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Ausspäh-Affäre: Obermann schwört Telekom-Kunden Datensicherheit

In der Spitzel-Affäre um die Deutsche Telekom ist Vorstands-Chef René Obermann in die Offensive gegangen: Er habe nichts vertuscht und werde die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, sagt er in einem Interview - und verspricht: "Die Kundendaten sind bei der Telekom sicher."

Berlin - Im Zusammenhang mit der Bespitzelung von Aufsichtsräten und Journalisten durch die Deutsche Telekom hat Vorstand-Chef René Obermann den Vorwurf der Vertuschung vehement von sich gewiesen. "Ich habe von einem ersten Fall von Datenmissbrauch bei der Telekom im Sommer des vergangenen Jahres erfahren und danach nichts vertuscht, sondern die nötigen personellen und organisatorischen Konsequenzen gezogen", sagte er der "Bild am Sonntag".

Telekom-Vorstandsvorsitzender Rene Obermann: Verantwortliche "ohne Ansehen von Rang und Person zur Rechenschaft" ziehen
AP

Telekom-Vorstandsvorsitzender Rene Obermann: Verantwortliche "ohne Ansehen von Rang und Person zur Rechenschaft" ziehen

Nach Informationen des SPIEGEL hatten noch im Mai Juristen der Kölner Kanzlei Oppenhoff & Partner die Telekom-Chefs gewarnt, zu früh den Aufsichtsrat, die Staatsanwaltschaft und die Öffentlichkeit über die weitreichenden Bespitzelungsaktionen zu informieren - und damit den Konzern "derzeit unberechtigter negativer Publizität" auszusetzen.

Ein Teil der Spitzeldienste wurde nach SPIEGEL-Informationen im November 2006 von einer gemeinsamen Kostenstelle Zumwinkels und Obermanns abgebucht. Freigegeben wurde das Geld offenbar von dem damals gemeinsamen Büroleiter der beiden Manager. Obermann beteuert auf Anfrage des SPIEGEL: "Ich habe die Rechnung nie gesehen." Ein Sprecher Zumwinkels sagte: "Ein Aufsichtsratsvorsitzender hat keine Vollmachten für Konten des Unternehmens."

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke. Obermann will die Verantwortlichen der Affäre "ohne Ansehen von Rang und Person" zur Rechenschaft ziehen.

Er betonte in "Bild am Sonntag", der Datenschutz sei für die Telekom und ihn persönlich "ein zentrales Anliegen": "Ich kann unseren Kunden versichern: Ihre Daten sind bei der Telekom sicher. Daran ändert das Fehlverhalten einiger weniger schwarzer Schafe in der Vergangenheit nichts."

Obermann kündigte eine kompromisslose Aufklärung an: "Unsere Mitarbeiter leisten gute und saubere Arbeit. Wer jedoch gegen Recht und Gesetz oder Vorschriften der Telekom verstößt, wird ohne Ansehen von Rang und Person zur Rechenschaft gezogen werden." Der Vorstandsvorsitzende beteuerte, nicht persönlich in den Skandal verwickelt zu sein.

Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat umfassende Aufklärung der Spitzelaffäre bei der Telekom gefordert. "Die Deutsche Telekom muss gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft die Bespitzelungsaffäre im Interesse ihrer Arbeitnehmer so gründlich und so umfassend wie möglich aufklären", sagte Glos der "Bild am Sonntag". Er appellierte an die Wirtschaft: "Darüber hinaus bereiten mir die sich häufenden Berichte über die Bespitzelung von Mitarbeitern in deutschen Unternehmen Sorge. Das gefährdet das Vertrauensverhältnis zwischen Management und Arbeitnehmern und darf nicht gängige Praxis werden."

Am 21. Mai hatte der Konzern bei der Bonner Staatsanwaltschaft schriftlich Strafanzeige eingereicht. Zwei Tage später wurde auch der Aufsichtsrat informiert. Vor exakt einer Woche machte dann der SPIEGEL den Fall öffentlich.

Trotz der langen internen und jetzt auch justiziellen Ermittlungen ist bisher nicht geklärt, wer die Anweisung zur illegalen Überwachung der Journalisten gegeben hat. Klaus Trzeschan, ehemaliger Sicherheitschef der Telekom, will Mitte 2007 alle Dokumente und Daten zu den Schnüffelaktionen vernichtet haben. Er belastete allerdings die früheren Chefs von Aufsichtsrat und Vorstand, Zumwinkel und Kai-Uwe Ricke, in einer Anhörung im Konzern schwer.

In der Anhörung, deren Erkenntnisse der Bonner Staatsanwaltschaft vorliegen, sagte Trzeschan, dass ihm die Ermittlungsaufträge von Ricke und Zumwinkel erteilt worden seien. Sie sollen später jedoch nicht über konkrete Modalitäten der Ausführung unterrichtet worden sein.

Auch die bespitzelten Redaktionen sind bis heute im Unklaren darüber, was die Telekom-Späher bei ihnen unternommen haben. Die Leitung des Wirtschaftsmagazins "Capital" sucht nach einem Maulwurf, der im Auftrag der Telekom Redaktionsinterna an die Konzernsicherheit berichtet haben soll.

Der angebliche Informant ist Gegenstand der Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft. "Wir wissen bislang nicht wirklich, ob und wann es einen Maulwurf gegeben hat", sagt Vizechefredakteur Carsten Prudent. Derzeit sehe man sich an, wer zur fraglichen Zeit vorübergehend in der Redaktion tätig war. Bisher gab es nur einen vagen Hinweis, doch der Mann, der dabei genannt wurde, habe glaubhaft dementiert.

"Wir haben observiert"

Neben Kowalewsky misstrauisch beäugt wurden in den bisher bekannten Überwachungsaktionen 2005 und 2006 auch Jürgen Berke von der "Wirtschaftswoche" und Anne Preissner vom manager magazin, das zur SPIEGEL-Gruppe gehört. Schon zu Beginn des Jahrzehnts wurde außerdem Tasso Enzweiler ausgespäht, damals Reporter bei der "Financial Times Deutschland".

Dass in der Telekom offenbar schon früher Spähaktionen gegen Journalisten und ihre Informanten unternommen wurden, hatte Hans-Jürgen Knoke bestätigt, von 1998 bis 2004 Sicherheitschef des Konzerns - also auch noch in der Ära von Vorstandschef Ron Sommer. "Der Vorstand hat Unzufriedenheit bekundet, dass permanent Interna in die Presse gelangen. Das ging klatsch, klatsch, klatsch, jeden Tag 'ne neue Meldung", sagte Knoke. Deshalb habe man geschaut, wer Zugang zu Unterlagen und Kontakte zu Journalisten hatte. "Dann haben wir Maßnahmen ergriffen."

Auf die Frage, welche Maßnahmen das waren, sagte Knoke: "Wir haben observiert. Man steht an der Ecke und schaut." In Bezug auf Enzweiler berichtete Knoke: "Na, wir haben bei Enzweiler mal vor der Haustür gestanden. Dann haben wir abgebrochen." Sommer bestreitet eine Mitwisserschaft bei den Spähaktionen. Knoke sagt: "Ich habe dem Vorstand gesagt, wir wissen nicht, wer der Maulwurf ist." Dann fügt er im ironischen Tonfall hinzu: "Der Ron Sommer hat sich gefreut."

ala/plö/ddp

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