Ausblick Luftfahrt hakt 2009 ab - und blickt nach vorn

Die Fluggesellschaften gehen trotz weltweit eingetrübter Konjunkturaussichten nicht von einer länger anhaltenden Krise der Branche aus. Wegen der stark gesunkenen Ölpreise können Fluggäste zumindest auf kurze Sicht aber mit günstigeren Tickets rechnen.


Frankfurt am Main - Die Krise, die viele Experten für 2009 heraufziehen sehen, gilt für die Luftfahrtindustrie als Übergangszeit - quasi als Pause im langfristigen Aufwärtstrend. "Schon 2010 könnte es mit einem starken Wachstum wieder aufwärtsgehen", sagte der Generalsekretär des Branchenverbandes Barig, Martin Gaebges. Allerdings, so räumt er ein, werde die Lage in diesem Jahr schwierig.

Frankfurt-Hahn: Kleinere Flughäfen werden die Krise massiver spüren
DPA

Frankfurt-Hahn: Kleinere Flughäfen werden die Krise massiver spüren

Der Branchenverband sieht den langfristigen Aufwärtstrend trotz der weltweiten Wirtschaftskrise jedoch intakt. In den kommenden 20 Jahren sei mit einem jährlichen Durchschnittswachstum von fünf Prozent zu rechnen, sagte Gaebges. "In einer globalisierten Welt wird der Wunsch, auf andere Kontinente zu reisen und andere Menschen zu treffen, niemals verschwinden." Die Unternehmen sähen die derzeitigen Probleme nicht als grundlegende Krise der Branche, sondern im Rahmen der üblichen Zyklen.

Gaebges hält nach eigenen Worten eine Schrumpfung der Branche um drei Prozent 2009 für möglich. "Im Frachtbereich wird es in diesem Jahr voraussichtlich ein kleines Wachstum geben", sagte der Barig-Vertreter.

Firmen sparen an Dienstreisen

Die Branche bekommt derzeit vor allem die Probleme der allgemeinen Wirtschaft zu spüren. "Die Unternehmen fangen an zu sparen", sagte Gaebges. "So mancher, der früher die First Class nutzte, reist jetzt in der Business." Für Fluggesellschaften mit einem Dreiklassenkonzept sei es aber wichtig, dass alle ausgelastet seien.

Besonderes Augenmerk haben die Fluggesellschaften auf die Autoindustrie, die sehr wichtig für die deutsche Wirtschaft ist und derzeit in einer großen Krise steckt. "Das ist eine Entwicklung, die uns große Sorge macht", sagte Gaebges. Wegen der vielen Zulieferer werde man die Auswirkungen in ganz Deutschland spüren.

"Wir sehen mit sehr gemischten Gefühlen in das Jahr 2009." Als positiv bewertete Gaebges, dass bislang noch keine Fluggesellschaft angekündigt hat, in Deutschland Personal abzubauen. "Das ist ein gutes Zeichen. Aber die Zeiten können auch sehr viel schwieriger werden." In dem Branchenverband sind Unternehmen organisiert, die gemeinsam in der Bundesrepublik auf 103.000 Arbeitsplätze kommen. Davon entfallen 63.000 auf die Lufthansa.

An den Rückgängen beim Luftverkehr werden nach Barig-Einschätzung in Deutschland vor allem kleinere Flughäfen leiden. Dort würden eher Flugverbindungen gestrichen statt wie an den Drehkreuzen Frankfurt und München mit kleineren Maschinen bedient.

Entspannung bei Ticketpreisen

Fluggäste können sich voraussichtlich auch in den kommenden Monaten über sinkende Ticketpreise wegen des billigen Öls freuen. Viele Unternehmen würden ihre Kerosinzuschläge weiter senken oder abschaffen, sagte Gaebges. "In der nahen Zukunft werden Tickets günstiger." Auf längere Sicht sind demnach aber wieder steigende Preise zu erwarten, weil die Fusionswelle in der Branche weitergeht. "Längerfristig werden Überkapazitäten aufgrund der Fusionen reduziert", sagte der Verbandsvertreter. Die Fluggesellschaften müssten die Preise erhöhen, um profitabel zu arbeiten.

Auch der Analyst Jürgen Pieper von der Metzler Bank rechnet damit, dass die Flugpreise erst mal ins Rutschen geraten dürften. "Die Preise kommen unter Druck", sagte er. Da die Fluggesellschaft ihre Kapazitäten nicht so schnell herunterfahren könnten wie die Nachfrage einbreche, sinke die Auslastung der Maschinen. Der derzeit niedrige Ölpreis tut ein Übriges.

mik/AP



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