Auslandskorruptions-Index Die Schmierweltmeister

Formal ist Korruption im Ausland in vielen Ländern verboten, in der Praxis aber werde das Schmieren für den Export kaum geahndet, moniert die Organisation Transparency International. Dabei beweist der neue Korruptionsindex der Vereinigung: Es geht auch ganz gut ohne Bestechung.


Berlin - Vor allem Firmen aufstrebender Exportmächte wie Indien, China und Russland fördern ihre Auslandsgeschäfte mit saftigen Bestechungsgeldern. Doch auch Unternehmen etablierter Industrieländer praktizieren Auslandskorruption, wie aus dem heute vorgestellten Bribe-Payers-Index (BPI) von Transparency International (TI) hervorgeht. So lautet die nüchterne Bilanz der neuen Rangliste der Nicht-Regierungs-Organisation Transparency International.

Der TI-Index ist ein Ranking der 30 weltweit führenden Exportländer und basiert auf einer Befragung von mehr als 11.000 Geschäftsleuten in 125 Staaten. Seit Ende der neunziger Jahre ist Auslandskorruption, etwa aufgrund der OECD-Konvention, in vielen Ländern strafbar. Die Praxis sehe jedoch vielerorts anders aus, heißt es in der Studie. Außerdem liegen die Werte in den verschiedenen Ländern TI zufolge dicht beieinander.

"Es gibt keine Sieger", sagte der Vorsitzende von TI Deutschland, Hansjörg Elshorst. Den oberen Wert totaler wahrgenommener Korruptionsfreiheit habe keins der Länder erreicht. Die Schweiz (78,1 Prozent), Schweden (76,2 Prozent) und Australien (75,9 Prozent) förderten ihre Exportbemühungen aber in vergleichsweise geringem Maße durch Korruption.

Deutliches Lob sprach TI Deutschland aus, das in der Liste auf Rang sieben liegt. Denn parallel zu diesem relativ guten Wert auf der Skala habe Deutschland mit 9,5 Prozent den höchsten Anteil der gelisteten Länder am Weltexport. "Man muss nicht Weltmeister im Schmieren sein, um sich auf immer stärker umkämpften Märkten als Exportweltmeister zu halten", sagte der TI-Chef.

Juristisch selten geahndet

Elshorst kritisierte jedoch, dass Ziele der 1999 verabschiedeten OECD-Konvention zur Bekämpfung von Auslandskorruption auch von Deutschland bislang nur unzureichend umgesetzt worden seien. So sei die Zahl der Strafverfahren wegen Auslandsbestechung mit zwei Verfahren im Jahr 2004 "lächerlich gering". Auch fehle es nach wie vor an einer zentralen Stelle, bei der Hinweise auf Korruption im Ausland zusammenlaufen könnten.

Besonderes Augenmerk richtete die Organisation außerdem auf die Türkei. Mit Platz 27 gehört sie zur Schlussgruppe des BPI. Elshorst forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, bei ihrer Türkei-Reise ab morgen auch auf das Thema Auslandskorruption zu sprechen zu kommen. Für ein Land, das sich um die EU-Mitgliedschaft bewerbe, sei das Ergebnis problematisch.

Auch die Firmen müssten stärkere Anstrengungen unternehmen. "Es reicht nicht Richtlinien zu machen, diese aber nicht in den innerbetrieblichen Ablauf zu überführen", sagte von Blomberg. Besonders zu beachten sei dabei die Privatbestechung, die einen großen Anteil ausmache. Potenzielle Hinweisgeber müssten ermutigt und gegen Repressionen geschützt werden.

Die Führungskräfte wurden zwischen Februar und Mai gefragt, Firmen welcher Länder die meisten Geschäfte im Land machten und mit welcher Häufigkeit Unternehmen dieser Länder undokumentierte Zusatzzahlungen leisteten oder Bestechungsgeld zahlen würden.

ase/AP/ddp



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