips. Kurzsichtige Kurzfrist-Planungen mit Kurzfrist-Ergebnissen sind Trumpf. Was juckt mich das ganze, wenn nach 5 Jahren mein Vertrg sowieso nicht mehr verlängert wird. Nächster Job in alten Seilschaften ist garantiert. Es gibt unzähliche Beispiele weltweit, dass sich Langfrist-Engagements lohnen. China macht es überdeutlich vor. "Aber die können ja nichts ausser kopieren."
2. .
static_noise 07.11.2011
Hmmm.... der Kurs der Aktie liegt rund 50% unter dem Hoch von Januar und ist aktuell im September nochmal eingebrochen. Hat da jemand geschickt nen 'Werbeartikel' für ne AG lanciert? Soll da der Kurs durch diesen netten Artikel gepusht werden?
3. ...
sexobjekt 07.11.2011
Zitat von pudel_ohne_mützees mangelt in deutschen Vorstandsetagen an Grips. Kurzsichtige Kurzfrist-Planungen mit Kurzfrist-Ergebnissen sind Trumpf. Was juckt mich das ganze, wenn .......
China macht überdeutlich vor wie man auf Kosten der Umwelt und vor allem durch ECHTE Ausbeutung der Minenarbeiter in China und Afrika die Preise für Rohstoffe soweit drückt das es sich für andere LÄNDER NICHT MEHR RECHNET ihre vorkommen zu erschließen.
4. Da haben die alten "Dinos"...
sappelkopp 07.11.2011
...selbst Schuld, wenn Sie Ihre alten Minen und Beteiligungen abgestoßen haben, um ein wenig den Unternehmenswert aufzuhübschen. Nun machen andere das Geld, Glückwunsch!
5. Endlich mal
tumatsch 07.11.2011
Zitat von sexobjektChina macht überdeutlich vor wie man auf Kosten der Umwelt und vor allem durch ECHTE Ausbeutung der Minenarbeiter in China und Afrika die Preise für Rohstoffe soweit drückt das es sich für andere LÄNDER NICHT MEHR RECHNET ihre vorkommen zu erschließen.
ein vernünfiger Beitrag.
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