Aus für Prestigeprojekt Transrapid in München wird nicht gebaut

Endgültiges Aus für Stoibers Prestigeprojekt: Bundesregierung, bayerische Landesregierung und Industrie haben beschlossen, die Transrapid-Strecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen nicht zu bauen.


Hamburg - Kurz vor seinem Amtsende verkündete Bayerns damaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber noch großspurig die Rettung des Projekts - jetzt sind die Pläne für den Bau der Münchner Transrapid-Strecke endgültig beerdigt. "Das Münchner Magnetschwebebahnprojekt ist gescheitert", sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) jetzt nach einen Krisentreffen in Berlin. Daran nahmen auch Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) und Siemens-Chef Peter Löscher teil.

Fotoillustration des Transrapid: Statt 1,85 Milliarden Euro hätte die Strecke über drei Milliarden Euro gekostet.
DDP

Fotoillustration des Transrapid: Statt 1,85 Milliarden Euro hätte die Strecke über drei Milliarden Euro gekostet.

Der Grund: Die Kosten drohten zu explodieren. In einer Krisensitzung in Berlin offenbarten die an der Planung beteiligten Firmen, das Prestigeprojekt werde wohl über drei Milliarden Euro verschlingen. Bis dahin war von 1,85 Milliarden Euro die Rede gewesen. Die diesen Berechnungen zugrunde liegende Machbarkeitsstudie stammte allerdings aus dem Jahre 2002.

Das Projekt stand schon vorher auf der Kippe. Der Bund hatte sich zuletzt aber bereit erklärt, die Hälfte der Baukosten zu übernehmen, maximal aber 925 Millionen Euro. Bayern hatte seine Beteiligung auf 500 Millionen Euro begrenzt.

Ende einer Planung: So sollte die Münchner Transrapid-Strecke aussehen
SPIEGEL ONLINE; Google Earth

Ende einer Planung: So sollte die Münchner Transrapid-Strecke aussehen

Ursprünglich wollte die Industrie ihre neuen Berechnungen erst Ende April vorlegen. Dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge zeichnet sich aber bereits jetzt ab, dass der bisherige Kostenplan nicht einzuhalten ist.

Der Transrapid gilt als Prestigeprojekt der CSU-Staatsregierung. SPD, Grüne, Naturschützer und andere Kritiker des Vorhabens hatten aber schon früh Zweifel geäußert, dass der ursprüngliche Kostenplan einzuhalten sei. Sie hatten das Projekt von Anfang an als überflüssig und zu teuer eingestuft.

Dementsprechend zufrieden zeigen sich die Grünen heute schon vor der offiziellen Stellungnahme Tiefensees und Becksteins. "Dass der Transrapid wesentlich teurer wird als die offizielle Zahl von 1,85 Milliarden Euro, war schon lange offensichtlich", betonte die Grünen-Landesvorsitzende Theresa Schopper. "Nur die CSU wollte das nicht wahrhaben und hielt unverdrossen an dem schwebenden Unsinn Transrapid fest."

Die rund 40 Kilometer lange Trasse vom Flughafen im Erdinger Moos zum Münchner Hauptbahnhof wäre erst die dritte Transrapid-Strecke weltweit gewesen. Neben einer Versuchsanlage im Emsland gibt es bislang nur eine kommerziell genutzte Magnetbahn. Sie verbindet in Schanghai den Flughafen mit der südlichen Innenstadt.

Auch Metrorapid und Hamburg-Berlin scheiterten

Erprobungsstrecken gab es vorübergehend auch auf dem MBB-Werksgelände in Ottobrunn und unter der Regie von MAN in Erlangen. Systematisch getestet wird die Magnetbahn in Deutschland seit 1984 im Emsland. Auf der dortigen 31,5 Kilometer langen Versuchsstrecke ereignete sich am 22. September 2006 der bisher folgenschwerste Unfall mit einer Magnetbahn: Das Versuchsfahrzeug raste auf einen Werkstattwagen, der auf der Strecke vergessen worden war. Unter den 23 Toten waren Mitarbeiter mehrerer emsländischer Pflegedienste und Angestellte der Versuchsanlage.

In Deutschland gab es unterschiedliche Projekte, die aber alle an den hohen Kosten scheiterten. Darüber hinaus wandten sich Bürgerinitiativen dagegen. Am weitesten gedieh Mitte der neunziger Jahre die Planung einer Transrapid-Strecke zwischen Hamburg und Berlin. Sie fiel am Ende ebenso durch wie das Projekt "Metrorapid" durch das Ruhrgebiet. Am Silvestertag 2002 wurde jedoch der Schanghaier Flughafenzubringer nach 20 Monaten reiner Bauzeit eingeweiht. Er kostete rund 1,2 Milliarden Euro.

ase



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