Außenhandel Deutsche Firmen hoffen auf dicke Geschäfte im Irak

Die deutsche Wirtschaft sieht im Irak ein riesiges Potential. Der Industrie- und Handelskammertag erwartet beim Export zweistellige Wachstumsraten. Auch bei der Ölförderung wollen die Deutschen mitmischen - trotz Sicherheitsbedenken.


Passau - Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht gute Perspektiven für die deutsche Wirtschaft im Irak. "In den siebziger und sechziger Jahren war die deutsche Wirtschaft für den Irak einer der wichtigsten Handelspartner überhaupt. Daran können wir anknüpfen", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke der "Passauer Neuen Presse".

Ölraffinerie (bei Bagdad): "Bei der Fördertechnologie sind auch deutsche Anbieter gefragt"
REUTERS

Ölraffinerie (bei Bagdad): "Bei der Fördertechnologie sind auch deutsche Anbieter gefragt"

Das Potential sei riesig. Bisher liege der Irak etwa auf Platz 100 im Ranking der deutschen Außenhandelspartner. "Deutsche Exporteure haben im vergangenen Jahr gut 320 Millionen Euro Umsatz im Geschäft mit dem Irak erzielt. Wir erwarten hier für die nächsten Jahre zweistellige Wachstumsraten", sagte Nitschke.

Die Wirtschaft teilt damit die Auffassung von Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Dieser hatte deutsche Firmen im SPIEGEL-Interview aufgefordert, im Irak zu investieren. Maliki wird an diesem Dienstag zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin erwartet. Die Bundesregierung hat bereits signalisiert, dass sie die Beziehungen zu dem von Krieg und Terror erschütterten Land verbessern will.

Laut DIHK ist die Sicherheitslage nach wie vor das größte Hemmnis für die wirtschaftlichen Beziehungen zum Irak. "Das Risiko, hier mit Mitarbeitern aus Deutschland zu arbeiten, ist noch immer sehr hoch", sagte Nitschke. Viele Firmen seien von Jordanien aus aktiv und würden mit Partnern im Irak kooperieren. Zugänge seien aber auch über den Norden des Landes, über das Kurdengebiet, möglich.

Zurzeit kurbelt der Irak sein Ölgeschäft wieder an. In diesem Sektor sieht der DIHK ebenfalls Chancen für deutsche Unternehmen. "Bei der Fördertechnologie sind auch deutsche Anbieter gefragt", sagte Nitschke. Das Öl könne zur Grundlage für den wirtschaftlichen Neuanfang im Irak werden. Starke Nachfrage, von der deutsche Unternehmen profitieren könnten, gebe es aber auch im Baubereich, insbesondere bei der Wiederherstellung der Infrastruktur.

Am Samstag vor einer Woche war Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) als erstes deutsches Regierungsmitglied seit dem Irak-Krieg für einen Tag nach Bagdad gereist. Iraks Vizepräsident Tarik al-Haschemi hatte dabei die deutsche Wirtschaft zu Investitionen in seinem Land eingeladen. Deutsche Firmen sollten sich am Wiederaufbau beteiligen.

wal/AP/dpa



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